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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 38 (1858) · p. Seite 150

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
38 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 150 (sequence 2)
Language
German
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150 ein lebendiges Regal, deS „Rechtkerbend"', wir „crisiiren in lützel Anzahl nur zum Gedachmiß." „Ist nun auch seit mehreren Decennien die Auffassung in die Gesetzgebung gekommen. unS alS Mitbürger anzuseben, so habe ich doch kein Reckt auf die Advocatur, ich hoffe sie aber sicher von der Gnade de- Landesherr». Denn ohne sie würde.die höchsten OrrS bewilligte Zulassung zum Eramen unv zur AuSculratur nur die Vergünstigung . eine* Nebels, die Perperuirung einer -Täuschung sein. Der Regieruugsralh brach alSbalb kaS Eramen ab, nicht ohne vgß ver Präsident dem jungen Manne über seine freimuthige Antwort freundlich zugenickt batte. Moritz und Heinrich erhielten neben gleichen Prüfungsvrädicaten die Anweisung, gemeinschaftlich beim Fürstlicken Justizamte C... alS AuSeultatoren ihre praktische Laufbahn zu beginnen. — —■- — Hell schmetterte das Posthorn, als beide Freunde an einem Februartage burck das Thor der Hauptstadt nach dem neue» Bestimmungsorte fuhren. Die Luft war lau. der Himmel klar und rein — AlleS deutete auf einen zeitigen Frübling hin. Hier und da grüßte nock manches bekannte Gefickt in den Postwagen binein, endlich rollte der Wagen durch Vas finstere Stadtthor und war im Freien. Wie eS zu geschehen pstegt. daß d«S bittere Gefühl der Trennung sich erst einstellt, wenn dem Auge ves Scheidenden der letzte freundliche Blick, da4 Wehen des Tuche«, der GipfeldeS BergeS, der Streifen festen Landes verschwindet, so überkam Moritz erst beim AuSgang auS ver Stadt der Gedanke an die Abreise. Durch dieses Thor hatten sie einst die Mutter nach dem ..Hause de^ Lebendigen" gefahren, er und sein Bruder folgten mit dem Vater unv in kindlicher Dankbarkeit hauen sie e« sich still gelobt, dem Vater in seinen alternden Tagen die Liebe ver Gattin einigermaßen zu ersetzen, da- Haupt zu schützen, dessen ,.Krone gefallen." Aber balv fuhren die Glaubensbküver durch dasselbe Thor. auch die Leiche deS Vaters unv kein Sohn folgte vamals dem Manne, der. wie Abaron, überall Frieden stiftend und die geÄennten Herzen und Parteien einander nähernd, die Achtung und. Liebe aller Herzen und Parteien besaß. Und jetzt fuhr er selbst durch dieses Thor, doch lebend und einer Zukunft entgegen, wie sie die kühnste Phantasie deS Zudenknaben nicht geträumt batte! — Nicht lange sollte er sich diesen Betrachtungen hingeben.. Der lebenslustige. glückliche Reisegefährte Heinrich verwies ihm vaS Grübeln Angesichts der leuchtenden Sonne, und was seiner Beredsamkeit abging, die Laune deS Freundes ganz berzustellen, vas bewirkte dessen Fallstaffvis » vis, ein überstarker Viehhändler, der die beiden Hände auf der Geldkatze ruhend, seine Fleischmaffe bald nach rechtbald nach links bewegte und den Nachbar, einen schmächtigen Pastor, durch fei» Elephantengewicht zu zerquetsche» drohte. - Heinrich und Moritz wollten mit dem Gequälten, auf dessen Stirn iw dicken Angst-Schweißtropfen die Worte standen: „Laßt qsse Hoffnung fahren, die Zhr hier fitzet", den Platz wechseln, aber unglücklicherweise wurde sein Rockzipfel vom schlafenden Kolosse besessen — und gefährlich wäre es gewesen, diesen zu wecken, und so fein Fluchen und Wettern während der langen Reise zu prdvoeiren. Vier Stationen waren bereitzurückgelegt, die fünfte bot bas Ziel der Reise dar. Der Tag neigte seinem Ende zu. Schon erblickte man den kleinen Bach, welcher die Stadt E. hellrieselnv durchschneidet. als wäre er neugierig ihre Geheimnisse zu erfahren und plaudre mit den Häusern und Straßen über vaS Treiben der Menschen in denselben. Lustig ranzten seine Wellchen. sie riefen ven Ankömmlingcn zu: „Willkommen, wir melden Euck. kommt nur nach!" Obstplantogen, hier und da ein erleuchtetes.HauS, wie auf Vorposten stehend. Hundegebell verriethen die Nahe von C.. . Der Pastor war schon auf Ver vorletzten Station von seinem Drangen erlöst worden, der kurz vor der Ankunft daselbst durch daS- Grunzen einer Schweineheerbe erweckt wurde, in welcher er „die Häupter seiner Lieben" zählte, die er morgen ihren Gönnern auf dem N.scheu Piebmarkte probuciren wollte. Der Pastor stieg zuerst aus und empfahl sich mit einer Leidensmiene, die immer noch sagte: „Zch habe viel erlebt in den Tagen meineeiteln Daseins, aber nie solche Drangsale'/' Die beiden Freunde sprangen nach auS dem Wagen, gaben die Gepäckscheine einem Postboten zur Besorgung und waren eben im Begriffe den „schwarzen Adler", daS erste Hütel deS Städtchens, zugleich vie „Ressource Ver Honoratioren", .der „Club des Landadels", vie „Postpaffagierstube" u. A. m. auszusuchen und bis zur Erlangung einer MielhSwohnung sich dorr einzuquartieren. als sich ihnen ein Männchen mit fteundlichen Gesichtszügen, eine Hobe Plüschmütze in ver Hand, näherte und nach einigen Bücklingen zu Moritz gewandt, Viesen in unvergleichlicher Zungenfertigkeit so anredete: „Ich heiße Daruck. Herr Moritz. Ja wohl, ich heiße Baruch, kannte ihren seligen Vater sehr gut, von Mendels her in Leipzig, just jedes Mal kam er die Treppe herab, wenn ich zum Essen herauf ging. Sie sind sein Sohn und daS ist Herr von Braun, ja, fteltt mich sehr Sie kennen zu lernen, ich habe Ihre Namen auf den Hutschachteln gelesen. daS thue ich immer. Verzeihen Sie, meine Platte erinnert mich an die Kopfbedeckung." Moritz wußte nicht, was er von dieser^Anrede denken sollte, er war aber artig genug, Herrn Baruch die Freude über daS Vergnügen seiner Bekanntschaft zu versichern. Dies Compliment trug aber nicht zur Beruhigung bei. vielmehr öffnete es erst die Schlenßen der Baruchschen Deredtsamkeit. „Gerade so ein Organ, wie Ihr selign Vater. Sie sind ihm auch im Gesicht ähnlich. nur neumodischer in der Tracht. wahrscheinlich auch in der Frömmigkeit. Hi! hi! hi! — „Wissen Sie» wann Ihr Vater. Gott Hab' ihn selig, zum letzten Male hier war — den Tag vergesse ich in meinem Leben nicht. Sehen Sie, hier kam ich gelaufen, und von jener Seite kam er gegangen und dort fuhr eine Erlrapost mit 4 Pferden im raschen Trabe über den Markt. Da fährt sie. da fäbrr sie, rief ich Ihrem Pater zu. aber er sah nicht hin und so hat er die Gelegenheit versäumt, die große Schröder-Devrient zu sthen, ich aber habe mit ihren« Bedienten gesprochen, als die Pferde

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