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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 37 (1858) · p. Seite 147

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
37 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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147 «nd Wehklagt» der Wenigen auf der andere» Seite. Dort Ehre und Würde, hier Zurücksetzung unv Schmach. Dort behäbiges Ernten, 'hier mühselige- Akern, dort Besitz, hier Streben, dort Ruhe, hier Hast. „Hüben und drüben eine Sprache, aber kein Ufer» bewohner wechselt mit dem andern ein Wort, nur unter einander Horst Du sie sprechen. Keine Brücke führt über den Bach, er ist schmal, flach und hell an beider» Ufern, ist er schwär; und tief in der Mitte. Wie in dunkler Faden zieht sich dieser schwarze Streifen mitte« durch den Bach. „Glaube" heißt der Bach für jeden Tb il an Ufer- Rand. „Verratb" nennen sie gemeinschaftlich je ie schwarze Scheidelinie. Nie setzt einer -auder fruchtbaren volkreichen Ebene den Fuß über den Bach in di; menschenarme Wüste der Brüder, aber sie stellen an Ufer ein schöne- Mädchenpaar auf. Ehre und Freuvl. — Diese winken den Brüdern im Haideland unv nun ziebt'S manchen drüben an. n, bekränzt schwarzen sehr er fick erkenntlich unglücklich Wüfleosobn durch den Bach. Er kommt umtanzt unv umgaukelt, man kreveuz« ihm Wc seine Stirn. Vergeben-! Die Farbe de, „Verralhö" klebt ihm an. unverwischbar, wie müht. So wandelt er fremd unter Fremden am Signalement der Farbe bis zun« Tode, unter Glücklichen. Auf Kruder erbt das K ainszeichen, keine Speeerei verdrängt e-. In der Wüste ber merken sie die Flucht de- Bruder- und bewahren bas daran, fluchend nennen seinen Namen die ft schlechter — am Quell der Oase wie beim de- Samum. ..Heil mit, Heil uns, daß wir den Brüdern treu sind! Moritz, glaubst Du, egelüste mich nach den zeichen?" „Du hast brav geschildert, Herrinann", Moritz und reichte ihm die Hand. „Auch ich werde bei Dir bleiben, bei den Brüdern, bei den Ui seligen, bei meinem Vater." Leise ging die Thür der Nachbarstube auf, der Vicemirth trat ein. „Die Herren haben mem Klopfen nicht gann er leise. ,.fo eiftitzMsputirie man. Kch habe — , ich soll — ich will"- „WaS soll daS, Herr sagte Mocitz. - die vielen HülfSzeitWAMM Kein Stocken in kein falscher Aceenr'WWwrr scherzhaft weiter Gedächtniß äresten Ge- Tode-glühn Verräther» enigegnete ich den Parneß. Warum so ängstlich? Ist che Börse in ehr gedruckt die Luft geflogen, dürfen keine CourSzettel n werden? „Nichtvon alledem. Herr ..., ich hab^ von einem Herrn von Braun erhalten, mit e> ner Einlage an Sie zur schleunigen"- „WaS. Sie einen Brief von Herrn von für mich? Dieser Umweg bedeutet nicht- GcheS. Sollte mein Vater krank fein? „3ch fürchte fast, Herr ...", sagte de mit der Hingabe de- Briefezögernd. „Nur schnell her" rief Moritz, dessen Hngst sichtlich stieg. Rasch nahm er den Brief und erbrach aber war fekn Auge über die Schrift geflogen, er mit der einen Hand sein Gesicht, reichte m dem Freunde den Brief, .stürzte, in die Kamm sich schluchzend auf'- Beit. wozu Ihrer Rede, sonst spiele einen Brief Braun und Westphale, ibn. Kaum so bedeckte t der andern r und warf Herrmann la-: , . „Theurer Freund! Abgefaßt und relrgirt, feit 8 Tagen „in diesem Philistenttst, würde ich glücklich gewesen sein, „hätte ich Dich schon »ngettoffen. „Du in Berlin, Dein^ Bruder Emil auf Geschäft-' „reisen, Dein braver Vater an der Grippe erkrankt, — „so fand ich Euer Hau-. „Jetzt ist tganz bde, denn Dein Vater ist — droben. „So schnell und unerwartet gestern sein Ende, so sanft „und schmerzlos war eS. Friede.dem Braven! „„Grüßen Eie meine Söhne. Herr von Braun, und „drücken Sie die Hand, die bejde väterlich segnen würde, „stürbe ich nicht einsam."" „Damit reichte er mir seine Rechte, die ich lebhaft „ergriff. Ick wollte ihn ermuthigen, er aber zeigte „lächelnd nach der Thür, zu der verschiedene Deiner „Glaubensgenossen eintraten. Doller Wrhmuth entfernte „ich mich — ich habe ihn nicht wieder gesehen. Sei „Mann und fasse Dich — und la^dem Boten die trübe „Nachricht nicht entgelten! Dein^ Heinrich." „Dachte ich emir doch gleich", sagte der Wirth, und die Hellen Thränen glitten ihm über die Backen, und hinter ihm schluchzte seine Frau, die inzwischen auch eingetreten war: ^Ach! der Bravste in der Gameinde. und der arme junge Herr, der unnun auch verlassen wird." ■'/ „Sein Sie Beide ruhig", sprach H/rrmann. „Gönnen Sie die Tbränen um 'ein verlorene- ^Daterherz allein dein Sohne. Thränen stad der Thau auf' der Dlüthe deS Schmerze-, wohl dem Manne, dem sie noch kindlich fließen. » „Besorgen Sie,. Madame, die nöthige Wäsche für Moritz. Sie. Herr ... bestellen Sie eine Droschke, der Mittag-zug geht.in einer Stunde ab; ich will den Freund zur Eisenbahn geleite»! „Armer Moritz, der Ernst de- Lebenbeginnt. Dich ruft da- StudiulN der Menschheit.— wer ist da Lehrer, wer Schkller?" folg,.) ' .1. 'Ir- — Notizen des Tages In Bukarest erschien vor Kurzem eine Broschüre, die an Judenfeindlichkeit Alleübertraf und sogar. den Mord eine-j Juden seiteneine- Christen für eins-heilbringende Thät erklärte. Der Fürst setzte den Cenfor ab, u ließ die Bücheröffentlich verbrennen. In England wurde vor Kurzen» ein Jude zum vierten Male von der christlichen Gemeinde zum ersten Kirchenvater^gewählt!!! —' Die Schweiz verhandelte vor Kurzem mit-Persien übereinen Freundschaft-» und Handelsvertrag. Derselbe scheiterte aber daran, daß die Schweiz nichtchristlichen Persern die Niederlassung versagen wollte. Der persische Botschafter verwunderte sich über bi^Loleranz der Schweizer und lächelte zugleich über' die Furcht, paß sich persische Mohamedaner und persische Juden in der Schweiz nieder« lassen würden.

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