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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 37 (1858) · p. Seite 148

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
37 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 Zur Warnung. In einem Posenschen Städtchen spann der Musiklehrer Aleinczvnski einen LiebeSbandel mir einer löjLbrigen Iüvin an, die er in Musik unterrichtet batte. Er er« > langte die Einwilligung der Eltern unter dem Versprechen , , Jude zu werden, und reiste mit der Mutter deS Mädchens;u diesem Zwecke nach Posen. UnrerwegS verließ er > aber diese, eilte nach dem Städtchen zurück, um in der! Abwesenheit der Mutter die Tochter zu entführen. Er I brachte diese nach Posen zu einem katholischen Geistlichen. ' t<t daS Mädchen sofort taufte und in ein äkloster trachte. . Dann ater kümmerte sich der Mustklebrcr nicht mehr um das Mädchen, und brack taS ibr geleistete Ebegelöbniß. Die trostlosen Eltern riefen die Hülfe der Regierung an. Auf deren Nachforschung wurde daS unglückliche Mädchen den Eltern ausgeliefcrt; der Herr Musiklehrer aber strafrechtlich zu sechs Monaten Get'ängniß verurtbeilk. Bei der dcS'allsigen Untersuchung stellte sich auch eine Urkunden- Verfälschung seitens des Herrn MustklehrerS heraus, wofür er mit einer mehrjährigen Zuchthausstrafe belegt ward. Ihr Eltern, merkt auf, und laßt eS Euch zur Warnung dienen! _ . Blumenlese. Ausrüge feit vrräblungell. Gleichnissen. «ttetauken und Meinungen. wie Erklärungen von Schriftttellen aus hebräischen Serken. Aon Joseph Rawiez in Breslau.' ..Alles wird beaufstämgt und die Macht und die Freibeik ist gegeben." Z, 15. Bemerkung des 3-’C cv nee*"-: ..Unstreitig will vier aut die später vom C2*n in fern« Abhandlung von der Buße 5. 5 angeregte Frage über Gottes Allwissenheit, in wie fern sie die Freiheit tcS menschlichen Handelns beschranke, aufmerksam machen >und rbeilt untaS Ergcbniß feiner Forschung mir, daß cs bei j ihm zur unumstößlichen Ueberzcugüng^ geworden, daß ungeachtet degöttlichen VorauSwiffenS der Zukunft dennoch dem Menschen die Freiheit in seinen Entschlüssen e und Lbaten bleibt^ Die erwähnte-Stelle in Rambam lauter: ..Wirst Du fragen: Da eS ausgemacht, haß Gon weiß alles was geschieht, und dieses schon, bxvor eS noch culstanden» ist eS ibm auch früher bekannt, ob dieser Mensch fromm oder böse sein wird? Ist dieses der Fall, muß za daS Handeln deS Menschen diesem früheren göttlichen Wissen entbrechen. der Mensch also ein blindcS Triebrad in dem Weltsysteme sein, und kann nur wie die aanze äkörrerwelr. nach den Gesetzen dreser VorauSbeftimmung wirken und sich bewegen, Ober gebt Gott etwa die Einsicht in dessen zukünftiges Lbuu und Lassen ab?'. Wisse, lieber Denker, die Beantwortung dieser Frage geht in's Weite und ist unerschöpflich. Ich kan» Dir nur so viel sagen, so wenig wie der menschliche Geist in der irdischen Hülle im Stande ist, das Wesen des Schöpfers wahrzu- ' nehmen, eben so wenig vermag er sich die Allwissenheit de« Allmächtigen zu erklären. Der Mensch hat überhaupt seine Begriffe pur von Außendingen, er und sein Wissen sind mithin zweierlei, während Gott und fein Wissen einö ist; diesebekräftigt auch der Prophet: Mein Denken ist nicht wie. Euer Denken, Jesaja 55. Es steht abet' fest, daß ver Mensch kann frei wählen und thun. waS er für recht und gut, für daS Beste in jedem Falle erkennt, und verwerfen und fliehen das, waS er für unrecht und böse und schädlich hält; er kann sich bei seiner Wahl, bei seinem Verhallen nach den Einsichten seine- Verstandes richten. Seine Entschlüsse und seine Handlungen find recht eigentlich seins Entschlüsse und seine Handlungen, über die er zur Verantwortung gezogen werden kann. Siehe, heißt cs in der Schrift (5. B. M. 30. 15—19), ich lege Dir heule vor daS Leben und das Gute, den Tod und das Böse; wähle das Leben, damit Du lebest und Dein Same." Der kritiflrt: „Der Verfasser hat sich hier nicht klug benommen. Ein Weiser fängt nichtan. waS er nicht auSführen kann, wirft keine Frage auf, für die er keine Beantwortung hat. Ungelöste Fragen veranlassen Zweifel und Zweifel bringen nutzloses Trachten und Verzweifeln zu Wege, er hätte diese Schwierigkeit mit Stillschweigen übergeben und dem Glauben überlassen mögen." Gegen diese Vorwürfe nehme ich den Rambam in Sckutz und behaupte, er hat sich hier ebenfalls nach der Arr. maßgebender Wessen benommen. Finden nzzr doch deutlich eine Mischnab: „Wer über vier Dinge/Bßtzrachtungen anstellt, dem wäre besser nicht geborsv worden zu sein; wer nämlich untersucht, was über, dem Firmament und unter der Welt, was vor der Welt und nach der.Pelt sein dürfte." Der weise een verbieteddie bezeichne»« Betrachtungen und unterläßt cs nicht, sie zu berühren und vor einer Untersuchung zu warnen, die böses und nutzlofesDichten herbeifüh'ren kann. Ist dessen Absicht, die Gegenstände genau zu bezeichnen, über die daS Denken wegen der gefährlichen Folgen sich nicht erstrecken soll, kann ja den Ramban auch beim Aufsetzen und Niedcrschreibcn obiger -Frage diese Absicht geleitet haben, daS, was in daS Reich deS Unbegreiflichen gehört, dem Forschen und Untersuchen zu entziehen. Ich behaupte fest, daß selbst unser großer Lehrer der Mischnah den Gruben an GorrrS Vorauswissen mit ver freien Wahl deS Menschen vereinbaren will, und der Ramban hat selbst hierin seinen großen Vorgänger gefundea/Mer verrvV ona macht die Möglichst dtzLfthheren gbD^hen Bewußtseinohne Ein. stuß aus dad fparÄ^Pienschliche Handeln begreiflich: „Wenn Jemand einen Anderff>lM^thun sieht, so leidet eS keinen Zweifel, daß der Verrich/WWDWsp^. Beobachtung in feiner Verrichtung weder gestör^W»y«KK« wird. WaS nun der Mensch jetzt sieht, ist dem Allsehenden längst L«ka«tt, da bei ibm keine Zukunft denkbar, sondern immerwährende Gegenwart."') ') Vir werden über diesen Gegenstand nächstenin tieft» Blättern ausführlich sprechen. Die Redaction. Allgemeine Zeitung deS Judenthums. No. 36. 1858- Leitende Artikel: Der Eintritt Rothschilds in daS Parlament. — Donaufürstenlhümcr. — Italien. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Don der Lippe.Worme. Dessau. Gropberzogtbnm Baden. — Preußen: äkrotoschio. — Oefterreichischer Äaiserstaat: Wien. Gava. audem Tokayergebirge. — Donansürstcnthümcr: Bukarest. — Die Schweiz: Genf. — Großbritannien: London. . SS Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler. vierteljährlich */4 Thaler.' Verantwortlicher Redactmr: K. Rabe. vertag von Lanmgärtner'» Bllchhandlllllg in Leipzig. — Druck von Alexander Wiede in Leipzig.

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