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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 33 (1858) · p. Seite 130

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
33 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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Kinder, gar mit« im Wege. Wir sind ja. Herr KvscharSkv, auch Juden —7 wir hielten Sie aber für. einen Christen!" Ludwig war wie aus den Wolken auf die Erde gefallen. aber in ein Stück Paradies. „Nun, dafür habe ick ja Sie geballen'." rief er auS. Stürmisch ergriff er die Hand VeS Mädchens. der Hand zog er kaS' ganze Mädchen nack. und sie sank willig in seine Arme. Der Verfasser dieser kleinen Geschichte, die sich aber letzt in tausendfachen Variationen täglich erneuen, bittet die Leser, über dieselbe recht ernstlich nachzudenken — sie dielet dazu mannickfachen Stoff! Ehrkntafel der Humanität im Verhalten von Christen gegen Juden. -Unter diesem Titel enthält daS „Wiener Jahrbuch für Israeliten von Joseph Wenbeimer" jährlich eine Aufzädlung jüngst geschehener Tbalsachen. Aus der dies« Jabrigen „Ehrentafel" beben wir folgende hervor. Als einegewiß sedr bemerken.»vertben Fallemüssen wir der leyt.villigen Anordnung VeS im verflossenen Jahre zu Bern verstorbenen P. Walewill (auS der Gesellschaft Jesu) gedenken, indein derselbe fein bedeutende- Bermsgen rm Belaufe von mebr alS 100,000 st. fttij j A»men odne Ausnahme einer Contefsion vermachte mit dem ausdrücklichen Beisatze. daß hterunler auch Nichlchristrn verstanden seien. Mehr als einmal und wiederholt im verflossenen Jabre begegnete es dem Schreiber dieser Zeilen, durchlauckligfte österreichische Erzherzoge «mit nambasten Beinagen als stille Wodltbäter jüdischer Studiosen, welche u»t Aufbringung ihrer Rizorosentaren verlegen waren, ausgezeichnet zu sinken. Die wenig bemittelte israelitische Culrusgemeinde zu Smickow nächst Prag bar. der Humanität des gegenwärtigen Generaldirektors der Crrdiranstalr in Wien, Herrn Franz Richter, viel zu danken. Diese Gemeinde hatte auS Anlass"eines neuen SvnagozenbaueS eine bedeutende Säuilkenlast, zu deren Hebung Herr Richter persönlich Geldsammlungen in Prag und Wien einieitete. wodurch die Smickower Gemeinde drückenden Verlegenheiten endzoge» wurde. Ein schöner Zug der Gemeinde Ruta in der Baczka ist es, daß ne in ähnlicher Weise wie den christlichen Seelsorgern auch dem Rabbiner eine halbe Session Felder zur Fruchtnießung überlaßt. Der im v. I. zu Hamburg verstorbene Senator Jenisch hat die israelitische Krankenanstalt daselbst mir einem Legat von 5000 Mark Banco bedacht. Landbau von Israeliten in Oesterreich. Der eben erschienene neueste Jahrgang des „Wiener Jahrbuchs für Israeliten" von Joseph Werth ei mer herausgegeben, enthält hierüber folgende interessante. Details: In Oberungarn, insbesondere in den Comitaten SaroS, SzabolcS. ZypS und Zemplin, beschäftigt sich die Mehrzahl der Israeliten auf dem Lande mit der Landwirthschaft, und sind ihre Oekononncn alS Musterwirtbschasten anzusehen. Wenn auch weniger israelitische Gutsbesitzer alS Pächter angetroffen werden, so ist darum die Lanbwirthschüft unter Israeliten in nicht weniger Dlüthe, da der Israelit seiner Rechtlichkeit halber oft viele Jahre aus einem und demselben Gute alS Pächter verbleibt, und verlebt nicht festen die Urgroßmutter beim Urenkel die letzten Tage ihres LebenS da. wo sie vor Jahren mit eigener Hand ihre Felbftüchte bebaut und eingeerntet hat. In Obrrungarn haben es die Israeliten in der Niyr am weitesten in der Landwirthschaft gebracht, und haben sie auch dle nationalen Feste und Feierlichkeiten, welche wir bei ungarischen christlichen Landwinden finden, beibebalren. Im Sommer wird auch von ihm auf feinem Hofe daS Erntefest gefeiert, und mit einem freundlichen Lächeln überreicht auch ihm der Arbeiter den Erntekranz. Im Saroser Comitate hat sich der JSiaelite mehr dem slavifchen Elemente angeschlossen und ^beschäftiget er sich dahier eben so wie in der Zyps. der romantisch gelegenen ungarischen Schweiz, und Hegyalja mit der Landwirthschaft. Es würde gewiß unser Bericht nur sebr ungenau sein, wollten wir den einen oder andern Oekonomen namhaft machen, um^o mehr ihre Zahl so groß ist. daß sich Bogen anfüllen ließen, uod sind eS gerade die verborgensten Dörfer der Gebirge, welche tüchtige jüdische Musterlandwirtbe beherbergen. AuS Gvöngvvs wird uns geschrieben: Auch hier und in der Umgebung wirb der Ackerbau, von Israeliten stark betrieben,^unv würde der geniale Kompert einen Einblick in unsere Gegend getban haben, er hätte wahrlich einen Feiwelbauer nicht erst in böhmischen Dörfern suchen müssen, sondern auch bei uns derartige Eremrlare in Menge vorgefunden, die von keiner anderen Beschäftigung als vom Ackerbau wissen, und die in ihrem ganzen Leben und Verhalten den bäuerlichen TvpuS tragen. Ihre Wirthsckaften gelten alS Musterwirthschaften. auch haben hier viele Israeliten Güter in Pacht, welche sie in einer von anerkannten Oekonomen gerühmten Weise administriren. Hr. Schosberger. auS Pest, hat vor Jahren in hiesiger Rahe ein umfangreiches Gut gekauft. das sich in einem-höchst verwahrlosten Zustande befand, unter seiner Verwaltung aber hebt es sich von Jahr zu Jabr, so daß eS bald den besten Gütern unserer Gegend gleich stehen wird. In Papa zeichnen sich als Landwirthe auS: Hr. Salomon Neumann, Besitzer eines ansehnlichen Gutes, und Hr. Hermann Neumann, der neben bedeutenden Oekonomien daS gräfliche Brauhaus in Pacht hat, Hr. Leopold ArauS und M. Steiner. Pächter der gräflichen Domaine zu Tuskovar, der namentlich alS Schafzüchtler hervorragt. Auch auS dem Banate, namentlich aus der Gegend von Groß-BecSkerek wird berichtet, daß ein nicht unbedeutender Theil der dort lebenden Juden flch dem Ackerbau widmet. Don der besonderen Vorliebe, welche die^ Juden der Hegyalja für Wein- und Feldbau hegen, hatten wir Gelegenheit, wiederholt zu sprechen. Don einer sehr bemittelten WeinbergSbesiyerin. daselbst, die nur Töchter hat,

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