Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 33 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bvlksblatt. Kelehrüng unü An Zur erhaltung aus jüdischem Gebiete. Heraosgegede, von Radbiuer Lr. Ludwig Philipps»» in Magdeburg. >inet Br. Ludw ä«ill*rt|i erterini , rctrv^ |M| ICCC 1 ®0R AriNckrtik ertcketn» »tSenttt» kl»« x»««,k. Drei» et# Jafcr» r — ek « a — H/CO« SS. 1990.1 M«a* 1 kdtr. *« ruijütii 1% **r. Me »u4b»»l.lang«ii. «»Malet 10. JflDM. O. QüOÜrtfll I » **■*'* «w'-' j UN» 8f iung*fjrfMlienfB »rdmru «(»eOnngcn an. *-v* e*"7*IJ* " Das Rencontre. FrLulein Bertha Rheinthal kam mit einer älteren Verwandten, die zugleich eine alte Jungfe war, im Bade H. an. Zu gleicher Zeit traf Herr Lu! wig KoscharSki in demselben: Städtchen ein. »penn auch o )ne Begleitung. Bertha war «in reckt hübsche» Mädcher, insbesondere von dem frischen Hauche der Jugend beleb und verschön». Herr Ludwig konnte al» ein sehr netter jüngltng gelten und wußte dies sehr wohl. Er trug sich nach dem feinsten Geschmack, war mit glänzenden Edelsteinen geschmückt, die den Reichtbum seines Vaters veri ethen. Seine blonden Locken legten stch keck um die wei je Stirn, welche lebhafte braune Augen beschattete. De de junge Leute machten ziemliches Aufsehen in der mittl reu Region der Badewelt. Denn auch Fräulein Bertha erschien stetS in elegantester und reichste^loilette. ES war sehr natürlich, daß die beitz n jungen Leute sich bald begegneten, und ebenso natürlch, daß sie die gegenseitige Aufmerksamkeit auf sich zöge i. Ob zufällig oder absichtlich, eS bildete sich ein Kreis. welchem Bertha und Ludwig angehörten. so daß Epazie gänge, Partien, endlich kleine Bälle arrangirt wurden, an denen unser Held und unsere Heldin gemeinschaftlich Theil nahmen. WaS Wunder, daß sie sich immer m hr für einander interessirten, Herr Ludwig stetS an der reite von Fräulein Bertha gesehen und auf den Bälle i und ReunionS meist ihr Tänzer ward. Unverkennbar entstand in den beiden jugendlichen Herzen eine Zuneigr ng, die bei weü terer Annäherung zur bellen Flamme werden konnte. Dies bemerkte Bertha'S Verwandte sehr bald, denn alle Jungfern haben dafür merkwürdig scka sc Augen. machte Einwendungen, sie wollte den Umgang erschweren, seltener machen, endlich abbrecken. , Ick bin Deinen Eltern verantwortlich, liebe Bertha", riet sie dem jungen Mädchen zu. „ick darf eS nicht dulden. Deine Eltern würden niemals ihre Einwilligung gebe», und Du selbst solltest in Deinem Gewissen Dich smeurn." Bertha schwieg, ließ den Kopf hängen, denn sie fühlte, daß die Verwandte Recht hatte, aber im nächsten Augenblicke war sie draußen im Park, wo Ludwig bald erscheinen mußte. Zu derselben Zeit wandelte Ludwig im entferntesten und bichtesteü Theile deS ParkeS umh«, in tiefes und bange- Grübeln versunken. ,.WaS willst Du. Ludwig?" sprach er ^u sich selbst. „Deine Eltern werben niemal» ihre Einwilligung geben, und Du selbst solltest Dich in Deinem Gewissen scheuen. ES kann zu keinem Ziele führen. und Du wirst Dich nur mit blutenhem Herzen loSreißen. Ziehe Dich zurück, bezwinge Dich, fei ein Mann." Im nächsten Augenblick schoß Ludwig nach dem Blumengarten deS ParkS. woselbst Bertha jetzt lustwandeln mußte. Dennoch beobachteten die junge» Leute^einander seit, de« etwagenauer. Ludwig sprach rin so reine», schöne» De»1sch. Bertha accentuirte etwafranzösisch, und sprach überhaupt gern und geläufig diese Sprache. Ludwig sah wohl, wie -Bertha alle Tage der Woche emsig an den schönen Etickerein arbeitete, welche sie für ihre?Eltern bestimmt hatte, und nur am Sonntage ohne dieselben im Parkt «schien. Bertha hatte in den ersten Tagen schon bemerkt, wie Ludwig in seine Reden recht viele jener Ausrufungen cinmengte. welche im Munde de» christlichen Volke» fo gewöhnlich sind. So vergingen die Tage, so die Wochen. Gleiche- Bangen, gleiche Vorwürfe, gleiche» Vermeiden, gleiche» Suchet und Finden. Waren ober der Jüngling und die Jungfrau bei einander, sowar stet- Allevergessen, und die Herzen näherten sich immer mehr in traulichen Ergüssen. Die Saison näh,ne sich ihren» Ende; die Verwandte Bertha'S drängte' zur Abreise, und erklärte sie endlich in der Gesellschaft, welche sich bereitstark gelichtet batte, auf» Bestimmteste. Ludwig machte am T«ge zuvor feine AbschiedSvistre. Er traf Bertha allein. Ach, er sah so verstört auS. baß Bertha ibn wohl um^die Ursache fragen imißie. Konnte Ludwig die Wahrheit verbergen? Mußte er ihr nicht eingestehen, daß die Trennung von ihr allein ihn so unglücklich mache? Da» Wort entflammte da» Wort. Und ehe er eS sich selbst bewußt ward, batte er dem bangenden Mädchen sein Htrz geöffnet, seine Liebe gestanden. Bertha zitterte, Thränen entrollten ihren Augen. Aber alS Ludwig diese Denätber gegen« scitiger Zuneigung erblickte, und ihre Hand ergriff: da ermannte sie sich, zog diese zurück und sprach, wenn auch mit weicher Stimme: „ES muß entschieden werden, sagen Sie mir. KoscharSki. welcher. Religion gehören Sie an?" Ludwig erbleichte. „Wohlan", sprach er nach einer Pause mit zaghafter Stimme, „ich muß e» Ihnen gestehen, und wenn ich däran auch da» ganze Glück meine» Leben» scheitern sehen muß. Ich bin, o zürnen Eie mir in Ihrem Herzen nicht, ich bin ein Jude." Plötzlich ging die Thür de» Seitengemache» auf. die wohl bijetzt nur angelehnt gewesen. ..Gott sei gedankt und gelobt!- rief die hereinstürzeade Verwandte, „warum haben Sie da» nicht ftüber gesagt? Da steht ja Euch,