Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 31 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
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123 deckt Lehrer und Schüler^» beide zu früh irdi'chem Wirken entrissen. — zeigte große Vorliebe auch fit da» medi. cinische Fach, und die naturphilofophtschen Zdeen. welche er gern entwickelte, regten -die Kampflust dei Hamburgers um so mehr, al» sie auS jeder länger« ^'esprächSpaufe Gelegenbeit zogen, sich zur Geltung zu brir gen. Adolph auS B—1 zur Unterscheidung vom Freund gleichen NamenS und wegen feinevoryeff ichcn Diolin» spieleS und Gesanges „Afaph" genannt, -- wie stehst Du mir noch lebhaft vor Augen, mit der \ ülle schwarzbrauner Locken, mit dem edlen, mädchenhaft weichen und schüchternen Antlitze, mit dem dunkel glühlnven Augen, paare. auS dem Lebenslust und Liebe lev chreren. Du bast unS oft zu Thränen gerührt und all!- Toben beschwichtigt, nenn Du Deiner Freundin und L brnSgesährlin die Töne deS Kol Nidre entlocktest und »lle Inbrunst uyd Sehnsucht unsere- Volkes in langge ehnter Klage leise aus der Violine ersterben ließest. Wer hätte eS damals geahnt, daß Dii» die Wogen der Revolution rettungslos erfassen würden. Sr fiel vor Rastatt, mit ihm die einzige Stütze hochbe agter Eltern. Den letzten Kameraden zeichne ich ar i besten mit seinem Beinamen: Meyer Hirsch. Mar, der Sohn einereichen Geldwechsler» auS Berlin, eine lange hagere Figur, daS Einmal Ein» der Freunder st rS fertig mit dem Facit der WirlbSzeche für alle Genosse, bis auf den Bruchtheil eines Kreuzers, bat er nur ei» Mal in seineu, Leben sich verrechnet, al» er im Gla, ben, die Bekanntschaft seine- Vatermit hohen Justiz, und Finanzbeamten werde ihm hier ober dort zu rinr Stelle ver. belfen, dem Studium der Jurisprudenz »mV Finanz. Wissenschaften sich widmete. Jetzt ist er der Chef eine» der bedeu endsten Hand» lungshäufer in seiner Vaterstadt — der igene Richter seiner Unternehmungen, da» Glück der rittjigt Chef, von dem seine finanziellen Operationen reffortir n.- Die sieben Jünger der Wissenschaft saf en vertraulich beisammen, vor Jedem GlaS und Echo >pen mit dem beliebten ..Affenthaler", auf dem Tische licht, Fidibu» und Cigarren. „Wir haben Dich leben lassen. Moritz", begann der Rheinhesse, der schon unwillig war über tie, nach feiner Meinung karge Freundschaft mit dem Traub nblüt. „stvßey wir auf daS Wohl Deiner Eltern auch a>. — aber Du bast ja", sprach er erröthend, wie um sich zr verbessern —. „Ja Adolph", erwiederte Moritz, »«rossen, doch gelassen, „meine Mutier ist todt, eS sind da d zwei Jahre." DaS Gespräch stockte, die Unachtsamlrir AdolpbS war daran schuld, sein gesellschaftliche» Dient balf ibm aber bald au» der Verlegenheit. „Freunde'', sagte er, zu den Uebrigcn gewendet. ..ich radle mich, daß ich in dieser wedmüthige, Stunde eine trübe Seite in Adolph» Herzen gerührt habe, morgen verläßt un» der langjährige Freund, zu len EiSgefilden seiner sibirischen Heimath zurückkehrend. Wir sehen ihn jetzt leiblich vor unS, bald nur noch im l lilre. In die«* sem aber nur den fertigen, den geworden,» Moritz, so wie er da ist und lebt. Wir wollen ihn entstehen sehen, vor unfern Augen und Ohren soll er sich entwickeln, er werde, er erzähle un» seine LebenSgeschihte." „Ja, wahrbastig! daS soll er", rle en Alle, „wir wollen nicht blo» seine Commilitonen, wir wollen feine Brüder und Schulkameraden werden." „Dank. Ihr Lieben", enrgegnSte Moritz, mit dem ihm eigenen fanfteu und Hellen Organ, da» schon vorweg für ihn einnahm, Ihr erweist mir durch Eure Theilnabme zu viel Ehre. (Fortfetzung folgt.) Briefe aus und nach der Heimath. , x. Sie kennen, lieber Freund, den alten Streit der Geologen. ob die Gebirge ein Erzeugniß dev Feuer» oder de» Wasser» feien, und 'wissen, daß die neuere Wissenschaft die Steinformationen dem im Inneren der Erde vorhandenen .Feuer zuschreibt. Die sogenannten Dulkanisten haben den Sieg erfochten^ Mich kümmern diese Diskussionen der Gelehrten wenig. Aber so viel ist mir gewiß, baß. welche Kräfte auch die Riesen der Erde in die Höhe hoben, die Hanze Gestaltung der Erdoberfläche wesentlich vom Wasser infiuin worden ist. Jede andere gesetzlich wirkende Kraft würde eine größere Regelmäßigkeit hervorgebracht Hab««. Aber dieses Gewlrre von Höhen und Tiefen, von Bergen nnd Tbälern. von Kämmen und Schluchten, von Jochen und Riffen, diese unendliche Mannichsaltigkeit der Berg« und FelSgestalten, der Einschnitte in die Höhenzüge. der Wafferrinnen und Riegel kann nur »durch einen ungeheuren Waffersturm. der mit unendlichem Schwall von oben her sich ergoß, und nach den gttftn Niederungen der Meere stürzte, gebildet worden sein. Diese so mechanisch wirkende Gewalt riß mit sich fort, wa» sie lose fand, brach durch, wa» ihrer Macht an Widerstandskraft nicht gewachsen war. wühlte sich ein, wo sie weniger Starrheit fand, blieb zurück, wo sie nicht durchstgen konnte, und, ließ endlich ihre Sporen überall, wo sie entweder einen geschlossenen Raum oder ein offene» Rinnsal fand. Wir brauchen nur ein GebirgSland zu. überschauen, wir brauchen nur insonderS die Schweiz von einem Höhepunkte zu betrachten, um dessen gewiß zu werden. Während die Steinlagerungen durch andere Kräfte gehoben und gebildet fein mögen, gewahren wir doch überall Durchbrüche. Einschnitte i/ gewaltige FelSmaffen. die durch nicht» Ändere», als durch eine solche ungeheure mechanische Kraft geschehen /ein können, welche aber wiederum die riesigen Rippen ^de'r Erde wohl durchbrechen, aber nicht hinwegreißen kotznre und daher ihre Grenzen innerhalb de» engen Durchbruch» fand. Im kleinen Maßstabe können wir die» noch heute bei jeder Ueberschwemmnng erfahren. Jndeß hat jene Zeit einer gigantischen Wafferströmung unS ihre Weg« zeichen und Gedenktafeln genügend hinterlassen. und wo wir jetzt einen derzahllosen Bergströme seine schmale bläulich schwarze oder, grünlich weiße Schlangenlinie in der Tiefe zwischen mächtig«,, von einander gerissenen, bisweilen wie zerschnittenen Felswänden rauschend und polternd ziehen sehen / wissen wir, daß der mächtige Wafferschwall einst hier seine Kraft geübt, seinen Durch, bruch vollbracht und einem schwächeren Geschlecht diesen kleinen Ueberrest seiner Größe zurückgelaffen. hat. Daß der ganze landschaftliche Charakter.unsere» Erdball» von