Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 31 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
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so oft 'belächelt. Du hast mit dem ganzen Rigorismus Deiner nordischen Aufrichtigkeit mir" säst täglich gesagt, daß wir vier daS Pulver unseres religiösen und politischen Freisinns zu bloßen Feuerwerken verpufft Hanen und die schönsten sieden unserer LandtazSabgeordneten . für die Rechte unserer Brüder hast Du „Dobermontsche Rackeren" genannt — zieh denn in Frieden und sinke dort. naS Du hier vergeblich gesucht haben willst. Wenn aber auch dort Deinen hochgespannten Erwartungen bmere Täuschung folgen, und Deinen wahrheit-durstigen Spekulationen etne schale PrariS begegnen wird. — so denke eine- Heidelberger FrühlingSabendS, de» Anblickeine» Sonnenuntergängevon dieser Stepe au». Und wie der Himmel mit freudeoerklarte» Anttitz die weite Erde deckt, im Fluß sich spiegelt, wie in rer tdauigen Perle tfc Rose, und Allo. Alle so liebevoll ansckaut; so überall Dein Thun, sei eS groß oder klein, lege Du selbst nur den Himmel der Menschbeit, und auS dem Auge jede- Menschen wird er Dir entgegenspiegrln. wie auS dem Blicke einer Geliebten." ..Wie Dich doch, Alerander, Dritte poetische Stimmung noch mehr verklärt. alS vorhin die Strablen der scheidenden Sonne", entgegnete lächelnd der Dngeredete. ..Du verkennst mich^ Ich suhle so warm wie Du, mein ganze- Herz gäbe ich gern der Menschhet bin, aber Du - weißt alS Jurist: Wobltaten werten nicht aüfgedrungen. Ich kenne keine webmütbigere Erscheinung. alS die eines jüdischen Studenten. Soll ich mich beö reichsten GemütbSlebenS, in dem ich aufgewachsen bin, entaußern für eine Öffentlichkeit, die für mich keine ist, da sie mich nicht anerkennt? Zum Genüsse meines Streben» soll ich nicht kommen im Kampfe mit den Vorurtheilen. meine Vaterlandsliebe wird bespöttelt, meinem FreibeitSeifer wird nicht getraut, überall weist man mir den Juden, den ich doch der Menschheit opfern soll. ..Heuchelei und Fanatismus unter den Brüdern. Unbeholftnbeit und Schwäche bei ihren Führern. Verlangst Du Harmonie und Akkord bet solchen Dissonanzen?" . (.;,£u giebst mir zum Abscki/d das Bild dcS Sonnenuntergang-. Auch ick will ti Dir als Gedenkblatt in da- Stammbuch/unserer Freundschaft legen, entbehrt rS gleich der bellen Farben Deiner Phantasie.- Wie diese Sonne, kur; bevor fie scheibet, noch einmal die ganze Fülle ihrer Herrlichkeit auSgießt und Thal und Berg und Wald und Strom wie zu einem Golde zusammenschmilzt — laß eS Dir eine Lehre fein, vor Deinem Scheiden einst Dein Wirken zu überschauen —, Heil Dir. wenn Du scheiden kannst, wie sie. zufrieden mit Deinen Werken. - beseligt in Deinem Herzen, gesegnet von Jedermann." Und wie zur Bekräftigung dieses Wunsches reichte er ibm die Hand. ..Sonnen- oder Fistgatt. Herakles oder Dagon, Mensch oder Boruffomane^, rief auf einmal eine sonore Baßstimme, ..Moritz oder Mordechai. waS predigst Du am Wege und weckst die Vögel des WaldeS? Ein Kind Israels und doch ein Eonnenanbeter, kommt, wir wollen in der „Bambergei" diese Mondscheingedanken mit „Affenthaler" besprengen!" Ein bunteS Gelachter erscholl im Eher aus diese Anrede. Verwundert blickten die beiden Fteunde nach oben. Da stand auf einem FelSv»psprunge mit bestäubten Kleidern und dickem Knittel. Eduard, der Hanseate, eine vierschrötige, schwarzbärtige Gestalt, jeder Zoll an an ihm Mark und Kraft — und binter ihm im Halbkreise vier andere Gestalten, welche Stöcke schwangen und laute- „Hurrah" ertönen ließen. „Seht", sagte Eduard, mit den Uebrigen berabkletternd und wie diese den beiden Freunden die Hände schüttelnd, ..wir kommen zu Fuß von Ladenburg, die Kehle ist trocken, Moritz, der Deutel leer, zum Wechsel der Empfindungen wollen wir das Agio Deineangekommenen Wechsels vertrinken." „So soll eS sein", riefen die Uebrigen und zogen die Freunde mit sich fort. 2. Im „weißen Rosse" zu Heidelberg faßen sieben junge Leute. Die beiden Freunde und Eduard in der Mitte. Zugend. Religion, gleiches Streben einte sie Alle. Eduard war der einzige Medikinet, die übrigen lagen per Rechtswissenschaft ob. Moritz aneiner kleinen Stadt im nördlichen Deutschland, war der schmächtigste unv kleinste unter ihnen. 'Sein Gesicht verrietb so wenig die jüdische Abstammung. alS es ibm andererseits möglich gewesen wäre, in irgend einer Lage keS LebenS diesen Umstand zu verschweigen. 'Und daS ist nickt so häufig. Wie oft begegnete eS mir, daß reite BankierSsöbne auS Frankfurt am Main und Berlin, deren GesichtSzüge sie sofort alS Juden kennzeichneten, aüffälligerweife im Colleg jede Bank mieden, auf der ein jüdischer Commilito saß. und sich zwischen pommersche und mecklenburgische Adelige drängten, wie um den bösen Eindruck der dunkeln Brauen und dekrausig schwarzen HaareS durch die Nachbarschaft blauer Augen und blonder Locken zu verwischen. Alerander, mit angenehmen GesichtSzügen. von schlankem Körperbau, voll Leben und Heiterkeit. auS Dadenweiler gebürtig, batte den Beinamen „Horaz" erhalten. womit die Genossen feine dichterische Begabung und den römischen Ursprung seines HeimathSorteS bezeichnen wollten. Und während kein Spitzname an den ernsten, bedächtigen Moritz sich wagte, wurde der Hamburger Eduard „klein Henlele" genannt, mit Bezugnahme auf seine herkulische Gestalt und seine große Verehrung des berühmten Physiologen Henle, dessen FamuluS er'war. Wenn man ihn aber recht foppen wollte — hier wurde er jedoch bisweilen heftig — so wurde er auch „Stört" gerufen, weil er dem Studium seiner Lieblingslehre, der Irritabilität der Nerven^ unzählige Frösche opferte. Adolph, auS der Gegend bei-Dingen. wegen seiner Virtuosität im Poculiren, daS „Dinger Loch" genannt, gehörte zu denjenigen Menschen, welche die glückliche gesellschaftliche Gabe besitzen, zur rechten Zeit das Herannahen eineS StreiteS zu merken und durch einen witzigen Gedanken, durch ein Echlagwort den Zank zu beschwören, den Frieden zu sichern. Emil auS WormS, der „Reichsadlers geheißen, weil er für ein einige» Deutschland eben so schwärmerisch sich begeistern konnte, wie er seines trefflichen JugendlehrerS Di-. Adler häufig eingedenk war — die kühle Erde