Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 29 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 3)
- Language
- German
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115 4 ertönte sein Name mit Achtung und Ehrsurbt und sein Bildniß parahirte in allen Sammlungen ge ebner Gallerten; ein Ruhm, der ihm aber theuer zu st hen kam. Lavater — ein Mann, der den mebrsten meiner Leser bekannt ftin wirb — Pfarrer in Zürich, e n schwärmerischer CbristuSbekennrr. glaubte seiner Religi m und ihrem Stifter keinen größeren Dienst leisten zu können, als wenn er den ersten und gelehrtesten )uden dieses JahrbundertS bekehrte, und forderte ibn auf filzende Weise feierlich zum Bekcmttniß teS CbristenkbumS auf. Lavaterbatte BonnetS Untersuchung der Bew >ise für daS Cbristenthum auS dem Französischen über'etzt und seine Uebrrsetzung dem großen MendelSsob > zugeeignet. Bekanntlich sieht der sonst gewiß sehr eh-würdige und fromme Lavater mit ganz besonders eigener Augen und meinte auch hier, wer nicht mit seinen Augen sähe, der säbe nicht recht. Die Einbildungskraft welche so oft in seinem Leben mit ihm durchging, bekam «ich hier den Koller und sein gute- Herz rannte mit sein m Feuerkopfe davon. Er warf dem Weisen Israels ten F ehdebantschuh in seiner Zueignung der gedachten Echrif zu. forderte' ihn aus und beschwor ihn feierlichst im Angesicht deS PublicumS: entweder diese Schrift zu w Verlegen, wofern er die wesentlichen Beweise, womit! ie Thatsachen des ChristenthumS unterstützt sind, nicht richtig finde, oder dafern er dieselben richtig fände, z> thun. waS Klugheit, Wahrheitsliebe und Redlichkeit rann von ihm berschten — waS ein SokraieS gethan haben würde, wenn er diese Schrift gelesen und unwikerle zlich gefunden batte. Mendelssohn, der nicht mit Lavater ließ den hingeworfenen Handschuh liegen u nicht aufheben. Er antwortete in eine! it Schreiben an Lavater: daß er ihm zwar men Absichten bei dieser Aufforderung zutraue, nicht genug wundern könnb^ von dem Mi i von Person kenne, und mit seiner Abneigt ng, in solchen Angelegenheiten einen öffentlichen Kampfplatz zu betreten, sehr wohl bekannt sei. einen solchen öffer tlichen Aufruf zu erhalten.' Er erklärte, daß'er die 8 eligion seiner Later für «ine wahre anerkenne, außerde n er sie gewiß schon würde verlassen haben. Er läugn te zwar nicht, daß er bei seiner Religion menschliche Zusätze und Mißbrauche wahrgenommen, aber, sagte er, welcher Freund der Wahrheit kann sich rühmen, seine Reli fton von schädlichen Menschensatzungen frei gefunden zu haben? Die verächtliche Meinung,, die man von Zuber hat. wünschte Mendelssohn durch Tugend, aber nichi durch Streitschriften widerlegen zu können. Die Zunö higung kleiner Geister, sagte er. welche glauben, ihn einer Religion wegen öffentlich antasten zu dürfen, Hobe er immer verachtet; aber die feierliche Beschwörung eit eS Lavater'S zwinge ihn, feine Gesinnungen öffentlich m den Tag zu legeir, damit Niemand sein Stillschweigen für Verachtung oder Geständniß haften möge. Der innere Verdruß über diese uner rarreie Aufforderung LavaterS äußerte eine so gefahrliä e Wirkung auf MewdelSsohn'S schwache Gesundheit, dcß er eine Zeit, lang allen Geschäften, die nur einige An trengung erforderten, entsagen mpßte. Ueberhaupt sprac > er sebr ungern über dergleichen Gegenstände der Religü n. Wenn er S Augen sah. id mochte ihn öffentlichen chenfreundliche sich aber doch nne, der ihn aber solchen Gesprächen nicht ausweichrn konnte, so drückte, er sich freimütbig darüber aus. ohne fich zu ereifern, oder wohl gar rinn, bitteren oder beleidigenden Ton anzunebmen. ' ..Ist .ja",pflegte er zu sagen, '..der Stifter der christlichen Religion selbst in der jütischen geboren und erzögen, warum sollte ich mich denn schämen ein Jude $u ~t*in?" . llnt ta man einmal entgegensetzte,^ daß dies kein Beweis-zum Vortheil der jüdischen Religion I sei. so gab er zur Antst.orti „auch soll enicht für einen Beweis gelten, weil ich'aber nirgends gefunden, daß Christus die Religion feines Volkes, was ihre inneren Grundsätze betrifft, füt falsch erklärt, so glaube ich mich auf eben demselben Wege, wie andere Menschen zn befinden, welcher zu dehi .Gott der Wahrheit und Gerechtigkeit führen wird." Er liebte den Friohqn und war ein Muster von Toleranz und Menschenliebe. Einst, besuchte ihn ein' lutherischer Prediger, welcher in seiner noch finsteren Gegend Aufklärung zu verbreite» suchte und sich darüber Mendelssohn'- Rath erbat. ES war rührend anzuhören, wie ein Zude hier mir einem lutherischen Prediger über die beste Art und Weise sprach, wie eine christliche Gemeinde zuunterrichten fei, und wie Mendelssohn den Prediger ermahnte, ja nicht auf einmal zu viel Neuerung zu machen und bei dem AufklärungS. geschäfte mir Behutsamkeit und Sanftmuth zu »erfahren, wie Christus auch zu thun gelehrt habe. Er schien ordentlich eine Art von Vergnügen darin zu finden, auch seinen offenbaren Feinden Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und sprach uft mit Bitterkeit von ihnen. Gut. müthigkeit, mit Verstand verknüpft, schätzte er über AlleS, und war im Lobe derjenigen Personen unerschöpflich, bei denen er diese beiden Eigenschaften vereint anzutteffen - glaubte. AIS König Friedrich der Zudengemeinde zu Berlin befahl, einen AuSzug auS dem Buche Ohoscbeu Hamischp&t in deutscher Sprache zu machen, und nach dieser Norm in Rechtssachen zwischen Juden und Juden zu entscheiden, damit sie nach ihrem Oesrtz gerichtet würden, so übernahm Mendelssohn diefiS Geschäft und vollendete eS mit dem besten Erfolge, obgleich die Rechtswissenschaft nie ein Gegenstand seiner Forschungen gewesen war. Diese Schrift wurden 1778 unter dem Titel: Ritualgesetze der Juden gedruckt und ist jedem Juristen, d^r RecktShändel zwischen Juden und Juden zu schlichten hat, * unentbehrlich. Mendelssohn schrieb noch mancherlei. Er erläuterte den Prediget Salomen und btt Hohelied und gab 1783 sein Jerusalem, oder über religiöse Macht und Judenthum heraus. Tr gab dies wichtige Werk gerade zu einer Zeit heraus. wo »in Deutschland so vieles über Religionsduldung und Freiheit, gesprochen und geschrieben wurde, und wo man neugierig war. einen Weltweifen, wie ihn. darüber reden zu hören. Bei den Widersprüchen, die ft bei dieser Gelegenheit erfuhr, blieb er sehr gleichmülhig. Er wolüe seinem Zeitalter noch nützlicher werden und faßte den Gedanken, die Lehre vom Dasein GotleS in ein neues Licht zu stellen. ES war ihm sehr angelegen gewesen, seinen ältesten Sohn Joseph, einen Jüngling von ausgezeichneten Fähigkeiten und gegen den er die zärtlichste Vaterliebe hegte, von dieser Seite