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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 29 (1858) · p. Seite 116

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
29 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 116 (sequence 4)
Language
German
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116 sicher zu stellen. Er batte ibra und einigen anveren Zungen hoffnungsvollen Leuten seiner Nation in einigen Morgenstunden— denn nur in -diesen konnte er anhaltend denken und Nachmittags spürte er schon seit ackt Jahren die Schwächlichkeiten seines abgezehrten Körpers — di« AniangSzrünce seines pbilosopbischen Svstems mündlich erklärt unv besonders auf Gon und aut die richtige Auseinandersetzung unseres Begriffs von idm und von seinen Eigenschaften wichtige Wahrheiten gegründet. AuS diesen Unterredungen entstanden dte Morgenstunden oder Vorlesungen über das Dasein GotleS. Leider blieb dies Meisterstück unvollendet. *) Die unersättliche Wißbegierde. welche ihn beseelteverleitete ibn oft in früheren Jahren Nächte zu durchwachen. weil der Tag für ibn verloren war. DieS war insbesondere der Fall mit ib‘ni, alS er zuerst den Wolf unv Leibniy studine. und mit einer nie empfundenen Wollust, einen immer helleren Tag in seiner Seele ausdammern sah. Dann war eS ihm oft unmöglich, die Lampe auszulöschen und sic brannte oft noch, wenn der Morgen schon wieder in sein Fenster schimmerte. Er nannte daS feine nächtlichen Schwärmereien. Durch die« häufige Nachtwachen haue er sich eine langwierige' Nervenschwäche.zuzezozen, wodurch er für seinen edlen Durst nach Kenntnissen. mit der Standhaftigkeit eines Weisen, viele Jahre büßte. Diese Nervenschwache ging so weit, daß er einmal säst ein ganreS Jahr lang sich alles ernsthaften und anhaltenden Denkens enthalten und oft mehrere Stunden lang die einzige Beschäftigung seines immer rhärig fein wollenden Geistedarin suchen mußte, daß'er am Fenster stand und — die Ziegel auf dem Dache degegenüber stebenden HauseS zählte. Seine Freunde, die täglichen U»»ganz mit ihm, hatten, versichern, daß eS fast unbegreiflich sei, wie die wenige Nahrung, auf welche er sich einschränkte, einen, menschlichen Körper erhalten konnte. Der Mann schien ganz Seele und Geist )a sein. Mn der heitersten Miene, die ibn überhaupt selten verließ,- pflegte er seine Freunde zu Speisen und Getränken einzuladen, wovon er selbst aus Furcht nackthtiliger Folgen für seine Gesundheit nichtzu kosten wagte. So wußte er als ein wahrer Weiser dem sinnlichen Genüsse zu entsagen, und wäre er im Stande gewesen, den geistigen Genuß de- LesenS und SelbstdenkenS eben so leicht zu entbehren, so würde er sein Leben not mehrere Jabre lang erhalten haben. So lange indessen seine Arbeit nur noch Spekulation war. arbeitete der ekle Mann ebne merkliche .Schwächung seiner Gesundheit. Erst aldie Lavatersche Aufforderung auch sein Herz in Bewegung setzte, empfand er plötzlich die fürchterlichsten Folgen von seiner Lebensart. Sonderbar war eS. daß bei der Enthaltsamkeit von jedem sinnlichen Genüsse, worin er Meister warein Einzigeübrig blieb. *) Dagegen vollendete er glücklich die vorzügliche Nebersetzunz de, fünf Bücher Ron», der Psalmen und de» Kobe» Lieb,«, die allmälig da« Semeingnl aller seiner Glaubensbrüber wurde. Die anderen Bicher der beiligen Schrift worden, von seinen Jüngern in feinem Geiste übersetzt und erklärt. D. (5. von dessen übermäßigem Genüsse er sich kaum loSreißen konnte, und diese seine LieblingSnäscherei war — Zucker. „Der Zucker", pflegte er im Scherz zu sagen, „hat den einzigen Fehler, daß man keinen Zucker dazu essen kann", und so oft er ihm auch widerralhen wurde, konnte er sich doch selten überwinden, diesem Verbote Gehör zu geben. Wo schätzte je ein König die Gelehrten seine- Zeitalterhöher als Friedrich der Große. Wie hätte ihm. der die ausgezeichneten Männer aller Nationen so gern;u sich beschied, um sie persönlich kennen zu lernen und sich mir ihnen zu unterreden, dieser Stern in Israel entgehen können! Er berief ihn also nach PorSdam, um ihn von Angesicht zu sehen. Da eS eben Sabbalh war. wo bekanntlich kein Jude reiten oder fahren darf, so mußte Mendelssohn, nach dem Gesetze seiner Väter, zu Fuß durch da- Thor in Potsdam eingeden. Der wachthabende Junker, der wahrscheinlich mit Mendelssohn- Namen und Schriften nicht weniger bekannt sein mochte, als der Bauer mit Pisang und Ananas, fragte ihn unter einigen helvenmäßigen Kernstücken: ..AVer wie Teufel. Jude, kömmst Du zu der Ehre, zum Könige gerufen zu werten? Der erschrockene, zärtliche Mendel- - sohn verzweifelte, den gnädigen Junker in der darüber zu belehren, und gab in der Angst zur Antwort: ..ich spiele aus der Tasche." Nun war dem jungen Helden der Zusammenhang sehr begreifbar und er ließ den Taschenspieler Mendelssohn passiren. (Zdlus foifll.) Anekdoten. (Aus PascheleS' israelit. BolkStaleader-H61.9.) Eine Mutter, die die Belesenheit ihrer Töchter rühmen wollte, sagte: „So viel Bücher gwbt eS in der ganzen Welt nicht, als meine Fanny schon gelesen hat." ..Ich hörte, daß in der k. k. österreichischen Armee 12000 Juden dienen." „Wenn diewahr kst. möchte ich nicht bei ihnen Feldwebel fein/' sagte ein Zuhörer." — „Warum?" — „Weil die Juden nicht so leicht anzutzühren find." Probatum est. Ein Doctor wurde zu einer Dame gerufen, die ihn durch ihr Geschwätz kaum zu Worte kommen ließ. — „Zeigen Sie mir Ihre Zunge." begann er endlich. — Die Dame willfahrte. — „So. lassen Sie die Zunge so lange draußen, bis ich die Untersuchung beendigt haben werde." Allgemeine Zeitung de« Judeuthum«. Ro. 28. 1858. Leitende Artikel: Einige Gedanken auf der Reise. — Bom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrickten: Deutschland: aus Württemberg. — Preußen: Reicheubach, au« Mittelschlefieu. Cölu. — Oesterreichischrr Kaiserstaat: Wien. Wien. Wien. Fünfkirchen. Temeswar. — Frankreich: Rühlbausen. — Großbritannien: Loudon. — Rußland: Rin«k. Abhandlungen, verschiedenen Inhalt«: Rabbi Jonathan Eibenschütz. Eine biozravbische Skizze von R. Gutmann 93T 3» beliebe» buri ,eket Postamt nN» jede Buchhaodlung. Jährlich Z Thalei. vierteljährlich^ Jpflfer. Berantwortlicher Redacteur: Ä. Nabe. >. tkrlag #« 8«*K|5rteet’« vachtantlung t» krivriz. — DrnS von Ntexander viev« t. .

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