Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 28 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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111 vor feinem Weggang gründlicher auf. Ob die beiden Schurken sich in brüderlicher Liebe wieder gefunden und eS kann zwischen ihnen eine tödtliche Umarmung gab. habe ich nicht erfahren. Nun. lieber Leser! nur noch wenige Worte über mich selbst. Einige Jahre sind seitdem verfio sen. Daß ich' der glückliche Gatte meiner Lina bin. wüst Du voraussetzen. Herr Henoch kommt täglich zu il»ir inS HauS. und fteut sich seiner Enkel, die an Jahrei und an Zahl immerfort im Wachsen sind. ES ist d eS der einzige Punkt, in welchem ich mit ihm nicht ganz zufrieden bin, nämlich baß er mir die kleinen Affen ganz verzieht. Die großväterliche Liebe steht bekanntlich in pädagogischer Beziehung in keinem guten Rufe. Jsivoi ist mir ehrenvollem Namen auS seinem Jugendmiß zeschick hervor» gegangen; er ist jetzt einer der bebeutenbi >en Fabrikanten deS Landes. Sein zweiter Bruder ist sein Eompagnon; der älteste hält vor wie nach seine Knal en-Armenschule und Amalie ist fortwährend der gute Gen uS der Familie, die Schwester aller Wittzwen, die Mutte aller Waisen in der Gemeinde. Sie ist eine alte Ji ngfer. wie ich wünsche, daß alle Mädchen seien, die üb;r die Schwelle deS ehelichen Lebens nicht geschritten. Ob eS mir ge» langen. ein Mann von bedeutendem ärztlichen Wirkest zu werden, können die Leser, wenn sie »egierig sind eS zu erfahren, selbst erkunden, wenn sie na h unserer Stadt kommen. Doch bin ich bei allem Glücke »er Armendoctor der Judengemeinde geblieben. Briefe aus und nach der Heimath ix. «Tck-ws.) Der Nachthimmel war dunkel. Die zahlreiche Gesellschaft im Speisesaale trennte sich nach lebhl ften Gesprächen in allen Zungen der Erde nach und n ch. Aber die Nacht blieb nicht ungestört. Um Mitte nackt war daS eder zur Höbe Der Sturm br >uste. als wolle chleudern; wie Gewitter zurückgekehrt und hatte sich w deS Rigi-CulmS erhoben, er daS ganze Gebäude in die Tiefe Kanonenschläge traf der Donner auf da- 4 auS. daß eS in seinen Grundvesten erzitterte. Aber nach k rrzem Schrecken beruhigte man sich, und selbst der Auf rlbr der Natur konnte den Schlaf von dem Lager der er nüdeten Reisenden nickt verscheuchen. Aber auch daS 'i die Fremden zu einem fröhlichen Mor >en zu wecken. Dieser war rauh, windig und AlleS in Nebel gehüllt. Wir warteten bis 9 Uhr. aber da die Decke sich nicht hob, machten wir unS endlich auf den Weg, um nach WäggiS am Vierwaldstättersee hinunterzr steigen. Siehe, kaum hatten wir nach einer Viertelstunde di ..Rigi-Stoffel" erreicht, ein großes Kur- und Gasthaus an dem nördlichen Abhang des Rigi, als der Nebel plötzlich zerriß, der blaue Himmel sich über unS wölbte und die Sonne in neuer Frische erglänzte. Nur um den Rigi-Colm kämpften und wogten die Nebel noch, dc ß der Berg wie lphorn schwieg. ein rauchender Altar auSsah, der seine )pfenvolk« zum Himmel sandte. Von hier auS erblickten wir hell und klar im Tageslicht einen kleinen Theil dessen, ^vaS uns gestern in der großen Rundschau vom Gipfel-erschienen war. Aber eS war genug, um Herz und Auge zu erfreuen. Luzern, die blaue Bucht deS SeeS. Küßnacht. die hohle Gasse, ein weites grünes Mattengelände mit einzelnen Waldstreifen. In zwei und ein halb Stunden stiegen wir rüstig nach Wäggt» hinab. LS ist ein Pfad voll Mannigfaltigkeit und Abwechselung. Bald schreitet man durch hohe Felswände, durch Felsenthore und enge Schluchten; bald gelangt man an kleine grüne Thäler; bald rauscht ein wilder Sturzbach vorüber, bald riefeln klare Quellen audem Gestein heraus, bis man unten in eia HerrlicheS Nuß- und Kastaniengehölz kommt, wo der kühle Schatten und frische Duft , die erschöpften Kräfte wieder erweckt. Auf dem Wege hatten wir einen nicht geringen Schrecken, der unS nachher zum frohen Dank gegen die göttliche Vorsehung stimmte, welche so. oft dem Menschen unbewußt Gefahr und Verderben von seinem Haupte abwendet. Ich wanderte mit einem norddeutschen Geistlichen in lebhaftem Gefpräch voran, als plötzlich der Schrei einer Dame unserer Gesellschaft hinter uns ertönte. Wir eilten zurück'» noch stand diefielbr blaß und erstarrt wie eine Leiche, umringt von Herren und Damen, die fich um stö^müheten. Ein großer Stein war von ziemlicher Höhe heruntergefallen und hatte ihren Arm leicht gestreift; die Erschütterung der Lust hatte sie betäubt; nur einige/Linien weiter, und eS wäre da- Schrecklichste erfolgt. Der Stein war auf der einen Seite naß, zum Beweise daß er vom Regen oder einer kleinen Welle eine- Quells unterwaschen, jetzt vielleicht durch den Fuß einer Ziege abgelöst w«. Der. Rigi, wie auch der Roßberg und andere^ Höhen unter den Dorbergen der Alpen bestehen ausogenannter Nagelfluh, einer.jugendlichen Steinbildung, einem Conglomerat von meisten» abgerundeten Kalk» oder Kieselsteinen. die durch einen kaikichr sandsteiyartigen Kitt zusammengehalten werben. Da dringt nun Luft und Wasser hinein, bringt Der. Witterung und Auflösung zu Wege, fo daß da- Gestein seine Unterlage verliert. Daher die großen und kleinen Bergstürze, die schon so große Gefahren in der Schwei; verursacht haben. Auch Vieser Stein war länglich rund und von allen Seilen wie ein Kiesel, der lange Zeit in strömendem Wasser gelegen, glatt und abgewaschen. Die», lieber Freund, in' kurzen Umrissen meine Rigifahrt. Hier schon machte ich, wie oft in der Schweiz, die Erfahrung, daß eauf -Gotte- Erven doch viele Dinge giebt, deren Anblick alle Einbildungskraft überflügelt, viele Dinge. wo die Wirklichkeit die Erwartung weiter hinter sich läßr. ' Die Juden in China. Man wußte bereitfeit langer Zeit, daß in Kal. fung.fu in der Provinz Honan eine israelitische Eolonie eristire. Die katholischen Missionäre haben im Anfang de» vergangenen Jahrhundert- 1704 mehrere Berichte über sie veröffentlicht. Eine Dame der London Society