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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 28 (1858) · p. Seite 110

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
28 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 110 (sequence 2)
Language
German
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110 wm, eine Hölle, wie sie die walkende Hand Gottegewöhnlich zuerst für den Verbrecher. dessen Maß voll ist. durL die Hand der eigenen Genossen öffnet. Schnell benutzte ich dagewonnene Terrain, und warf ibm einig entgegen: „Sie irren Herrn Commerzienratd. eS sind nicht allein die Angaben de'- rokhen Henri, welche.eine furchtbare Anklage gegen Eie erbeben — haben Sie noch nie gebört. wie sich schon oft Gräber geöffnet, um über den blutigen Kain blutige Vergeltung bringen? .. . Za, Zsidor Henoch. gegen den Du. tückischer VerrLther. tat Morbmesser gezückt. fein Blut ruft Racke über Dich, und sie soll ibm werden . . Tie Gestalt meinet Gegnerbot eine merkwürdige Erscheinung dar. Qi mußte in derselben furchtbar ringen und kämpfen. Zu plötzlich war es über ihn gekommen, alt daß nickt der furchtbare Schrecken all' seine Geister gelabmk, all' seine Kraft gebrochen — aber zu gewohnt war ihm auchder Gedanke-des Verbrechens. zu frech und gewissenlos war die Seele kieset Menschen, als daß nicht die alte Unerschrockenbeit und Kühnheit sich allmälig wieder bervorarkeiten mußte. Zch eilte daher, um den Mutb meinet Gegners nickt wieder erwachen zu lassen, rbn vollends niederzusckmettern. ..Wohlan. Herr Frcuffk". hob ick von Neuem an. ..lassen wir die bloßen Worte, und Horen Sie, was über Eie gekommen, und fühlen Eie die ganze Wucht der Schanke und des Untergangs, die über Sie hereinbrechen. Zsikor HenoL ist unter den Sticken und Hieben Zbrer Möpkerfaust und der Zhrer Genossen nicht gestorben, er lebt — er lebt und ist zurückgekehrt, um —" Zch konnte nickt vollenden; mit dem entsetzlichsten Sckrei: ..Er lebt!" stürzte Freund auf die Knie, sein riesiger Körper brach einen Augenblick zusammen, ein Zittern stog durch die nervige Gestalt, dann Hob sich rlötzlick fein Oberkörper, fein Angesicht wankte sich gen oben, seine Hände erhoben sich und aus seinem krampft bau geschloffenen Munde brachen die Worte hervor: ..Rächer im Himmel, Du bist gnädig, er lebt. Du sei gepriesen, ich werde wieder Ruhe! sinken ..." Eine .Flutb von Worten, meist unverständkick. drängte sich über —» seine Lippen, Zeugoiß gebend von dem Aufruhr in feiner Seele, kessen er nickt Herr werden konnte. Zch trat zu ibm. klopfte ihm auf die Schulter, und. sprach: ..Kommen Sie zu sich, Herr Freund; ich sehe. Eie sind noch nickt so tief gesunken, wie man glauben mußte; Sie haben Recht. Gott im Himmel ist gnädig, und er bat Ihnen in seiner Langmuth Raum gewährt. Ihre Verbrechen zu büßen. Zch sage zu büßen. denn gut machen können Sie sie nicht/' . Freund erhob sich mit meiner Unterstützung, ich geleitete ihn zum SopHa, ließ ihn sich niederfetzen und schob einen Sessel neben ihn. Dann begann jch von Neuem: ..Sie haben bereits Zhr Verbrechen mir gestanden, und so reibet sich meine Zeugenschaft an die. vielen unwiderlegbaren Documenre. welche Zsidor Henoch mit über das Meer gebracht. Sie wissen", fügte ich dumpf hinzu, diese Beweise werden Sie unter das Beil deS Henkers bringen ..." Zch hielt inne. die Wirkung meiner ein- ° fachen Worte war unbeschreiblich. Vernichtet, gänzlich niedergcworfen saß der früher so kecke Bösewichr. nur von den'Kiffen des Sophas aufrecht erhalten. Zch fuhr so«: „Doch hören Sie. wir. die von Ihnen so schändlich mißhandelten Glieder der Familie Henoch. gegen welche Sie noch beute die scharfen Klauen des Verderbens auS. strecken wollten, wir meinen, daß tat Gericht nicht unser, sondern Gottes fei ... Wir wollen Ihnen freie Bahn lassen, der menschlichen Strafe zu entgehen, wenn Sie unsere gereckten Forderungen erfüllen." Mein Gegner schöpfte Athen«, sein Auge fing wieder an zu leuchten, er streckte die Hand auS und sprach leise: ..Was wollen Sie?" „Glauben Sie nur nicht, daß wir Ihnen die schmachvolle Beute Ihrer schändlichen Verbrechen entreißen wollen; wir wollen keinen Antheil an dem haben, woran die Seufzer, die Flüche und — das Blut Anderer kleben. Wir wollen nichts weiter, als erstens die volle Sun«me des von Ihnen auf ZstdorS NamerHsch«vinbelten Geldes, im Betrage von 120.000 Tbalern; wir wollen zweitens eine Ersatzsumme für die Zadre, die Sie dem Hoffnungsvollen Manne geraubt, damit er mit ihr sich eine neue Lebensbahn eröffnen könne, im Belaufe von nur 20.000 Tbalern; wir wollen drittens, eine schriftliche Erklärung von Zhnen. daß Sie et waren, welcher den Credit Zßdors so schändlich mißbrauchte, und wollen endlich, daß Sie diese Stadt und dieses Land verlassen, und Zhr Verbrechen und Zhre Stande fern von hier verbergen." „Und der rothe Henri?" „Der wirb froh sein, wenn er mit heiler Haut davoir kömmt. Ob dieser Zhr Herr Bruder. Zhnen Nachfolgen und Sie noch weiter quälen werde, ist unsere Sache nicht; hier wird er nicktS gegen Eie unternehmen." Freund schöpfte tief Athen«; eine unenMid* Last schien voH seiner Seele sich zu wälzen. Er sprack: „Zch danke Ihnen, Sie sind gü»ig gegen mich, ich gehe alle diese Bedingungen ein, ja. ich will noch mehr tbun —" Und er eilte nach seinem Schranke und holte eine Hand voll Papiere hervor — „hier sind die auf Zhren Schwiegervater laufenden Wechsel, ich will sie" — und er machte Miene sie zu zerreißen. ..Halten sie ein!" rief ich ihm zu, ..das zieht Herr Henoch nicht zu". Zch betonte diesen Namen, der meinem Gegner nickt über die Lippen wollte, „er will keinen Antheil an Ihrem Vermögen, er löst seine Wechsel selber ein."- Dies ungefähr war der Verlauf meiner Unterhandlung mit dem Feinde meiner Familie. Noch denselben Vormittag wurde Alles geordnet; durch mich, denn keiner von der Familie Henoch wollte den entlarvten Verbrecher sehen; noch in derselben Nacht verschwand er auS feinem Hause, aus der Stadt, aus dem Lande. Er mochte wohl noch bedeutende Summen mit sich nehmen; aber das Vermögen seiner Frau, das von großem Belang «var. hatte er unberührt gelassen. VS wurde jetzt bekannt, daß die beiden Eheleute sehr unglücklich mit einander gelebt, und baß die verlassene Frau durchaus keine Lust bezeugte, ihrem entflohenen Galten nachzuspüren. Er selbst mochte wohl auch gefühlt haben, baß er nicht ein geeigneter Erzieher für seine Kinder sei. Sie haben ihn seitdem nicht wieder gesehen. WaS den rothen Henri betrifft, so folgte er schleunigst dem Beispiel seines Meisters; doch da ihn eigentlich Niemand trieb, räumte er

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