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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 28 (1858) · p. Seite 112

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
28 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 112 (sequence 4)
Language
German
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ns tor •chrislianiaing jews (Londoner Verein zur Bekehrung > der Luden) stellte von heiligem Eifer beseelt 1850 eine! beträchtliche Summe zur Disposition de- Bischofs von! Honkon. Dr. Schmitd, um Nachforschungen über sie an- > zustellen. Der gelehrte Docior beauftragte mit dieser Mission die London mfseienary aodety (Verein der Londoner Missionäre) zu Shanghai und> dieser sandte am 25. November 1850 zwei intelligente, zum Christenrhum bekehrte Chinesen in diese Gegenden. Da Shanghai von Aal.fung.su nur 600 englische Meilen entfernt ist. kamen die beiden Abgesandten nach Verlauf von zwei Monaten mit zwei chinesischen Juden zurück, von denen der eine im Älter von 40. der andere von 45 Zabren stand und die beide in allen Zügen ihrer Physiognomie \ Cie jüdische Äbkunft verrierhen. Indessen waren sie mit AuSnadme der Besckneikung und der CulruSgebrauch, Chinesen in vollem Sinne des Wortes geworden, sowohl hinsichtlich der Sprache als der Sitten und Gewohnheiten. Sie brachten acht Manuskripte von Abschnitten des alten LestamenteS in hebräischer Sprache mit sich, die in ,'ebr leserlichen Charakteren geschrieben und mit Punkten T-rr^: versehen waren. Da- Manuscripk keT Srodus 1—6 stimmt mit unseren Äusgab'en überern. Wir geben einen Ähriß der Nachrichten, welche fie mittbeilten. Die Juden sind vom nordwestlichen Jnkiet» gegen Ende des dritten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung nach China gekommen. Sie haben sich anfangs heimlich in Ring-Hia, Haa-tschen und Peckinz aufgebalten. sich aber späterhin in Kal-fung-fu niedergelassen. Im Jadre 1163 erlaubte ibnen^Vrr Kaiser Hiao-Tsung. eine Synagoge zu bauen; 1446 wurde der größte Theil ihrer heiligen Bücher und Rollen in Folge einer großen- Ueberschwemmung unleSbar. aber die Juden von ANng-bia versahen sie mir neuen. In den Jahren 1573 und 1620 wurde ihre Synagoge und alle Bücher von einer FeuerSbrunst verzehrt und 1642 verheerte eine Uebersckwemmung die Stadt. Sie ka.aften darauf den Takinz (Pentateuch) von einem Mobamedaner in Ring-Hia. der ihn vom einem Juden in Canron erhalten hatte. Der Pater Kogler bat die- Buch gesehen. In Kai-fung fu und Umgegend wohnen jetzt unge« fäbr 200 Juden, ihre Familiennamen sind durchaus ckinesischer Art. Sie begehen die Sabbathfeier am Samstag, abend. Die Kinder werken einen Monat nach der Geburt beschnitten. Sie waschen den Körper ehe sie in die Synagoge treten und es sind zu diesem Behufe in verschiedenen Tbeilen der Synagoge Bäder angelegt. Bei ihren religiösen Uebungen wenden sie das Antlitz gen Westen nach Jerusalem. Wie die Chinesen rufen sie Gott unter rem Namen Sckangtti an und ebenso'wie diese verehren sie in den Svnagogen ihre Heiligen iTscking-jen) wie Abrabam unk die übrigen. (Ardi. isr, de Fr.) Blumenlese Auszüge von Erzählungen. Gleichnissen. Gedanken und Meinungen wie Erklärungen von TchrifMellea aus hebräischen Werken. von Joseph Rawlez in Breslau. AlS an den Schluß defünfzehnten Psalms kam, bebte ein beängstigender Schauer durch seine Nerven und seine Äugen füllten sich mit Tbränen. Der erhabene unv heilige Dichter beantwortet hier die Frage, was Gott von seinem wahrhaften Verehrer fordere, damit er wandle tadellos, übe Gerechtigkeit, rede die Wahrheit in seinem Herzen, verleumde nickt, ehre die Gottesfürcktigen. halte seinen Schwur, wenn eS ihm auch Schaben bringt, und schließt mit den Worten: ..wer diese (Lugenden) übt, wirb ewiglich nicht wanken." Wer aller dieser tugendhaften Eigenschaften sich rühmen kann, seufzte der fromme Leser, dem geht eS wohl, wer aber einer Tugend sich nur befleißigt, rer bleibt von der zeitlichen und ewigen Glückseligkeit ausgeschlossen? . . . Die Gelehrten beruhigten ihn. ..ES steht nickt, wer alle diese Pflichten übt, sondern, wer diese, worunter auch eine derselben alS Bedingung des ewigen HeilS verstanden werben kann." „Meine bangen Zweifel, mein gepreßtes Her; schmachten nach einem Beweise." ..Wir haben einen, der stch alS unumstößlich emxsteblt. ..Verunreinigt Euch nicht durch alle diese (verbotene Eben) 3. B. M. 18. 24." Ist die Verunreinigung durch eine verbotene Ehe etwa gestattet?! Waltet kein Zweifel darüber ob, baß hier „alle diese", jedes der erwähnten Verbote, einzeln begangen, der Straffälligkeit unterzieht, schließt dort ».diese" die Versicherung deS ewigen Schutzes für die anhaltende Ausübung einer einzigen Lugend gewiß nicht auS." Anekdoten. In einer Gesellschaft wurden RebuS und Räthfel aufgegeben. Der bekannte Cerf gab folgendes auf: „WaS ist das? DaS Erstechin ich. das zweite ist meine Tochter, mit dem Ganzen wischt man stch den Mund ab." (Seine Tochter hieß Henriette.) Auf einer Tochter dauerte eS allzulang, bevor die Tafel angiug. Die Gaste beklagten sich. Der Eine sagte: „Ich falle bald um vor Hunger!" Der Andere: „Mir ist wie an einem Tbaanis (Fasttag)." Der bekannte Witzling antwottcte: „Am ThaaniS ist'S mir besser, da esse ick." Allgemeine Zeitung des Judealbum». Ro. 27. 1858. Leitende Artikel: Wer sollte eS glauben? — Die Versammlung preußischer Rabbiner. — Die Juden im Königreiche Polen. IV. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungßnachrtrdtea: Preußen: Berlin. — Oesterreichischer Kaisenlaar: Wien. Prag, aus Galizien. — Die Schweiz. Ober-Endiagen. — Großdriranuien: London. HK Zn beziebe« kurv jede» Postamt und jede Buchband» luag. Jährlich 2 Tbaler. vierteljährlich •/« Tbaler. . Verantwortlicher Redacteur: K. Nabe. Verlag »ott viawzLrtner'e Bntb-ovluiiz io Sechzig. — Druck »ou Alexander Wietze io Sechzig.

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