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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 26 (1858) · p. Seite 103

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
26 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 103 (sequence 3)
Language
German
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tmitt, daß ich rzt der Zugang so schwer e» lber ich wußte. und eben so wenig, daß du ei»i Liebt» itföifttt mit allen Qualen «nd Freuden mit mir durchzurnachen habest. $9 ging Alle» so einfach zu. Ich und Li, a verstanden un» bald und welch' Wunder! auch die filtern und Geschwister verstanden uns bald. 3ch machte ziemliche Fortschritte in meiner Prari»; da aber von den butdeu Heerlagern, in welche da- Städtchen sich gotheilt hatte, mir nur da» zugefallen war. welche» an Wünschen und Danksagungen am reichste« ist, so stand der Fortschmt io der Arbeit mit dem Fortschritt int Gewinn in sehr schlechtem Ber- HLltniß. Zch erbat mir daher den Segeft meiner theuren Schwiegereltern, aber nur im Stillen, zuvor noch ein weitere» Gedeihen abwartend, bevor «ir unöffentlich verloben und unsere Hütte bauen könnte». So verging tm Jahr. Gegen En)e. desselben bemerkten wir Allein dem verehrten Ha ipte de» Hausteine große Veränderung. Sr wurde schweigsam, fast in sich gekehrt; er verlor an jener zarten Aufmerksamkeit, welch« er gegen Jedermann übte, oft wurde er fast selbstoergeffen und saß eine Aeiilang da, wte über schwere Gedanken brütend. Diese- Gebühren k^unzrichnete sich auch bald ln seiner äußeren Erscheinung; qr wurde bleich, abgefallen, sein Auge stier. Endlich kauf e» unter un» zur Sprache, und Alle stimmten darin ü den Vater angehen solle, wozu mir als am offensten wäre. Ich stavd nicht an mir ward, so beklommen mein Herz war. baß «in allein getragene» Geheimntß zu rödten vermöge, während damitgetheilte die Hälfte seiner Schrecken verliert. 1 Ich suchte den Daker in seinem Comttoir auf und fand ihn vor einem mit Zahlen und Berechnungen bedeckten Papiere, in tiefe- Sinnen verfunkfn. Ich ging gerade darauf lo», sagte ihm, mit welchem! Lummer wir sein veränderte» und verfallene» Aeußere wahrgenommen, welche Besorgniß e» mir al» Arzt, welchen Gram al» «Lohn einflöße; ich verlangte in dieser doupelteu Eigenschaft. daß er sich mir erschließe. Nun ist Ü eine Eigen» thümlichkeit aller Menschen, daß sie ihr S noere» lieber al» ihren Nächsten Jemandem eröffnen, de: ihnen noch etwa» ferner steht, aber doch ihr ganze» Vertrauen besitzt. Der würdige Grei» umarmte mich und dr ickte mich an sein Herz. Bald war ich im Besitz dessen, v a» so schwer auf ihm lastete. Seit vielen Jahren stehe er nit Freunden in Geschäftsverbindung, welche ihm Dorfchüff auf Wechsel machten, die sie in ibrem Portefeuille bemalten, und welche er vor der Derfallzeit einlöste. Mit der größten Strenge habe er stet» darüber gewacht, das diese Vor. schüsse niemals seine Mittel überstiegen, weit einiger Zeit aber seien, er ahne nur woher, die übeijten Gerüchte über den Stand seiner Verhältnisse verbreitet worden; all' seine Pünktlichkeit, seine bewahrte Redlichkeit habe diese Gerüchte nicht niederzuschlagen vermocht, da sie stet» von Maneuvern begleitet waren, die ihnen den vollen Schein der Wahrheit verliehen. Sei« e Handelsfreunde hätten sich daher veranlaßt gesehe i, seine in Händen habenden Papiere zu verkaufen. vnl soweit er sie verfolgen könne, flössen sie stet» in Eine Hand. Neue Vorschüsse könne er darum gar nicht erhol««. Nun würde zwar die Mine schne» Gegner» insofern vergeben»! in die Luft springen, al» er vollständig die Mittel besäße,! die sLwmtlichen Papiere auf ih» zur rechten Zeit zu decken und die» würde in wenigen Tagen geschehen, ^azu bedürfe er aber aller feiner Mittel, und neue HülfSquelleu ßundoll ihm nicht zu Gebote. Er müßte demnach sein ganze» Geschäft in Stockung gerathe» sehen, d. h. e» aufgebe», und stünde so mit seiner ganzeri Familie 'am Rande de« Elentz-, der Armuth. Glücklich schätze er sich, al» ein ehrlicher Man» au» de« verlorenen Kampfe dr» Leben» herauSzugehe». aber »lt welchen Augen müsse er guf die Zukunft seiner Familie schauen, auf welcher Vke Hand de- Geschicke» so schwer und so sichtbar ruhe. Ich war. von dieser Eröffnung lief ergriffen und mischte meine ThrLnen mit denen de» Greises. Leicht war e» zu errathen. woher dieser neue Schlag komme, welche schwarze Seele diesen Plan eutworsen, welche ver» rätherische Hand ihn au-geführt — e» war der Herr Kommerzienrath Freund, dessen Ungunst ich seither auch mehrere Male zu meinem Nachtheil erfahren. Aber ich wußte am wenigsten Mittel, diesen zu bekämpfen und dem verehrten Manne zu helfen. Welcher Zustand ist aber beklagenSwertber, al» eine» verbrecherischen Feind zu kennen, ohne an ih» kommea zu können, und die Seinigrn leiden zu sehen, ohne ihnen helfen zu können. Mein Schmerz war grenzenlos. Ich entwarf wirklich Pläne, wie sie der jugendliche Kopf wohl gebiert, aber der Arzt ist zu sehr au kühle» Erwägen gewöhnt, al» daß ich sie nicht immer wieder hätte verwerfe» müssen. Uuterdeß rückte di« Zeit vor, uud der gefürchtete Tag kam — näher .... (Totti e»u»» folgt.) Briefe au- und nach der Heimath. ix. Ich habe Ihnen die Beschreibuug meiner Rigisahrt versprochen und will diese» lösen, i« Dorau» gewiß, daß Sie die Schwächen'elner Schilderunguachßchtig aufnehmev. wo sich so wenig mit Worten schildern läßt. E» ist eben nur möglich, allgemeine Umrisse zu geben, und den Nachhall, den der lebendige Eindruck in unseren Gefühlen erweckte, wiedertönen zu lassen. In guter Gesellschaft, die theil» zu Pferde, theil» zu Fuß die Fahrt wachte, brach ich uyr Mittag von dem Dörfchen Arth auf, da» so reizend an einer Ducht de» lieblichen Zuger See» zwischen dem Roßberg und dem Rigi versteckt liegt. Lassen Ei« e» fich jedoch vorher sagen: Der Rigi ist eigentlich eine Gruppe von Bergen, die von drei Seen umgeben ist, dem Vierwaldstätter». Zuger- und Lowerzer-See, zu denen er bald steil, bald in Terrassen sich abdacht. theil» mit herrlicher Waldung, theil» mit grünen Ratten bedeckt. Er erhebt sich 5500' über den Meeresspiegel und ist jalfo weniger durch seine Höhe, al» durch seine glücklilte Lage seine» Ruhme» werth. da er. au» der Unmasse vpn Höhen einzeln hervortretend, den Blick auf die flch ring»thürmenden Riesen nach allen Seiten hm öffnet. Wir hatten zuerst da» Thal von Goldau zu durchschreiten. Goldau, da» eine traurige Berühmtheit durch bm gewaltigen Bergsturz

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