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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 26 (1858) · p. Seite 104

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
26 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 104 (sequence 4)
Language
German
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104 erlangt har. welcher am 2. Septbr. 1806 vom Roßberge unermeßliche Steinmaffen und Kelsblöcke löste und über, da« reiche Dorf und das fruchtbare Thal schleudert,. Ein unendliche- Gewirr von Blöcken und Trümmern, welche jetzt die Zeit bereitmir Moos und Pflanzen bedeckt bat. erfüllt die ganze Thalsohle und hat ihre Vorrosten birechtan den Kuß de- Rigi geschoben. Die Straße rührt zum Theil hindurch, und mit Grausen bemerkt der Reisende noch die breite, hellere Fläche de- Roßberge-, von welcher jene Verderben bringende Maffe sich trennte. Aber der Fleiß und die nicht zu brechende Au-dauer de- Menschen hat auch diese- Tbal des - Schreckenwieder angebaut, woblbestellte Aecker und Wiesen schließen sich ringden gigantischen Fel-blöcken an und im Jabre 1849 erbob sich ein Kirchlein auf derselben Stelle, wo in der Tiefe die Neberreste der alten rüden. Die Sonne brannte beiß, alwir den Fuß de- Rigi binanzusteigea begannen, der dem Reisenden dasteilste 'Stück Wegezuerst darbietet. Bald harten wir eine ziemliche Höhe erreicht, von wo ausich der Lowerzer See in seinem ganzen Umfange vor dem rückschauenden Blicke au-breitet. Der See ist durch seine tiesgrüne Karbe auffällig schön; nickt weil von seinem rechten Ufer erblickt man die Insel Sckwanau. die mit grünem Gebüsch die Trümmer jener Burg überzogen hat, welche am Neulahr-tage 1308 Werner Stauffacher dem Landvoigie zerbrach; dalinke Ufer bespült ren alten Flecken Schwyz ted am'Fuße desgroßen und kleinen Mvrben gelagert ist. welche ibre bohen Hörner über das Gewühl der * umgebenden Höhen emporstrecken. Mit Müde riß man sich von diesem entzückenden Anblick lo-. Bald nahm under Wald aus. und führte durch dichtere und lichtere Stellen immer in die Höb«4 bald tritt eine der benachbarten grünen Äergwanke über den Walv ragend uns entzegen. bald verliert sich der Weg so tief in den Forst, daß Berg und Tbal gänzlich verschwinden. Auf dem Wege, den wir gewäblt, bietet sich eben der Bortheil, die große Au-sickt nicht nach und nach wachsen zu sehen, sondern al- Preis der Mühen erst' auf der erreichten Höbe dem Wanderer alein große- Ganzezu werten. Der Rigi ist zuerst durch die Wallfahrten bekannt geworden. welche feit dem Ende, de- 17. Jahrhunderts nack einem ungefähr auf der Mitte der Höhe ausgestellten Marienbilde, um das sich ein kleines Kloster anbaulk. gemacht worden. Dis zu diesem ..Klösterli" ist daher der Weg von 15 zu 15 Minuten durch sogenaftnre Elationen unterbrochen, bei denen sich selbstverständlich für ' die Reisenden Hütten und Häuser mit Erfrischungen angesiedelt haben, willkommen für den Fußgänger, dem die Hitze de- Tages und der steile Weg einen Laberrank unk einige Minuten der Rübe zum Bedürmiß machen. Wahrend wir durch dagrüne Geheimniß VeS Waldes gezogen, und den Erzählungen de- Führervon Lawinenstürzen im Frühjahr, wo mancher wackere Heuer sein Leben verlor, gelauscht, hat der Himmel fick bedeckt, und ein furchtbares Gewitter brach lv-. vor dessen Regenschauern und Hagelschlägen wir unrechtzeitig in danahe Klösterli retten konnten. Und ewar diekein kleiner Gewinn. Denn bald fielen so mächtige Ei-stücke au» den Wolken herab, daß. wer von ihnen getroffen wäre, nicht ohne Wunden und Contusioaen davon gekommen. Dabei krachte der Donner durch die Schluchten, wie ewir Bewohne» der Ebene wohl niemals zu hören .bekommen. Zeder Ansturm der Wolken schien das Gebäude mit all' seinem Inhalte hinwegstoßen und in die Tiefe schleudern zu wollen. Aber eS ist einmal so, der gegenwärtige Mensch hat auch die Furcht vor dem Auf. rubr der rasenden Elemente verloren: all' dieser Donner, diese Blitze, strömende Regen und zischende Hagelsteine verhinderten die zahlreich versammelten Menschen nicht, sich um die große Tafel niederzulaffen und gemüthlich den Kaffee zu sich zu nehmen. Nach einer Stunde war evorüber, und wir fetzten unseren Weg die Höhe hinan fort. Da- Gewitter war nicht vorüber, aber ehatte sich gen, Süden verzogen und bald waren wir über seine Region hinau-; edeckte zu unseren Füßen die niederen südlichen Höhen. Ewar eine reizende Stunde, die folgte. Die Luft war so rein und kühl geworden, der Wald duftete, einige Strahlen der Sonne, die noch in die Schlucht fielen, an deren Höhenrand der Weg immer binauffühne, ließen von Busch und Rasen Millionen Diamanten blitzen; der Führer holte audem Dickicht die ersten ..Alpenrosen'', die wir aleine Verkörperung alter Jugendttäume wie mit einer heiligen Scheu empfingen; bald staken sie Herren und Damen aus den Hüten, und mit diesem Schmuck glaubte man sich ein wirklicher j Aelplcr geworden. S4)lflfc folgt) Anekdoten. Nach der großen Handelskrise kommt ein Käufer vom Lande auf der Messe zu einem Engrossisten. um Waaren zu borgen, nachdem, er seine Schulden bezahlt hat. Dieser sagt zu ihm, als er nachher Waare gefragt: „Die können Sie haben, zu einem außerordentlich billigen Preise, aber per contant." — „Per contant?“ erwiedert Jener, ..per contant? Nicht geschenkt!" und läuft davon. Von einem Menschen, der stets voll großer Pläne und Erwartungen, aber in sehr mittelmäßigen Verhältnissen. sagte neulich eine geistreiche Frau: „N.N. ist beständig guter Hoffnung und dock nicht in gesegneten Umständen."! Allgemeine Zeitung de» Judenlhum». No. 25. 1858. > Leitende Artikel: Die Juden im Königreiche Polen. II. — lieber di« Unterstützung zu« Renda» abgebrannter Synagogen. — | Vom Institute zur Förderung der lsraelirifchen Literatur. — Lite- | rarischer Wochenbericht. i Zeilungsuachrtchten. Deutschland: Au» de« Oldeuburi gischen, au» dem Fürstenthum Birtenseid. — Preußen: Schneide-; mühl. Ebristburg. — Qeüerreichischer Kaiserstaat: Brünn. Prag. Tieu. — GroßvritannkN: London. Manchester. — Frankreich: > Pari».— Asiatische Türkei: Bon der Oder. I 3» beztrbe, durt irdes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Tadler, viette^hrlicd * 4 Tdaler. Bermuwortlicher Redacreur: St. Rabe. S«ib§ »9i Va,mg«rt,ee's Snchh-ndlung i, Leipzig. — DeuS »»» UlexAnder Siebe i» Leipzig.

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