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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 25 (1858) · p. Seite 99

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
25 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
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Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Pin schöner hochgewachsener Mann, in den besten Ma^neSjahren; seine ganze Erscheinung verrLth Entschloffenhdit und Thalkraft, und doch wette ich, sowie ich Sie kennet er gefällt Ihnen nicht. Bei dem zweiten Blicke fällt jEintm so etwa» LauerndeS in dem stet» unruhigen Auge^ etrra» Tückische» und Niedrige» in den sonst so regelmäßigen Zügen de» blühenden Angesicht», etwa» Gespreizt^» in der. viele seltene Kostbarkeiten zur Sckau tragenden Gestalt auf. E» ist der königl. Commerzienrath Freund, der seit einigen Jahren hier ansässig ist» ein große« Vermögen, wie e» hieß, mitbrachte, e» in kühnen Svfculationen unermeßlich vergrößerte und von einem seltenen Glücke be«' gleitet scheint. Er hat bald nach feister Ankunft die Tochter de» reichsten und angesebensten Manne» unserer Gemeinde heimgefübrt, «ine, wie man! zu sagen pflegt, glänzende Partie, und mehrere liebenswürvige Kinder von ihr erhalten. Er bewodn» da» schönste Hau» der Stadt, da» von ihm fürstlich auSgestattef ist. Vor einiger Zeit kam ein Mann bier an. den er a!l» seinen Bruder Mehrheit seiner Mitbürger Henoch unter die „Väter ^«r Stadt" berief. Aber mit dieser Feindschaft war e» nicht immer so. Höten Sie. Freund wandene vor langen Jahren al» ein kleiner polnische^ Knabe mit seinen vagabondirenden Eltern oder Nichtelrern. wer weiß rt, hier ' ein. Der schöste, einen anveckten Geist verrathende Knabe mochte da» Mitgefüm de» Herrn Henoch erregt haben; dieser behielt den Zungen bei sich, und ließ ihn in seinem Hause nicht allein aufwachsen, sondern in allen nöthiqen Kenntnissen unterrichten. Später nahm er ihn al» Lehrling, dann al» Aehülfen in sein Geschäft. Zch erinnere mich de» Jüngling» noch sehr wohl; er war von großer Schönheit, ünid höchst gefälligem Aeußeren. Aber ich weiß nickt wie e« zuging, da» unbedingte Vertrauen, welche» im Hause Henoch» auf den jungen Mann gesetzt ward, wurde von feisten Bekannten nicht getheilt. Man ^and in feinem Wesen Züge heraus, die an seine Kinderjahre allzusehr erinnerten, und Manche» mochte Herrn. Henoch unbekannt bleiben, wa» in dem Thun und Treiben de» Jüngling» außerhalb jene» Hause» nicht zu seivorstellte, und welcher nichr minder in kürzer Zeit durch seinen Aufwand zu glänzen begann. IllLie ich Ihnen bemerkte, hat Herr Freund bereit» einen! Titel erhalten, und man spricht davon, daß er in Kurzem auch mit einem Orden geschmückt werden würde. D lt einem Worte, von welcher Seile man diesen Mann br rächtet, scheint ihn da» Glückzu einem seiner Lieblinge auSerkohren tu haben. Herr Freund giebr jährlich einige große Feste in seinem Hause, welche von der Elite de- Stadt besucht werden, da sie sich durch eine seltene Fi lle und Pracht auSzeichnen^ Dennoch wird außer diejien Festen da» Hau» diese» Manne» fast gemieden, und trotz den großen Gaben, mit"welchen sein Name in jeder öffentlich bekannt gemachten WohlthätigkeitSliste prangt, »igr Jedermann nur eine gewissermaßen, erzwungene Ach «ng vor ihm. ES weht ein kalter, förmlicher Geist in seinem Hause; man gewahrt niemal» Herzlichkeit und I nigkeit; Alle» übrigen», wa» an die Religion feiner 3äter erinnern kann, ist strengsten» bei ihm verpönt und in der Gemeinde flüstert man sich mancherlei zu. wa» darauf deutet, daß e» mit seiner Treue in seinem Glauben! auf schwachen Füßen stehe. Vergeben» verbirgt sich sein abstoßende» Wesen hinter höflichen, ja liebenSwürdigftti Manieren. ES kommt nämlich seine Zugendgeschichte hinzu, deren Gedächtniß man bier besser bewahrt har, at» Herr Freund wünscht und voraus zu setzen sich den Anschein, giebr."- ..Und welche ist diese?" „Wer länger hier lebt, der erfährt, daß zwischen dem Herrn Eommerzienrath Freund und dem Herrn Henoch eine große Antipathie herrscht, die von dem steteren kaum bezwungen und unausgesprochen gelassen weihen kann, von dem ersteren stillschweigend anerkannt wird.! Freund ist dem letzteren auch mehrfach offen enrgegengetresen. da hat er aber, stet». trotz seine» gewohnten Glücke» iden Kürzeren gezogen. Er wollte sich durchaus zum Vorsteher der Gemeinde aufdrängen, ein Amt. welche» Heer Henoch seit langer Zeit bekleidet; aber e» waren nur e nige erkaufte Stimmen, welche dem ersteren zufielen, Nicht minder unterlag jener bei der Wahl in die Stattverordnetenverfammlung, um welche n sich mit einem c ußergewöhnlichen Aufwand von Kräften bewarb, währe id die große nem Besten zeugte.. Ja, er wußte sich auch in da» Herx der schönen Amalie, jener ältesten Tochter Henoch», einzuschleichen, und dieser in seiner gewohnten. Menschenfreunvlichkeit fetzte diesem Verhältnisse 'keinen Widerstand entgegen. Warnungen, die einige Freunde vorzubringen wagten, Zweifel in den Charakter de» jungen Manne» wie» Henoch mit ruhigem Lächeln ^b; seine edle Seele konnte wahrscheinlich nicht begreifen^ daß solch' schwarzer Derrath und Undank in einer menschlichen Brust wohnen könne. Damal» war e», wo Isidor, der jüngste Sohn Henoch», von seinen Studien zurücKehrte und auf Grpnd seiner großen Kenntnisse und einiger Erfindungen, die er gemacht, in einer benachbarten Stabs ein Fabrikwesen etablirte. Herr Henoch.strengte alle seine Kräfte an. und der Credit feine» Namen» und der ausgezeichnete Ruf de» jungen Ranne», den die größten Lehrer seiner Fächer empfohlen honen, schassten ihm die Mittel, sein Unternehmen umfänglich zu beginnen. Dennoch beobachtete Henoch die Vorsicht, mit b^m Etablissement seine» Sohne» außer allem Conner zu . bleiben, er glaubte die» sich, seinen übrigen Kindern und seinen Freunden schuldig zu sein. Al» kaufmännische Stütze ließ er aber den jungen Freund, seinen nunmehr erklärten zukünftigen Schwiegersohn, al» stillschweigenden Theilnehmer eintreten. Die Fabrik gedieh außerordentlich-; sie leistete Ausgezeichnete»; Gebäude erhob fich neben Gebäude und man sah einer glänzenden Zukunft entgegen. Da mit Einem Male, ohne eine äußere Veranlassung, ohne daß eine Krise ober ein großer Verlust anzugeben gewesen, vernahm man den_ schrecklichen Fall de» jungen Hause». Isidor und Freund waren verschwunden, und eine enorme Masse Wechsel in Umlauf. Der Erster« ward sogar steckbrieflich verfolgt, der Letztere ging davon frei au», da er nicht verantwortlicher Mitbesitzer der Firma gewesen. Welch' ekff Zammer im Hause der Elfern! Die Etablissement» wurden im Cvncurse weit unter dem Werth« verkauft, und. zum Zeugniß. daß sie durch und durch gesund gewesen, daß nur etwa» Unerhörte»'hier zn Grunde lag, blühen noch heute in stetem Fortgang. , Damal» bleichte sich da» Haupt de» verehrten Manne»! in sieben Tagen; damals erkrankte die Mutter und erholte sich nicht wieder; und

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