Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 25 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
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deS gebend breitend. Und dock hat Herr Henvch so viel Unglück, ja nur Unglück mit seinen Kindern gehabt." ' ..Wie so dieS? WaS Sie sagen, läßt nicht voraussetzen. daß seine Kinder mißrathen sind." ..Nicht im Entferntesten, eS sind lauter treffliche Menschen, die in den Wegen der Eltern geben und doch —" ..Nun, was ist ihnen begegnet?" ..Sie baden eben nur Unglück gebabk. ES bat Keinem von ibnen im Leben geglückt. Lassen Sie sich -davon erzählen. Herr Henvch hat trüb geheiratbet. und seine Gattin schenkte ihm nach und nach drei Söhne und zwer Löckter. Sein ältester Sohn, der gegenwärtig-ungefähr 40 Jahr zäblr..war vor 22 Jahren, als unser König 1813 sein Volk zu den Waffen rief, 18 Jahr« und'stsind aut dem Punkte vom Gymnasium zur Universität überzugeben. Der nock zarte Jüngling wurde von der Begeisterung für König und Vaterland so ergriffen, daß er zu den Fahnen seines Königs eilte, um der deutschen Sacke sein Glut zu weihen. Seine Eltern ließen ibn mit ihren TSränen und ihrem Segen ziehen. Nun. ich will ibnen nicht erzählen. wie wacker sich der mnthige Jüngling hielt. Er lbar die drei KriegSjabre feine, volle Pfiicht und kehrte als Sergeant und mit dem eisernen Kreuze geschmückt in das väterliche Haus zurück. Aber er kehrte dahin in seinen jungen Jahren für daS ganze Leben verstümmelt zurück; außer anderen Wunden batte er den rechten Arm verloren. Eine Civilversorgung wurde ibm vom Staate versagt, weil er seinem Glauben nicht absagen wollte; auf die kleine Pension, die man lhnr Gnaden halber zusprach, verzichtete er. Aber der Verlust deS einen ArmS und die Steifheit deS ankeren,- welche die Folge eines Säbelhiebes war. verhindern ibn an fast aller Beschäftigung. So lebt er im Haufe feines VarerS. und um nur in-etwas nützlich zu sein, har er eine Atmenschul« angelegt, in welcher er begabte, aber mittellose Knaben zu den verschiedene» LebenSberufen vorbereitet. Die Eifersucht gewisser Leute in unserer Stad« verbot ibui bald, christliche Knaben feiner menschenfreundlichen Bemühungen tbeilbafrig zu machen^ inteß er sinket Werkzeuge genug bei selben GlaubenSge- - nossen." - ..Welch ein grausames Schicksal in so jungen — Jahren'.'' ..Und doch mit welcher Ruhe ertragt eS der Mann, fo daß ich nock n«e eine Klage äuS fernem Munde vernommen, und auf seinen Lippen stets das Lächeln der Heiterkeit gesehen. Er ist einer von den Männern. welche,"ffobald sie ihre Pflicht gerban zu haben glauben. waS daS Leben bringt,-als etwas Unabwendbares hinnehmen, fo daß eS teS Menschen eigenster Vortheil ist. sich darin zurecht zu schicken. — Auch der zweite Sobn deS Herrn Henoch lebt in seinem Hause. ES ist ein guter, pfiichtgetreuer Mann, aber von nicht weitem GestchtskreiS. Sline Geschickte ist kurz. Er hat den Kaufmannsstand erlernt, fervirte an verschiedenen Orten, versuchte mehrmals sich selbstständig zu macken, traf aber immer entweder «auf eine schlechte Concurrenz qver eine ungünstige Zen, so da» er mit Verlust enden mußte. Gr kehrte darauf zu feinem Vater zurück, und unterstützte denselben wacker in seinem 'Geschäfte, waS bei dem er- ' steren bei seinem vorgerückten Alter sehr willkommen ist. Nun, von dem dritten Sohne —" ,,Sie halten inne; so muß eS wohl etwaS Besonderes mit ihm fein?" ..Allerdings. ES ist dies die einzige dunkle Seite in dem Hause dieses Mannes. Man hat nie erfahren, wie eS gekommen, und welchen AuSgang es nahm. Kurz, der Jüngling ist verschwunden und. Niemand, der Herrn Henoch'S Freund ist. wird den Namen seines jüngsten SohneS nennen, weil er dann die Lippe des sonst so gefaßten ManneS zittern und fein Auge eine Thräne zerdrücken sehen wird." ..JedeS Wort, was Sie mir von dieser Familie 'sprechen, erregt meine Theilnahme nur mehr. WaS war eS denn mit diesem Sohne?" „Er war einer der glänzendsten Köpfe schon von Kindheit an, die ick je gesehen. Seine Fortschritte als Knabe waren außerordentlich, bewundernswenh aber seine Anlage, in allem Praktischen. WaS seine Augen sahen, und war eS die complikirteste Maschine, daS durchgrübelte sein Verstand, und seine Hände ahmten eS nach. Die Hoffnungen, die aut ihn gesetzt wurden, waren unbegreuz». Er studine da« Maschinenfach, die Chemie und alle praktischen Wissenschaften. Und wohin er sich warf, löste er Probleme und gewahrte er die Beseitigung von Schwierigkeiten. Dock, bevor ich forifahre, muß ick Sie noch mir einer Person dieser herrlichen Familie bekannt macken, und Sie dann noch in ein anderes HauS unserer Stadt rinfuhren." „Sie spannen, lieber Freund.-meine Aufmerksamkeit immer mehr." ,.3ch sagte Ihnen. Herr Henoch hat zwei Töchter. Die jüngste, etwas spät geboren, jetzt zwanzig Jahr alt. ist ein liebeS. blühendes Mädchen, von der sich eben weiter nichtS sagen läßt, alS daß sie die Freundlichkeit. Nettigkeit. Rührigkeit selbst ist. Aber waS will dies gegen ihre ältere Schwester sagen, die jetzt in einem Alter von etwas mehr als dreißig stebt. Sie war, und ist eS zum Theil noch von cklendender Schönheit, und mit allen Tugenden des WeibeS geschmückt. Da die Frau Henoch seit vielen Jahren kränkelt, so, ist jene die Seele deS ganzen HauseS, unermüdlich für die Bedürfnisse Aller zu sorgen. und über Alleden Reiz der Anmuth und der Behaglichkeit auSzubreiltn. Sie hat bedeutende Kenntnisse unk ibr Geist eine große Ausbildung erlangt; sie wankte sie zunächst an, um ihre jüngere Schwester zu erziehen. Dabei bleibt ihr immer noch Zeit, den Vater, den sie vergöttert, in seinen menschenfreundlichen Bemühungen zu unterstützen. Und doch hat dieses Herz einen großen Sturm erfahren, die Bitterkeit der Untreue und der Täuschung gekostet, und dieses große dunkle Auge hat der Thränen viele zu vergießen gehabt. Doch dies hängt mit der anderen Familie zusammen, in welche ich Sie einen Blick werfen lassen muß." 2. Die glückliche Familie. „Wenn wir noch einige Zeit an diesem Fenster sitzen und die breite, schöne Straße hinunterblicken, wird wohl bald ein Mann auf ihr erscheinen, der geeignet ist. die