Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 25 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
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100 Amalie. ste. k,e sich in ihren tiefsten Gefühlen so tief, verletzt, so ganz gebrochen sah, nun. sie blieo aufrecht unter der unermeßlichen Bürde, «her ihre Jlsgend war auf immer dadin." \ ..Höne man denn nickt» von den Flüchtigen?" ..Nichts. gat nickt-; ein schwarze- Gebeimniß deckte' da- Räthsel, und aus dem Hause de- Herrn Henoch drang kein Wort darüber betau-. Jedermann wußte, daß er keinen Theil daran gehabt, unv achtere sein Mißgeschick. Endlich kam vor einigen Jahren eine- Tageder Herr Freund' wieder in unserer Stadt zum Vorschein. Aber wie verändert — er trat a!- großer Herr, alreicher Mann auf, und da- Hau-- de- Herrn Henoch» vermied er sorgfältig. Einige Gläubiger Isidor Henoch - versuchten egegen ihn. allein sic konnten nichts au-» richten, da er juridisch nickt verflochten gewesen. Da- Uebrige wissen Sie. Ob jener unglückliche Jüngling noch eristin, oder ob sich dafrübe Grab über sein getäuschte-, gebrockeye- Herz geschloffen — Niemand kann eß sagen: escheint, alob die Eltern selbst eS nickt wissen." In diesem Augenblicke erschienen am Ende der Straße zwei Männer verschiedenen Alter- und von sehr verschiedenem Aeußern. Die breite Straße trennte sid; der Eine, der Aeltere. kam auf der rechten Seite, einfach, bescheiden, rubig in seiner Erscheinung, der Andere auf der linken Seile, stolz, gespreizt, reich geschmückt, in au-» gejuchter Toilette, aber utckt vom feinsten Geschmack in j Farbe und Scknitt. herauf.' Erschien enur.' oder war | cS so: wo jener erblickt ward, önneten sich die Fenster gn freundlichstem Gruße, entblößten sich die Köpfe. la« i chelten die Vorübergebenden — wer dem Anderen be. i gegnele, wick ihm fast aus. oder machte eine kalte steife I Verbeugung. ES war Herr Henoch rech»-, unv der tönigl. EoMmerzienrath Freund links. (FoNIeyung einem jütischen Stamme, der dorthin vielleicht schon zur Zeit der Zerstreuung seine Zuflucht genommen hatte. Ihre besten Soldaten waren Juden, wie auch Tarik, der erste Eroberer Spanien-, welcher der Meerenge von Gibraltar den Namen gegeben hat. ..Und die» ist", sagt Herr Duval, ..in der Geschichte Afrikanicht der einzige Beitrag zum Beweise der tapferen Eigenschaften eine- Stamme». den man nach der Erniedrigung zu beurtheilen pflegt, zu welcher achtzehn Jahrhunderte der Verfolgung vnv unbilliger Verachtung ihn gebracht haben." (Xrclr. isr. sie Fr.) Eine jüdische „Jungfrau von Orleans" in Afrika. In einem von Herrn Duval im Journal des Dtbats vom 12. Mai über ein interessantes W?rk des Bergbau- Ingenieurs Herrn Heinrich Fournel gelieferten Aussatze, läßt derselbe den einfachen tugendhaften Sitten deein- { gebornen Volkes von Algerien, der Barbare-ken, eine j verdiente Gerechtigkeit widerfahren, welche von jeher mit mehr Mulb al- Glück jeder Fremdherrschaft, der römischen wie der arabischen, widerstanden und durch den( Islam zum monotheistischen Glauben geführt wurden.»! Aber die seltsamsten und überrasckendstcn Mitteilungen^ die Herr Julius Duval machte sind die über die Königin von Aures Damia, mit dem Beinamen Cahena, welche, eine Johanne d'Are der Wüste, wie ihre Vorgängerin j kämpfte und triumphirte. welche wie jene durch ihre! Tugenden glänzte und zuletzt der Uebermacht unterlag.! Diese Frau, diese Königin der Barbare-ken. gehörte zu! Die Juden in Armen. Armen ist eine Provinz dewüsten Arabien. Da- Wort Jemen bedeutet im Arabischen (da» Land zur Rechten), wie taS gleichlautende hebräische Jdmin die rechte Hand oder den Süden. Man zählt daselbst an 20.000 Juden und sie hoben in Sand, der Hauptstadt VemenS. nicht weniger als achtzehn mehr oder minder geräumige Synagogen. Sie stehen in directen Beziehungen zu ihren Glaubeu-genoffen in Bagdad. Baffora und Bombay. AIeifrige Anhänger de- Talmudsind sie jedem Fortschritt in der Ausübung deS CultuS fern geblieben. Sie sind Juden, wie es ihre Väter seit undenklicher Zeit waren. Sie erzählen, daß ihre Einwanderung in da- Land von der Zeit der Zerstörung de« ersten Tempels durch Nebuchadnezar datirt. und daß sie sich weigerten, nach Palästina zurückzukehren. alS E-ra die zerstreuten Mitglieder deisraelitischen Stammes dortbin zurückrief. Sie sind besonders zablreick in Aden, besitzen dort eine schöne, sebr besuchte Svnagoge und drei öffentliche Schulen, in welchen die Kinder Unterricht im Lesen deS Hebräischen empfangen. , DaS Lesen der heiligen Sprache wird übrigenüberall gelehrt. Sie haben mehrere Eremplare der Bibel Und gewisser Abschnitte de- Talmuds, denen sie einen großen Werth beilegen. Sie besitzen einen sebr großen Gotte-acker. und man liest auf den meisten- Gräbern hebräische Inschriften. Vergessen wir nicht hinfuzufügen. daß sie trotz jbrer festen Anhänglichkeit an alle alten Gebräuche und Gewohnheiten demosaischen Gesetze», trotz aller Bezeugung werktätiger Frömmigkeit in der Polvgamie leben wie ibre Landsleute die Araber. (Arch. isr. sie Fr) Allgemeine Zeitung de« Judentbüm«. Ro. 24. 1858. Leitende Artikel: Großbritannien. — Preußen. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten. Deutschland: DormS. Sroßberzoglbum Baden. — Preußen: Aus Schlesien, aus Schlesien. — Oenerreichischrr Kaiserstaat: Arad. Rieder-Oesterreich. aus Galtttea. — Die Schweiz: Aus der Rortschweiz. — Dänemark: Kopenhagen. 3> beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler. vierteljährlich '/« Tbaler. Brrantworckicher Redacteur: K. Rabe. Veilaz mr BABHglttRet’« BRchhoidlnUg t» kei»,iz. — Druck von Alexander Wiede in Leipzig.