Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 24 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 3)
- Language
- German
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VS Klopfer darf an demselben Tage nickt berührt werden, au- Besorgniß, man könnte ein musik, lischt- Instrument verfertigen — und man sab auf diel Signal die noch schlaftrunkenen Gemerndeuntglieder na^b dem Raihhause eilen. Nachdem die gehörige Anzahl der Stimmenden versammelt war, eröffnere der den Vorsitz Führende die Sitzung dadurch, daß er befahl .— «incha zu beten. Nach vielen Debatten endlich siegte zwar der PatriotiSmu- und eS wurde der Entschluß gckfaßt: ven Kaiser Napoleon gefangen zu nehmen und aum mebrere zu die' sem Behufe zu treffende Maßregeln i erabredet. Aber derjenige, der wahrend seine- Felbzntzei in Syrien auf die Frage: ob er vielleicht einen kleiner Abstecher wachen wollte,« um die heilig« Stadt zu besuchen, die Antwort gab: Jerusalem läge nickt in seinem 8< ldzug-plane, war keine-wege- Willenüber ein Mincha-Gebet zu warten um sich von einigen Juden gefangen nehmen zu lassen, nachdem er demselben Schicksale durch'- sammtUcke russische Heer an der Derezina auf so wunderbar: Weise entgangen war. Seil einer Stunde war de, Kaiser bereit« abgereist. Diese Erzählung ist mir von einem alten, schlichten, jetzt bereitverstorbenen Manne zugekormnen, dem. ouvölligem Mangel an geschichtlichem Wiff n. keine-wegeeine Erdichtung zuzumuthen ist. Nun lä it sich bin nur die Frage aufwerfen: wenn eden Schisckt morschen Juden in der That gelungen»wLre, Napoleon gegangen zu nehmen und der Menschheit einige blutige Lage, wie die bei Leipzig, bei Charleroy und bei Watcrl, o zu ersparen, wa- Härte dann die Weltgeschichte gesag? Hätte sie di« einigen Muthigen gerühmt oder die g nre Judenheit mit einem zweiten ZubaStitel belegt? Ge oiß wäre eher da- Letztere zu erwarten! Haben doch viele Geschieht-- schretber hinreichende Proben von dieser Parteilichkeit abgelegt. indem sie daaureiner Vaterlandsliebe bervorgequollene friedliche Benebmen der russische« i Juden gegen die Franzosen im Jahre 1812 für nicht- Andere« als kür menschenfeindliche und gewinnsüchtige Barbareien au«: gaben. Wir brauchen nickt viel zu suchen, um unS von der Wahrheit de« Gehren zu überzeugen! Wir finden eS in Walter Scott s: tbe life of Napoleon Bonaparte und in andern mebrern. .So lesen wir. unter vielen andern, auch folgende anklagende Stelle i> dem französischen Werke einer polnischen Gräfin, unn r dem Titel: äkörnoire» historiques sur l’Empcrcur Alexandre (I.): MOn ne pouvuit faire un paa dans les ru s sans rencontrer les cadarres des Fronqais assassi ies par les juifs, qui les tuoicnt pour s’emparer de lei irs montres, de lcur argent. On a vu desfcmmes |uives, des enfants meme, pousses la barbaric jusqu* al achever de leurs propres mains de malhcureux soldatk expirants a coups de talons de leurs pantoufles farrdes“. — Dasind die lügenhaften Worte einer russischen Unterthamn. einer sehr warmen Freundin dedamaligen Kaiservon Rußland gegen eine ihm treu anhängrnve Nation, allerdings aber auden Motiven, daß sie polnischen Ursprungwar und nachher einen Franzosen geheir rthet hatte. So weit ist emit der Wahrheit gekommen! Zwei komische Gedichte in Mecklenburger Dialekt. . Don Reuter. ~ 1. Dei^ Friegerei. (Die Freiere!.) Kenn » Ji den ollen Abraham Ut Ribnitz well, bei sümir Oogengläs' Un Brillen hen nach Güstrow kam? Hei hahr 'ne höllisch lange NäN Un blaag wasei just aS 'ne Trämf!') Na. vei un oll Levin ut DähmS —**) Hei würr of Humpel Levin nennt — Der hahren Beir all lang sich kennt Un wüssten von ein anne ganz genau * Dar Jere tüchtig Hahr wat in Vei Echauh. Dar Beir fei in vei Wull 'rin seeten 1 Un MofeS hahren un Propheten. — > i ' Na. Levin trüff mit Abrahamen ' In Güstrow mal einup den Maark tausamen. Asei nu güngen dörch bei Stadt Un kehmen nah en Wirth-huu- 'rinne, So rehrten sei von dit un dat Un kehmen endlich up ehr Kinne. „Ick hew", seggt Levi, ...man da- Am." ,,,,Gottö Wunder"", seggt nu Abraham. ..„Ich hob jo aach «an bloda- Ain! Geb'n -vir de Kinner doch zesamm. Laß unsre Kinner sich doch frai'n!"" Un duun nich lang' so sünd sei Handel- «in. „Na, gaut! denn will'« wi doch vör allen Dingen^ Seggt Levi nu tau Abrahamen. — ..Dar neegste Mal bei Kinner mit unbringen. Wenn «i nah Güstrow werre kamen; Denn, wenn sei Beir 'sich sälen fliegen, Denn möten sei sich doch vk mal tau seihen kriegen." Na, anah'n gaurehalwe- Joah " ■* Dei beiren Juhren wrrre doa * Un rbre Kinne mitgebröchl - , Un's Levi Abrahamen frögt — Nu? hast de mitgebrocht Dain Kind?" ....WaS wüll ich nich! . Wafragst Du mir? Mai Kind iin de Kammer hier. Doch Levi, sag', wo ide» Datn?"" „Ich will'- doch gleich zu holen gaihn. — Doch hör! wir wüll'n Epöß unmachen, Wenn ich dran denk, muß ich schon lachen. Rechtin de Kammer idfiin Kind? Nu wüll ick holen main'S igefchwind, Da-.wüll'n wer linkhier! in de andre bringen, Un wenn wer.Beid' hier hoben Platz genummen Hier uf' den Sopha in de Stub. Dann wüll'n wer mit de Klingel klingen, Dann full'n fr Beid' zugleich herinner kummrn." „..Ja Levi! ja dai» zum Lachen Wafie woll für '»5. Oogen machen! __ Nn spul Dich man un loof geschwind!"" Un oll Levin, dei bringt sien Kind. — *) Trams Kornblume. **) Dihm« Dömiß. Stadt' nnd Fest,»-. . . __ .