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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 23 (1858) · p. Seite 91

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
23 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 91 (sequence 3)
Language
German
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S1 altere Brüder, so betheiligten sich dieselben an dem HeirathShandel ihrer Schwester. Wenn Alte» bestimmt und geordnet war. verlangte man die Einwilligung VeS jungen Mädchens, denn daS überlieferte Gesetz riracht, sich stützend auf daS Beispiel .Rebecca'S. hieraus sine nothwenbige Bedingung. Zn den alten Zeiten begnüsite man sich mit einem mündlichen Ehecontract, der in ^Gegenwart von Zeugen geschloffen und durch einen Eid ^bestätigt wurde; der geschriebene und gerichtlich unterfiegellte Contract tritt erst in der Zeit der Verbannung auf. ' Die Verlobung verband die zukünftigen Galten; aber man gewährte dem jungen Mädchen eine gewisse Zeit, um ibtc Vorbereitungen zu treffen, ehe sie ihre Hochzeit feierte und bei ihrem Gatten wohnte. An dem bestimmten Hochzeitstage njurde die Braut gebadet, mit wohlriechenden Oelen gesalbt. und geschmückt mit nllem waS sie Prächtiges an Kleiburg und Schmuck fachen besaß, auf dem Haupte trug sie einer Kranz; darum wird sie auch im Hebräischen Kallah, ). i. Bekränzte, genannt. Umgeben von idren Eltern und Freundinnen erwartete fie den Untergang der Sonne. ^>er Bräutigam, gleichfalls geschmückt und bekränzt, umgehen von seinen Gespielen oder Brautführern, begab sich! am Abend in daS HauS seines Schwiegervaters, um seine junge Gattin zu holen, welche daS elterliche HauS untck den Segnungen ihrer Eltern verließ. Die jungen ^Verheirateten, gestellt unter einen Thronhimmel und begleitet von ihren Eltern und Freunden, begaben sich auf!den Weg. bei dem Scheine der Fackeln und den lärmenden Tönen der Trommeln und anderer Instrumente; alsdann begab man sich singend und die lebhafteste Freude zeigend in daS HauS deS Bräutigams. Ein fröhliches Fest, von dem Bräutigam oder dessen Eltern zubereitet, erwartete die HochzeitSleute. Man überließ sich einer läritenden Freude und wenn wir die tbalmudischen Ueberliefe ungen auf die alten Hebräer beziehen können, so verschmähten die ernstesten Männer nicht, der Braut ihre Conplimente zu machen, indem sie vor ihr tanzten. Man interhielt sich auch durch Geistesunv Räthselfpiele. ES ist nirgends in der Bibel die Rede von einer religiösen Ceremvnie bei der Verheiratung; die jungen Leute Erhielten, wie es scheint, den Segen ibrer Väter und t)ic| Um{h6tnt>cn riefen dabei die Gnade deS Himmels für fie aii. Nach dem Mahle führte man den Bräutigam in daS HochzettSjfmmer, wohin ihm feine junge Gemahlin schon vörangegangen war. Am andern Morgen begannen die! Festlichkeiten von Neuem und wurden fortgesetzt b»S z^tm siebenten Tage.' Nachdem wir den Freuden und Festen d Familien betgewohnt haben, wollen wir sie a in den Momenten der Trauer und Betrüb» Hebräern, wie bei ollen alten Dölkekit. wäre der Trauer nicht weniger energisch alS die Bei den freudigen Ereignissen sangen sie, tanz ea, schmück len sich, umkränzten sich das Haupt und ül erließen sich der Freude bei einer guten Mahlzeit; in dec Betrübniß stießen sie klägliche» Geschrei aus. warfen st h zur Erde, zerrissen ihre Kleiber, fasteten, und streuten Staub oder Asche auf ihre Häupter. David blieb während der Krankheit seine» Kinde» auf der Erbe lieg«, und ver» weigerte Nahrung zu sich zu nehmen; als Lhamar von hebräischen ^ch betrachten Bei den die Zeichen der Freude. Amnon beschimpft wurde, bedeckte sie seinen Kopf mit Asche, zerriß *scin Gewand, trug die Hand auf dem Kopfe und ging schreiend davon; Hiob saß in seinem Unglück auf Asche und die Freunde, welche ihn trösten wollten, weinten und seufzten laut und setzten sich zu ihm auf die Erde, während sieben Tagen und sieben Nächten. Man brach au» in den lebhaftesten Schmerz, wenn der Tdd ein Glied der Familie berührte; besonders die Frauen überließen sich zügellos den lärmendsten Klagen und stießen Seufzer auS, die man von ferne hören konnte. Mitten im Geschrei und Klagen machte pian die Vorbereitungen zum Begräbniß. welche» man alS «ine heilige Pflicht ansah und das die nächsten Verwandten übernahmen. Selbst die Priester, mit Ausnahme de» Hohenpriester», durften diese Pflicht erfüllen, obgleich es ihnen sonst verboten war, sich durch die Berührung eine» Leichnam» zu verunreinigen. Man betrachtete e» alü einen schrecklichen Fluch, de» Begräbnisse» beraubt zu fern. . Uebrigens giebt uns die Bibel kaum einige An^rchrn über die bei der Zurüstung de» Begräbnisse» befolgten Gebräuche und können wir nur einige Anmerkungen^de» neuen Testament» benutzen; doch ist e» zweifelhaft, ob man diese Gebräuche bi» zu den Zeiten der alten Hebräer zurückführen kann. ES scheint hervorzugehen au» einer Stelle de» 1. B. Mos., daß die Nächsten Verwandten dem Gestorbenen die Augen schloffen. Unmittelbar nach dem Tode wurdr der Körper gewaschen und in vä» Oberzimmcr gebracht, wo die anderen Vorbereitungen'getroffen werden sollten; die » Hände und Füße waren durch Binden zusammengebunden; der Kopf war mit einem Leichentuche bedeckt und der' ganze Körper in aromatisch duftende» Linnen gehüllt. Man legte die Tobten in einen offenen Sarg oder vielmehr Mittah (Bert) genannt, die von mehreren Männern an den Ort de» Begräbnisse» getragen wurde; die Eltern und Freunde folgten dem Leichenzuge weinend und laut klagend. Mit ihren Seufzern vermischten fich die Gesänge der Klageweiber- und der klägliche Ton der Flöten. Die Hebräer begruben ihre Tobten unv verbrannten sie niemals, mit Ausnahme der Körper der Verurteilten, denen man zuweilen da» Begräbniß verweigerte und für welche e» oft' eine Erhöhung der Schande fein sollte. Wenn die Bewohner von Jabe» die Körper von Saul und feinen Söhnen verbrannten, war e» ohne Zweifel, um sie zu schützenvor den Beschimpfungen der Philister und wahrscheinlich ist e», daß der Verfasser der Chroniken eö deshalb mir Stillschweigen übergeht, weil e», im Sinne Hebräer, eine Schande war. Die Wohnungen der ^Tobten, bei den Hebräern Häuser der Ewigkeit genannt, waren gewöhnlich außerhalb der Städte und sollten wenigsten», 50 Armeslängen von der Stadturouer entfernt sein. Die Grabstätten waren gewöhnlich' kleinere oder größere in den Fel» gegrabene Gewölbe, die an beiden Seiten eine gewisse Zahl von Abtheilungen hatten, um so viel Körper dort hinznstellen. Fast jede Familie besaß in ihrem Eigenthum ein ähnliche» Gewölbe und alle Glieder der Familie wünschten dort nach ihrem Tode zu ruhen. Man findet noch jetzt in-Palästina und vorzüglich in der Umgegend von Jerusalem eine große Zahl dieser allen in die Felsen gehauenen Begräbnißstätten. Wa»

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