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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 22 (1858) · p. Seite 87

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
22 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 87 (sequence 3)
Language
German
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87 Distinktion trugen öfter goldene betten um din Hals und Armbänder; Knaben trugen auch Ohrringe. Die Sitte Amulette zu tragen ist sehr verbreitet im Aljerthume und ist eS noch heute bei den Morgenländern;! diese Sitte eristirte auch bei den alten Hebräern und wahrscheinlich war eS, um diesen Aberglauben zu beseitigen, baß der Gesetzgeber ihnen gebot, auf Stirn und Arm (an Stelle der Amulette) gewisse Inschriften, die Grundgebote de- Gesetzes umfassend, zu tragen.! Die Kleinodien der Frauen waren ziemüch zahlreich; wenn wir unS eine Frau vorstellen, die v^m Kopf bizu den Füßen mit all' den Kleinodien geschmückt ist, welcher die Bibel Erwähnung thut, so bemerken wir folgende Gegenstände: Ohrringe in verschiedenen Formen; man nennt sie Aerem (wahrscheinlich hängende, denn die Nasenringe trugen denselben Namen) oder Aghil (runde) oder Netiphoth (Tropfen oder Perlen), vielleicht bestanden die Ohrringe zu gleicher Zeit afts mehreren Stücken, auf die sich diese verschiedenen Nachen beziehen. Nasenringe, Xereru genannt; noch heute trogen die orientalischen Frauen diesen Schmuck, der a»f der einen Seite der Nase hangt, die man zu diesem Zwecke durchsticht, wie die Ohren. Der Ring, au- Elhhenbein oder Metall, und öfter mit kostbaren Steinen vLziert, hat 2 oder 3 Zoll Durchmesser und häng? Über den Mund. Eliezar gab de^, Rebekka einen solchen Rir g von Gold, der ein Beka ober einen halben Schekel wog. Zn den Sprüchwörtern vergleicht man die Schönheü einer geistlosen Frau mit einem goldeoen Ringe an »ie Schnauze einer Sau gehängt. Halsbänder oder vielnehr Ketten, genannt Rabid, waren oft doppelt oder dre fach und bestanden zum Theil aus Goldfäden, zum T eil aus kostbaren Steinen oder Perlen. An einigen ketten waren verschiedene Zierrathen von Gold, sowie kl iine Sonnen, oder- Halbmonde (Saharonim), Amulette vl n Gold oder Talismane (EshasehLn). vielleicht die Gestalt einer Schlange habend, und auf denen magische Sprüche oter Worte auS dem Gesetze MostS eingravirt waren; endlicl auch Riechfläschchen (Bott^-Nephesch), die man im Busen verbarg ober welche biS auf den Gürtel hingen. Einige Male bemerkte man auch eine goldene Kette, die > n dem Kopfputz befestigt war. Armbänder, genannt E^Ada oder Qamid; da man diese beiden Wörter ein S neben dem anderen findet, können sie nicht vollständig j leichbedeutend sein. DaS erstere scheint im Zusammenhang mit dem arabischen Dorße Sai'd (Arm) zu stehen und bezeichr et ohne Zweifel einen Aing, der den Arm nah am Elnbogen umschloß, wie wir es ausdrücklich in der Pibel lesen, während der Camid sich nab um die Hand schloß. Düse beiden Arten Armfpangen waren also Ringe, theis von Gold, von EUber oder Elphenbetn; die Armspargen, die der Diener AbrahamS der Rebekka gab, wogen nach I.Mof. zehn Schekel Goldes. Aber außer den Ringen finden wir auch Armbänder in Form von Ketten (Seheboth) erwähnt, oder auS Goldfäden gefertigt. Ringe (Tabbaath), die man an den Fingern beider Hände ttug. Fußringe, wie man deren bei den Griechen und Römern hatte, und die man noch bei den arabischen Frau, n fleht, welche sie Khalkhal nennen. Wir müssen noch der Charitim erwähnen (Sicke oder Taschen), von welcher Jesajaunter den ToilettegegenstLnden der Frauen berietet, und die wir später als Geldbörsen wiederfinden. Die Beutel, welche die Damen in Toilette am Gürtel tragen, waren wahrscheinlich von schönem Stoffe ulld mit Stickereien geziert, wenn man darnach urtheilen soll. waS der moderne Orient un- Analoges bietet; die Etymologie des Wortes Charit oder Kharit scheint die konische Form anzudeuten. Man findet keine Spur von Schnupftüchern, und zweifelsohne wußten die Frauen der Hebräer deren zu entbehren so gut wie die der Griechen und Römer; die Sndaria (Schweißtücher) der Römer fehlen gleichfalls im alten Testament und der Talmud tarnt sie nur unter dem lateinische» sstamen. Ein wesentlicher Gegenstand, der aus dem Toilettetisch der Frauen nicht fehlen durfte, war der Fach, eine Art Schminke si>r die Augen, dasselbe wie da- Cohl der Araber und das Ltibium (Bleiglanz) der Römer; man that eS in ein Horn, wie eS unS der Name Lörsu-bappouch (cornustibii), den man einer der Töchter HiodS beilegt, errathen läßt, und tauchte eine silberne, elphenbeinerne oder hölzerne Nadel hinein, um damit die Augenbrauen zu schwärzen', waS man „die Augen schminken" nannte, oder wie sich der Prophet JrvemiaS ironisch auSdrückt, „sich die Augen durch Schminke zerreißen.^ Der Prophet Ezechiel bezeichnet das Vorhergehende durch daS Zeitwort Cahal, dessen sich die Araber yvch heute bedienen. was die Fortdauer dieser Sitte beweist. -Wir haben schon von dem gelben Pulver Coplurr (arabisch Ad-henna) gesprochen, dessen sich die Frauen bedienten, um sich die Nägel und Haare zu färben. Fügen wir diesen Gegenstände» noch die wohlriechenden Basen hinzu, die dazy dienten. Zimmer, Kleider und Haare zu durchduften, sowie die Salbenbüchse und daS Riechfläschchen und man wird eine ziemlich genaue' Vorstellung haben ' von Allem waS zur Toilette der schönen Zionstöchter nöthig war. deren Gefallsucht eint so scharfe Rüge im" Propheten Zesajas findet. , Aber sicherlich würde diese Koketterie nur halb befriedigt worden sein, wenn die Frau, um über den Effect ihrer Schönheit, die Eleganz und den Glanz ihre- Schm»ckeS zü uriheilen, genöthigt gewesen wäre, sich auf die Augen einer Freundin oder Dienerin zu verlassen, und sich nicht sn ein^m Spiegel hätte bewundern können. Zn der That der pvlirte Metastspiegel reicht bei den Hebräern biö zu einem hohen.Alterthum hinauf; es ist schon zu Most- Zeft davon die Rede, alS von einem Gegenstände, der sich vorzüglich in den Händen der Frauen befunden. Die Spiegel, deren im 2. Mos. unter dem Namen Llarah erwähnt werden, waren von Stahl. ZesajaS bezeichnet diese Spiegel mit dem Worte 6u!1xoiüm, einen polirten Gegenstand bedeutend; zu seiner Zeit hatte der LuruS wahrscheinlich schon die silbernen Spiegel emgeführt. Diese Spiegel dienten nicht, wiebei uns. die Zimmer züschmücken; sie waren.von kleinem Umfang, von runder oder ovaler Form, mit einem Stiel, und die Frauen trugen ihn oft bei sich. Indem wir da-, waS wir über die Kleidung' und_ Toilette zu sagen hatten, schließen, müssen wir noch erwähnen, daß die Art der Kleider und daS heiße Klima die Hebräer nöthigten, oft die Kleider zu wechseln, wie man bei unS die Wäsche wechselt, um den Anforderungen der Reinlichkeit zu genügen. Man hatte also gewöhnlich mehrere vollständige Anzüge, um damit wechseln zu können; r

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