Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 22 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 2)
- Language
- German
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86 genannt, reif reit diean einer Stelle in Ezechiel sehen, möglich auch, daß man in der Zert dieses Propheten den Sandalen schon eine Bordüre oder Einfassung von einem feineren Leder hinzufügte, oder reaS glaublicher ist. daß da- Tbahasch-Leder zu den Sandalenriemen verwendet wurde. Eine Vervollkommnung der weiblichen Kußbekleidung waren die Achasim, die, wie ich glaube, eine Art Sandalen oder sebr hober Socken war, mit Glöckchen oder kleinen Metallplatten verziert, die beim Gehen an» einanderftoßen und bei jedem Schritte tönen, wie es eine Stelle des Jesajaandeutet. Man siebt diese Fußbekleidung noch beute bei den orientalischen Frauen; man nennt sie Kabkab; bestimmt zuerst die Füße vor Staub und Feuchtigkeit zu schützen, machten die Frauen einen LuruSgegenstand daraus, der dazu dient, ihre Gewalt mebr zu heben. Außer dem Turban bildete die Filet» mütze einen Kopsputz der Frauen, denn diese verstehen die meisten der (Kommentatoren unter den Schebisim. von Jesaias erwähnt. Ein wesentlicher Gegenstand der Frauentoilette ist der Schleier; aber Nichts beweist, daß ' die Krauen bei den Hebräern sich nur bedeckten Antlitzezeigen durften. Es ist wenigstensicher, daß in der Zeit der Patriarchen die achtbare Frau ihr Gesicht zeigen konnte, ebne sich etwas zu vergeben, obgleich der Schleier damals Zeinen Tbeil der Frauenbekleidung auSmachte. Rebekka trug einen Schleier, aber blerbt unbedeckten Antlitzes vor Eliezar. und bedeckt sich nur, als sie. Isaak, lbren Verlobte», kommen sieht. Tbamar bedeckt sich mit ibrem Schleier, um nicht von Juda erkannt zu werden, aber sobald dieser r'ort ist. nimmt sie ihren Schleier fyn. Man kann aus diesen Erzählungen deersten Buchcs MosiS schließen, daß die. Girren in der Zeit des NiederschreibenS tiefes Buchedieselben geblieben sind, und daß, wie wir eS soeben gesagt. Nichts beweist, daß fie . seitdem sich geändert batten. Man hat schon geseben, daß die Frauen der Hebräer eine große Freiheit genossen, , und es ist nicht anzunehmen, daß sie in Bezug, aut den Schleier die strenge Etiquette beobachtet batten, die die Frauen des Morgenlandebeute beobachten und die mebrere Schriftsteller unrichtiger Weise bis rum hebräischen Altenbum binaufleittn. Bei den Hebräern bedeckten sich die Frauen und Mädchen wabrscheinlicher 'Weife mit dem Schleier, wenn sie aus der Straße gingen, und im Allgemeinen bei den Veranlassungen, wo ihnen ein Gefübl der Keuschheit eine Pflicht daraus machte,, wie es Rebekka tbar in^ dem Augenblicke, wo sie zum ersten Male 'ihren Verlobten erblickt, atzer im Hause und selbst an den Lnen, ivo öffentliche Versammlungen gehalten wurden, scheuten ne sich nicht, sich vor den Männern freien Antlitzes sehen zu lassen, wie wir z. B. von der Hannah sehen, der, als sie in dem Heiligtbume zu Silob betete, vom Hohenpriester inS Antlitz geseben werden konnte. Wir wissen weder zu sagen, wre die Form der Schleier gewesen, noch ob es deren mebrere Arten gegeben-, das Alte Testament giebt unS wenigstenzwei SBoi«, die, ebne Zweifel, den Sinn von Schleier haben,, das Wort Cai°£ das man im 1. Mos. sinvet, und daS Won Baal, dessen sichder Prophet Jesajas bedient. Dies letzte Wort, das 'auch im Arabischen gebräuchlich ist, ist nur ein moderne- Wort, gleichbedeutend mit Ca'tf. Einige andere Worte, denen man 7en Sinn „Schleier" beigemessen, sind zweifelhaft. Die Männer sowohl aldie Frauen verwendeten eine große Sorgfalt auf die Haartracht; die jungen Leute trugen das Haar lang und toupirt und verschnitten eS nur selten. Im Hohen Liede wirb von „lockigem Haar und schwarz wie der Rabe", gesprochen. Man hatte eine Art Widerwillen gegen Kahlköpfe, die öfters Beschimpfungen auSgefttzt waren. Männer von Würde und überhaupt die Priester beobachteten das jauste milieu, indem ste daS Haar von Zeit zu Zeit verschnitten; aber daS Gesetz verbot das Haar zu verschneiden auf Art der Araber, die sich den Kopf ringsherum abrastrten und nur auf dem Scheitel Haare ließen. Man mußte die Ecken der Haare wachsen lassen, sowie den Bart. d. h. die Haare, die die Schläfen bedecken und den Tbeil des Barte-, der sich daran schließt und die Backen bedeckt. Da- Verbot de- Gesetzgebers erklärt sich auS der Gewohnheit, welche die Araber in dieser Beziehung zu Ehren einer dem BakchuS ähnlichen Gottheit angenommen haben..Ivie Herodot eS erzählt. Der Prophet JeremiaS spricht mehrmals von diesen Arabern, die er spottweise „Männer mit abgeschnittenen Haarecken" nennt. Was den Bart betrifft, so betrachtete man ihn als die Zierde des Mannes und man trug ihn lang; der Angriff auf den Bart war die größte Beleidigung, die man einem Hebräer zufügen konnte, und David rächte auf eine schreckliche Welse eine solche seinen Gesandten zugefügte Beleidigung. Man pflegte den Bart ebenso wie da- Haupthaar mit wohlriechenden Oelen. Die Frauen verstanden ihr Haar mit Eoquetterie zu ordnen; der Prophet JesajaS macht Erwähnung von ftifirtem Haar und Haarflechten. Die Kamme und Haarnadeln sind in der Bibel nicht erwähnt; eS ist davon die Rebe in der Mischna, aber eS blribt zweifelhaft, ob man sie bis zu den alten Hebräern hinauf leiten kann. DaS Haar war durch ein Band, welches die Stirn einsckloß. zurückgehalten, und dadie reichen Krauen mit einer Gold- oder Silberplatte bedeckten; der Talmud erwähnt diese Bänder unter dem Namen lotapbotd, der sich im Pentateuch findet, wo er die Thefillim bezeichnet, welche die Minner vor der Stirn tragen, und von denen wir späterbin sprechen werden. ES bleibt unS noch übrig, von den Schmucksachen und einigen anderen Toilettegegenständen, die bei dem einen oder dem anderen Geschleckt gebräuchlich waren, zu reden. Die Männer trugen gewöhnlich keinen anderen Schmuck, als den Siegelring und den Stock; der Ring wurde entweder an einem Finger der rechten Hand, oder um ven Hals getragen, vermittelst einer Schnur, genannt Pathil. Der Stock, genannt Llalte, war uvzweiftlbaft mit einem werthvollen Knopf verziert. Herodot berichtet uns, daß bei den Babyloniern ein Jeder einen Siegelring und einen Stock trug, welcher letztere mit einer Verzierung am oberen Ende in Form eines Apfels, einer Rose, einer Lilie, eines AdlerS oder irgend eines anderen Gegenstandes versehen war. Ferner trug Juda sowohl Ring als Stock und dieser letztere muß ein werthvolleS Stück gewesen sein, da ihn Thamar als Unterpfand verlangte. Wir erinnern auch an die Stäbe Mofis und AbronS, die gleichfalls den Namen Mattl trugen, während der gewöhnliche Stock, dessen sich die Leute aus dem Volke und die Reisenden bedienten, Makkel oder Misch’eneth (Stütze) heißt. Die Könige und andere Personen von