Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 22 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Belehrung und Unterhaltung auf jüdischem Herausgegebeu von 4^c6iefe-j Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. lNo. 22.1858 ] von »Ufer r «augs 1 Jblt. 2*irrlf * und Bef «ui fcbeiRt »SSentltch «in« Nu»»»«. Pr«it«< 9akt> i ädri»?'/» »ai. »U« Pud'banMtiaj««. yetkaiicr ii i*«fr«titi9nen nebmtn B«-e»onu«n «n. [5. Mri. 2. ffiiartol.] DaS häusliche und gesellschaftliche Leben der alten Hebräer. : Nach dem Kranzöfischeu de- S. Muii^k. tSorisetzung.) j B. Die Kleidung. | Wir finden in der Bibel eine ziemlich große Anzahl Wörter, die Kleidung-- oder Toilettegegenst inde bezeichnen; aber wir würden unS in einer völligen Unwissenheit über die Form der Kleidung bei den Hebrä rn befinden, wenn unS nicht bis zu einem gewissen Grqde durch die Kleidung der jetzigen Orientalen und namentlich der Araber darüber Aufschluß gegeben würde.! Man weiß, daß die Moden und die Gebräuche im ganzen Morgenlande sehr wenig wechseln» die wesentlichsteü Kleidungsstücke haben dort eine außerordentliche Einfackcheit bewahrt, und noch heute erkennt man in dem orientalischen Costume die hauptsächlichsten Stücke wieder, die man auf den Ruinen einiger Monumente dealten Asieiidargestellt findet. Es unterliegt indessen keinem Zweifel, daß die Hebräer in ihre Kleidung mehrere besondere Einzelnheiten eingeführt hatten, die aus ihr ein Nationaltostum gebildet haben; denn wir sehen unter den lebten Königen die Propheten sich öfterüber diejenigen l >eklagen. die fich fremdartiger Kleidung bedienten. Wir wissen durch den Propheten ZesajaS, baß die Frauen fei ler Zeit eine ziemlich eomplicirte und aueiner Menge von ausgesuchten Kleinigkeiten zusammengesetzte Toilette machten. Wir müssen unS begnügen, hier daS am Wenigsten Bezweu'elnde zu geben. Die Stoffe, deren man sich bediente, waren Wolle, Linnen, und später Baumwolle; die gebräuchlichste Farbe die weiße. Die Reichen ^trugen Stoffe in Purpur, roch, violette oder auch carmMsin gefärbt; man verwandte auch Stickerei für die Lurui^leider. Die am häufigsten in der Bibel erwähnten Kleidungsstücke sind die Tunika (Chethoneth) und der Mqritel (Simla). Die Tunika. die von Linnen war und Äermel hatte, wurde bald auf dem bloßen Leibe, bald über einem Hemde (Sadin) getragen, sie war weit und ^wahrscheinlich sehr lang, und man befestigte sie mit ebnem Gürtel. DaS Oberkleid oder der Mantel war von verschiedenem Schnitt und Stoff. Es scheint, daß egeflröhnUch eine Art Shawl, ähnlich dem Ljaik der Araber, ßewefen; denn ehatte viet Ecken, an denen man, nach -er Vorschrift Mosis, Schausäden mit eine« violetten Faden befestigen mußte, um der Gebote Iehovah's eingedenk zu sein und den Götzendienst zu vermeiden. Die «»-gezeichneten Leute trugen auch daöloil und da- Ephod, die wir unter den Kleidungsstücken de- Hohenpriestergesehen, ihre jungen Söhne und Töchter trugen lange Tunikavon verschiedenen Farben. Eine Art weiter Lurusmantel, AdäereÜr genannt, wurve von den Könige» getragen; die Propheten hatten ähnliche von Haaren. Die Fußbekleidung bestand in Sandalen, die man mit einem Riemen an den Füßen befestigte; da der Obertheil de- Fußeunbedeckt blieb, konnte man nicht, verhüten, daß sich vi^l Staub darauf ansetzte, we-halb so oft in der Bibel die Rede vom Fußwaschen. ist. Der Kopfputz war der Turban, der in der Bibel mehrere Namen trägt, und der, ohne Zweifel, verschiedene Formen hotte. Allewoman mit Bestimmtheit in dieser Hinsicht sagen kann, indem man sich auf die Etymologie' solcher Wörter wie Saniph und Hisnefeth. stützt, ist, daß der Turban hauptsächlich aus einem Tuchen bestand, da-, mehrere Male den Kopf umschlang. 4Die eben genannten Kleidungsstücke waren sowohl bei dem einen als dem anderen Gefchlechte gebräuchlich, au-genvmtyen imiber den Ephqd und den Addereth, die wir nicht al» Frackenkleiddr erwähnt finden. Aber die Frauen trugen feinere Stoffe; ihre Kleider hatten mehr Weite und machten sich außerdem auch durch verschiedene Putzgegenstände, die ihnen eigenthümlich waren, kenntlich. Der Unterschied mußte sehr ersichtlich sein, denn da- Gesetz verbietet dem Manne, den Mantel der Frau (Simla) zu trage» und dieser die Abzeichen (Waffen und Kleidungsstücke) de- Manne-. Die Frauenkleider haben öfter besondere Benennungen, waeinen Unterschied im Stoff, itn Schnitt oder den Zierrothen bezeichnet; so der Gürtel vorj Linnen oder Baumwolle, den die Frauen ttugen, ist, Kischurim genannt, ein Wort, daim Plural steht und Ligamina bedeutet, denn er umgab den Körper mehrere Male, wie der Adnet der Priester. Der Gürtel der Männer, Ezor genannt, war von Leder oder von Linnen, und wahrscheinlich viel einfacher older der Frauen, der einen der vorzüglichsten Gegenstände der Toilette bildete und vorzüglich der Schmuck Neuvermählter war. Der Mantel der Frauen, Hitp&hath genannt, war anscheinend sehr weit. Ruth bedientesich deffelben. um sechs Maß Getreide, da- BoaS ihr geben ließ, fori» zutragen. Die Frauen trugen auch noch eine andere Art Oberkleider, Moatapha oder Ueberwurf genannt, und die,„ wie eS scheint, eine zweite Tnnika mit Aermeln war, noch viel weiter aldie erst genannte. Die Fußbekleidung der Frauen war von einem kostbaren Leder, Thahasch