Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 21 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
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88 Er lägt und nur matbcn, daß diese Fcuerhhrde in freier Lust hingestellt und gegen die Malier deäußeren Hofegelehnt waren.! «zcn etzunk solgt.) L R a s ch i. Von den jüdischen Gelehrten und den Lehrern de- Judemhumaller Jahrhunderte besitzt Niemand einen so populären Namen wie Nascht. Sicherlich kennen sehr viele unserer Leser auihrer Jugend noch praktisch diesen Heroder jüdischen Auslegung, die Anderen habhn seinen Namen unzählige Male gehört. Aber wie e->oft geschehen, wissen wir von den Leben-ereignissen dieses, auf so viele Jahrhunderte tief einwirkenden Manneflst gar Nicht- und andererseits hat sich die Sage seiner »emächtigt und eine Menge Legenden fabricirt, denen auck nicht einmal, eine geschichtliche Anknüpfung zu Grunde liegt. Neuere Forscher, namentlich Zun;, haben sich viel mit ihm beschäftigt, und ewird vielen unserer Leser ctngenehm fett», die spärlichen Notizen auseinem Leben, die man aufsinden konnte, kennen zu lernen. j Ehatte mit dem jetzt laufenden Jahrtausend in Südfrankreich und Deutschland eine große^Thätigkeit auf dem Gebiete de- Judenthumbegonnen, j Wir nennen hier nur den berühmten Gerfchvm b. Jebudab au- Mainz, der. den Titel „Leuchte de- ExilSl' bekam, und welcher besonderern große- Verdienst sich durch die Berufung einer großen Versammlung nach Worinerwarb, wo auf seinen Antrag ein für allemal (nicht, wie eS heißt, auf Zeit) die Vielweiberei bei Ctrofe de- Dauneverboten ward. In demselben Jahre, wo l labbi Grrschom starb, ist Nafchi geboren, 1040 (4800 de I jüdischen öka» lenders). Neuere nehmen 1030 an. Siin eigentlicher Name ist Salomo» ben Isaak, und sin Geburtsort Troycin der ehemaligen Champagne. Die bekannte Nalncn-verknrzung ""Di Raschi wurde vi m älter» Burtorf in ren Namen Rabbi Salomon Harcki fälschlick aufgelöst, wodurch unser Raschi in der Gelebnenwelr unter deur ihm gar nickt zukommenden Namen Jarchi bekannt ist. Raschi'- Vater hieß Isaak unv war kein ungelehrter Mann; seine Mutter war di« Schwester deberühmten Simeon de- Aelteren, we cher Gersckom'S Schüler gewesen. Er har jung geheiratbe!, und ist öffentlicher Lehrer. Rabbi, zu Trove- oder Lr istre geworben. Wa^ man ihm von großen Reisen nach Aegypten und Asien zuschreibt, ist Fabeltier har weder Palästina noch Babylon betreten; auch iw Spanien ist ix nie gewesen. Doch ist estcher, daß er Deutschland b« sucht hat. Er hatte keinen Sohn, aber drei Töchter. Die eine war an seinen Schüler und Fortsetzer Jehudah b. verheirathet, die zweit« an einen Unbekan »ten, den Vater des Schemaja. die dritte an Meyer aunanm, welcher letztere, selbst au-gezeich Vater dreier berühmter Söhne und rinr Tochter war. Der älteste Sohn', also Raschi - Enkel, ist der bekannte Commentator Samuel Kran, der auch Raschi- Nachfolger im Amte wurde; von ihm ist noch ein Sohn, also ein Urenkel Raschi -, unter dem Namen Joseph Perath Nathan Cp-i) man, s*i gereter Gelehrter, bekannt. Der zweite, ist Isaak der jüngste und berühmteste ist Jakob mit dem Beinamen Tham rri, der eigentliche Gründer unserer Thvsaxhoth. Meyer'- Tochter heirathete Samuel, und gebar diesem den Isaak den Aeltereü *n, der so häufig in den Thosaphorh vorkomm/. Aber auch einem llr-Urenkel und einen Ur Ur-Urenkel Raschi'- kennen wir. indem dezuletzt genannten Isaak'- Sohn Elchanatt.hieß, uyd dessen Sohn Samuelbejde sehr bekannte Rabbinen. So weit reichen die Nachrichten über da- Geschlecht Raschi'-. Waaber die Genealogie so überaus glänzend macht, ist dabeispiellose Glück, welche- Raschi in diesen seinen Nachkommen befaß. Raschi, der Stifter rer deutsch, ftanzösischen rabbinischen Literatur, hat sich nicht sowohl durch Schüler, alvtrlmehr durch seine eigene Familie befestigt, au-gebreitet, verherrlicht. Die Männer der Thosaphot find seine Schüler und Nachkommen, und dutch sie meistentheilwar Allegebildet, waS in Deutschland, ch Frankreick, Provence lehrte. Seit Raschi breirett sich da- Studium de- Talmudüber ganz Frankreich au-. Die Berdienste Räschi - um Bibel und Talmud brquchen wir hier nicht, aueinander zu setzen. Aber fälschlick har man ihm auch angedichtet, daß er persisch, arabisch. griechisch, lateinisch und deutsch verstanden. waS durchauS nicht der Fall war. Seine großen Commcntarien hat er wohl mit dem Jahre 1070 'begonnen. Daß er al- Richter durch seine Gatachlen und Entscheidungen. alS Rabbiner durch seine Einrichtungen,(j. P. über Mesusoth und Thestllin) Großegewirkt, ist bekannt. Sein Ruf und seine Werke zogen bald Schaaren von Schülern herbei, die seine Lehre, seine Schriften, seinen Geist verbreiteten. Sein Lebensende war nicht ungetrübt, denn er erlebte noch die Judenverfolgungen am Rheine im Mai 1096, und einige > Selichorb tragen seinen Namen. Er starb zwischen 1104; unv 1105 , 64. nack den Neueren 74, Jahre alt. Seine- Hauptwerke sind der Commentär zur heiligen Schrift, welcker so zahlreiche Super-Commentare erhalten har. dann Cvmmemar zum babvlonischen Talmud, welcher außer rem außerordentlichen Ansehen, daer erlangte, auch nickt minder Verfolgungen au-gesetzt war. So wurde er in Spanien verboten, in Italien verbrannt. I und von Censoren amputirt. Außerdem sind besonder- ' seine Gutachten und Urtbeil-sprücke berühmt. Man bar sickerlich unserem Raschi keinen Gefallen gelhan. daß manihm märchenhafte Wunderthaten angedichtet; z. B.. daß er vor dem Herzog Gottfried von Bouillon Wunder grthan;^hatN doch selbst seine Leiche keine Ruhe, indem pran sie auihrer Ruhestätte in tn Champagne nach Prag versetzte. Wenn auch jetzt da- Studium von Raschi'- Schrifterklärung audem Jugendunrerrichte zumeist geschwunden ist, so bleibt sie doch jedem Bibelforscher unentbehrlick. und die Wirksamkeit seiner geistige» Erzeugnisse wird so Mnge nicht aushören, aldie jüdische Theologie ihre gründlichen Bearbeiter findet.') ») S. Zunz. Zeitschr. f. d. »iffensch. d. Jnteuth. Berit», tsrr. e. r?7 ff.