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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 21 (1858) · p. Seite 82

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
21 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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82 verschiedenen Zwecken benutzt werden; man breitete 2ort * gewisse Wirlbschaftsgegenstände in der freien Luft auS; man erging sich dort» um der frischen Luft zu genießen; man schlief dort oftmals während der schönen Jahreszeit; man zog -sich dort hinauf zurück, mir ungestörte Unterredungen zu halten, oder sich dem Schmerze zu überlassen bei einem unglücklichen Ereigniß. ,,Sitzend im Winkel deS DacheS" ist ein sprüLwörtlicher Ausdruck, um ein trauriges und einsames Leben zu bezeichnen. In den Unruhen und den großen Zusammenrottungen deS Volkes, begab man sich au.f das Dack>, um zu sehen, waS paffirte, um sich zu retten oder zu vertb/idigen, und oft auch um irgend eine, außerordentliche Handlung in Gegenwart der versammelten Menge zu begehen. Man richtete dort auch die Laubhütten auf für das Fest dieses Namens, und die götzendienerischen Hebräer hauen dort Altäre, dem Stcrndienste geweiht. Man wird jetzt begreifen, warum daS Gesetz Mosis befohlen har, eine Ballustrave um daS Dach zu machen, um zu verhinderu, daß ein Unglück geschehe. An der Vorderseite des DacheS befand sich gewöhnlich ein Pavillon oder ein „Erker" t^Iiv)u). in den man sich zurückzog, um auszuruhen, um feine Andacht zu verrichten, und überhaupt wenn man allein sein wollte; man logine dort auch oster Fremde, an denen man Gastfreundschaft üben wollte. llAaSman soeben gelesen, kann einen Begriff von denckäußern Anblick der Häuser geben-, man kann auch, vergleichen, waS wir vom Palaste des Ealomon zu sagen haben. Obgleich uns die Beschreibung dieses Palastes über Vieles im Dunkel laßt, so können wir doch Folgendes cnrrätbscln. DaS ganze Gebäude, welches sin Parallelogramm mit einem Hofe in der Mitte bildete,- batte 150 First Lange, 75 Fuß Breite und 45 Fuß- Höhe. Das Fundament war von großen wertbvollen Steinen von 12—15 Fuß Lange; dasselbe trug Mauern von gehauenen und polirten Steinen, eingefaßt von einem Gerüst oder von Säulen von Cedernbolz. Das Gebäude war in drei Stockwerke gerheilr, deren PlafondS von Cederndolz waren», und an denen rings herum an jeder Etage symmetrisch vertbeilte Fenster sich befanden. Am Eingang keiand sich ein Porticus, der von Säulen gehalten 75 Fuß Länge und 45 Fuß Breite maß; von da kam man in einen Saal, die „Halle des Gerichts" genannt, denn hier war der Thron und Salomon hielt dorr seine Gerichtssitzungen. Hinter diesen Hallen, in dem inneren Hofe, waren an der einen Seite die Gemächer deS Königs. und an der anderen die der Königin, Tochter des ägyptischen Königs. Das ganze Gebäude war mit einem Hofe umgeben, der durch eine gleiche Mauer, wie die deS inneren TempeldofeS, gebildet war. Der Thron . Salomons war von Elfenbein, bedeckt mir dem feinsten Golde; die Rücklehne war in der.Höhe gerundet, und jede der Armlehnen trug das Bild eines Löwen. Man stieg auf sechs Stufen zu demselben hinan, deren jede zwei Löwen an den beiden Seiten trug. Eine Menge Vasen und andere Gegenstände aus Gold schmückten Oen herrlichen Palast; man sah unter Anderem in dem Waffensaal zweihundert große goldene Schilde und drei, hundert andere von geringerem Umfange. Um nun wieder auf die Einrichtung der Privathauser zurückzukommcn, so kam man zu den Gemächern des Erdgeschosses nur durch den inneren Hof; eine Treppe, die sich an einer der Seiten deS Gebäudes befand, führte direct von dem äußeren Hofe oder dem Vorhofe in die oberen Etagen oder auf daS Dach, so daß man von dem Dache herabsteigen konnte', ohne daS Innere d«S Hauses zu beschreiten. ES gab in den Häusern der Reichen sehr weite und lustige Wohnungen. Man berichtet von Sälen zum Speisen und zu Festlichkeiten, von Schlafzimmern, voir Sommergemächern und Wintergemächrrn; diese letzteren wurden geheizt durch Kohlenbecken, die in die Mitte des Zimmers gestellt wurden. Die Zimmer waren mit köstlichem Holze getäfelt und parauetlirt; die Wände waren mit Zierralben in Elfenbein ^td vielleicht auch mit Gemälden geschmückt. Die Tbüren, die einthürigen sowohl als Flügelthürcn, drehten sich auf Zapfen. Die Riegel und Scklöffer sowie die Schlüssel waren gewöhnlich von Holz, wie man sie jetzt noch bei den Orientalen sieht. Die metallenen Schlösser werben als eine seltene Sache erwähnt und waren gewöhnlich nur an den Stadtthoren gebräuchlich. lieber den Thüren der Häuser und der Städte waren Inschriften, die. nach dem Gesetze Mosis, einen religiösen Charakter haben und sich auf die Grundlehren der Hebräer beziehen mußten. Die Fenster waren symmetrisch vertheilt; im heutigen Orient geben sie fast immer auf den inneren Hof, aber eS geht augenscheinlich aus mehreren Stellen drr Bibel hervor, daß die Fenster im alten Palästina, selbst die der Frauen, auch auf die Straße gingen. Sie waren durch Gitter oder durch Jalousien verschlossen, welche die Sonnenstrahlen abhielten, und die frische Luft einließen, aber man konnte sie nach Belieben öffnen. Als unentbehrliche Meublcs erwähnt die Bibel daS Bett, den Tisch, den Stuhl -und den Leuchter. Als der Lurus anfing, sich unter den Hebräern zu verbreiten, sah man in den Zimmern der Reichen prächtige Betten von Cedernholz mir Verzierungen in Elfenbein; der König Salomon. sagt man. hatte ein Bett, bedeckt mit Purpur, mit silbernen Säulen und einem Kiffen von Gold. In den Sprüchwörtern rühmt die vcrsübrerische Frail ihr Bett, geziert mit köstlichen Stoffen von ägyptischen Linnen und duftend von Myrrhen, Aloe und Zimmer. Die Stühle sind im heurigen Orient nicht gebräuchlich; aber wir finden deren bei den Hebräern, denn da- Wort Kiff«, daS so oft in dem Sinne von Thron angewendet wird, bezeichnet augenscheinlich einen Sitz, verschieden von dem Ruhebette und. Sopha. Die Leuchter waren anscheinend sehr groß, man setzte sie an die Erde und hing eine oder mehrere Lampen daran, in denen man Oel brannte. Die Armen hatten wahrscheinlich irdene Leuchter, die Wohlhabenderen von mehr oder weniger kostbarem Metalle. Die Beschreibung deS großen Leuchters im Heiligthum kann einen Begriff der LuruSleuchter geben, die man in den Häusern der Reichen sah. Zu diesen MeubleS muß man noch die Hanbmühle zufügen, die in keinem Hause fehlte und daS ganze Küchen- und Tischgeräth, von dem wir weiterhin sprechen werden. Wir finden keine Auskunft über die. Beschaffenheit der Küchen; der Prophet Ezechiel macht Erwähnung der Tempelküchen, aber ohne deren Beschreibung zu geben.

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