Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 19 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 2)
- Language
- German
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Suiten tic Männer, die Männer ibren Gott; durcb die Straßen fiü<f*:ctc man. Viele zum Tbore binaus; manwar gerüstet überall wie zum Abmar'ch. der Eine packte seine Habse'.igkcilcn zusammen, der Zw eile suckle ne zu verbergen in ÄeUct und Jeden, und sicki noch sorgsa!« tigcr,-tle Meisten aber zogen durch die Nackt in 'die hoben Hallen der Svnagogc, die ibren Ursprung noch rcn rer Zeit vor der Zcistörung Jerusalems berleuck. Don deanmen einige düücre Lcnckrcr, als wenn ne die I.-ler nrchl -.'erreuden sollten, ttud nur die ewige Lampe vor tec heiligen' Lade zci^rc den goldgestickten Vordang mir kadbalinisä'cn Zeichen. Aber in dem Raume selbst derrtckie nickrc weniger als Schweigen. Saut, schrien t:c Einen Vußv'almcn, den Zorn <5otteS abzuwenden, Ändere Taccucn um Gott, daß er seinen Arm immer noch ausgestruk: i te 1tc über Jiiaci-, ras den mächtigen Schlägen;u erliegen drohe, und dem tuekcr durch tägliche Gcberc. noch durch. Aasten und Kasteien genüg! werden kenne. Andere cnrilck rie'cn. waS die Angst des Herzens unk r.e Furckl vvr der einbreckcnten Gcfabr lb.nen ein» gab oder v.elmcbr-äuspre-Hre. Die Menge schwoll immer uudr E.n iliaddi darre nur seinen Schülern bei:uliel' die Mauern ron Sr. L'.'arun überstiegen, das Grab eines Mönche geö-ftw:, und den Leichnam auf dem jüdischeu gtirtlV** l^uici;. Zwar raue man keine Sr«r im sllostcrk.'.chdc.' seiest .-esturke!'.. wodurch es verrarden weiten; aber ein a'errünniaer Jude, mit der'Hoffnung oi: er clobiiung^. u'arre cs vtm Bttckof von Prag kund geiban, und in rem daraus geö^uclcn Grabe darie man den Leichnam allerdurge nickt gesunden. Ter Bischof war eursärlenen.- am rcigenden'Morgcn in eigener Verso» eine Uulersuel ung. au: dem lüdi-chen Kirckbr'c rer-' zunedmcn. und batte mir der völligen Ausrottung der Juden ans Vrag. getro.tt. wenn ecsein sollte, wie man ilm angegeben. Und die Juden wußten nur zu gilt, was idncn Bttckof und Pöbel bereiten würden. Darum tiescS mitternächtliche Wehklagen. Wo sollte sich hier ein Mittel darbicicn. dem Untergänge;u entgehen, und den Ijschof völlig rom Gegenr^ett zu überzeugen? Binder :rut Frauen,- Grciw. Jünglinge und Männer, Alles drängte sich in taS gcbciligte Aw!, hier Sckus. und Rettunz zu suchen, Niemand' aber wußte 6ialb^ in der Augst. des i'chinablichstcn Lotes zu sterben. Ta lbeiue sieb plötziick die Menge, unk langsam schritt.- rine bebe Jungfrau durch die-. Wcbklagktiden, in tichrc Schleier gebullt, daß nur ein glübentcS schwarzes 'Auge kurchi dieselben sichtbar ward. Sie ging aus die l eilige Late zu, bestieg die Stuft». die noch kein Fnß eines weiblichen Weftus betreten, unk stellte sich aus die obersten derselben. Sic küßte den Vorbang. wandte sich dann zu der Menge, schlug die Schleier zurück, und zeigt« ein. bleiches, aber ekles Antlitz, aus kessen Stirn der erbabenste Sinn Platz genommen. Lautlos schwieg die von Erstaune» gefesselte Menge. ..Berubigt euch, ckob sie an. weine Brüder. Die drohende Gefahr wird für diesmal abzewenter sein. Tbuet aber, wie ich euch sage. Da mein Darer — ihr wißt, ohne seine Schuld und durch ein erzwungenes Gelübde gebunden -7 die Ursache eurer Beunruhigung ist, so will ich mein Polk^vom Rande des Verderbens zurückzieben. Nur noch einige Augenblicke werte ich sein. Ich habe einen Trank genommen, der in weniger Zeir kiese meine StaubeSbülle zu kaltem Staub verwandeln wirk. Dann nebmel meinen Leichnam, leget ihn in das Grab. daS man dem Mönche bereitet bat. dessen Gebeine ihr verscharren mögei irgendwo. Wenn tonn unsre Feinde komme« werden, und daS Grab össnen, fo wird ibr Triumrb schweigen müssen, denn.der Leichnam einer Jungfrau wird ibnen anstatt des Mönchs entgegengrinsen. Sic werten dann meine und eure Rübe nicht stören, ich aber will für euch beten am Tbronc des Allzürigen." Mn diesen Worten sank sic zusammen, und war nicht mehr. Der Bischof von Prag ist gestorben. Das Sr. Martin-Kloster ward im Hussirenkrieg zerstört. Dankbare Hanke aber gruben das Bild der Jungfrau in den Lcichcnstcin aus ihrem Grabe, und dort ist eS noch zu seben nach füllt Iahrbunderren. Israel bar ein langes Gctacknniß. ' Sagt cs lab er dem 'tctrcn Bischof nicht nach, daß des Mvnchls Gebeine roch da gerubet batten, kenn noch wobnen Israels ÄinDft in Prags Iurcnvienel, und wäre der Pöbel nicht noch bereit, Gewalt dem Ruft tcS FanariSmuS binzuzufügen? Die A i n d e r - H y.r. c a n' S des Glücklichen. Der alte .Hvrcari. Prinz von Israel und Hobcrpricstcr. der über so viele Feinde lnnmpbirte, daß er den stolzen Namen des Glücklichen von den Sterblichen erhielt, konnte dennoch nicht über den Tod rriumphiren. Sein Haupt lag matt auf dem goldgestickten Kissen.- bas Auge zum Baldachin hinaufgeboben, die heilige Priestermütze unii rem goldenen Schilde neben sich aus .einem Tische, »in sein Lager standen seine Gattin und fünf rüstige Söhne. Aber, sein Auge, wenn eS sich senkte, schweifte kummervoll über riesclben bin. und seine Seele schien nicht scheiten zu können ob dessen, waS sie auS 'der Zukunft vcrhersab. ,.2br wollet den Frieren nicht, ries er endlich ermailcr, ..den ick euch gebiete, im Namen des Vaters," so werdet ihr untergeben. Einer nach dem Andern, Saß man vom Hause Hvrcan spricht: Es war! Ihr aber. Aristobul und Antigonns. ihr Aeltesien, die ihr die Stützen, deS Hauses fein solltet, auf euer Haupt wirk die Strafe fallen — bevor ein Jahr vergebt, sortre ick euch Rechenschaft ab!"" Er fprach's, und schier, in seinem Äuge noch den Vorwurf. Des Prinzen Lcichnanr war bald bestattet, die Tbränen aus den Augen der Seinen bald getrocknet, seine Gattin forderte nach dem Willen des Verblichenen die Zügel der Regierung als Regentin. Plötzlich erscholl die Trommele durch'die Straß»» Jerusalems, Bewaffnete rauschten auf dem Platze vor dem Tempel zusammen, und drängten das Volk auseinander. „Aristobul ist König über Israel!" Es waren vierhundert und ein und siebenzig Jahre und drei -Monde vergangen, nachdem Israel zurückgekehrt war aus der- Gefangenschaft an den Bächen von Babel, als AristobuluS die königliche Krone zum ersten Male wieder um die Stirn eines Israeliten schlang. Aber giftige Schlangen deS Lasters wand er hinein, denn er wart die Mutter und drei ihrer Söhne in finstere Kerker.