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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 19 (1858) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
19 (1858)
Date
1858-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt Belehrung und An t er Haftung aus jüdischem Gebiete. Hrrautgkgebeo vo» Rabbiner Vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. ,No. 19. 1858.1 B»n Zeiisit-i^kt rrf^riat «int Na»«»». *t«U >r# ZqhkfljRfll 1 Iblr. »Wr><lj4brif?>/, 9*r. 90t e>aa»tz«adl»n-r>. VbüaUer UB» d*tlUnj*fjr»tiriCIUB RtfcMCR BR. [5. Iahrz. 2. ttaarttfL] Zwei Skizzen. (AuS der ersten Auflage des Predigt» uad Echul«Maga;i»S.) Die Prager Jungsrflu. In dem Kloster St. Martin zu Prag lag ein Mönch schwer darnieder. - Durch die Gebreche» seine» Leibe» drang der Tod ihm an» Herz. Schwere Seufzer machten sich von der röchelnden Brust lo». Da öffnete sich ein geheimer Seitengang, und herein trat eipe gebückte Gestalt. die Blendlaterne in der Hand. Sie warf die Ver» mummungen au» dem Antlitz zurück, und trat zu dem Lager de» Mönch». ..Wie geht e» dir, Bruder? Ist der Kampf in deinem Innern noch nicht entschieden?" „Er ist entschieden", antwortete der Mönch mit leiser Stimme. „Er ist entschieden an Leib utid Seele. Der erster« ist de» Tode», die letztere die — eure, Rabbi. E» ist klar geworden in mir. Da» Licht, da» «u» der Kindheit mir herauf dämmerte, strahlt jetzt wie eine Sonne in mir. Ihr «ißt, Rabbi, wie ich meinen Eltern in Basel bet dem großen Brande, in deni mehr al» 3000 unser» Glauben» umkaryen. durch die P^belbande, fünf Jahre alt, entrissen ward, wie ein angeseibener Kaufherr mich von ihren mörderischen Hände löste, iund zum geistlichen Stande erziehen ließ. Ihr habt hineingesehen in da» verworrene Leben, in welche» mich die Hand der Vorsehung geworfen, bi» mein Leib, von Verfolgung und Haß ermüde», stech warb, und meine Seele verdüstert. Vor der Wuth meiner. Verfolger ward t» hell in mir. Mich trösteten all die Mysterien nicht, denen Grund und Wesen ich nicht begriff. Soll ich duldest, rief e» mir. so will ich dulden bei denen, bei denest zu dulden der Gott meiner Geburt mich bestimmt hatte. Da will ich den einigen Gott erkennen, den mein Gejst begreift und mein Herz fühlt. Lei diesen Gedanken hüben mich vor der Ausführung die Tode»wehen überkoistmen. Da ich aber sterben soll — der Kranke richtete stch auf — da der Ruf de» Jenseit» zn mir kommt, s» sei mir dieser ein Ruf de» Glauben», und ich will mein Leben beschließen, wo es begann, und meine Feinde sollen meine» Leib nicht haben, »m ihr scheinheilige» chepränge damit zu treiben!" Er sank auf sein Lager zutück. „Der Weg, mein Bruder, zum gelobten Lande der Religion Israel» ist nicht weit. Er liegt vor den Füßen jede» Sterblichen. Rur wer zn viel Licht fordert, blendet seine Augen, uad kommt abvärt». Aber der Weg! in ihm ist schwer und rauh. Jeder-Jude ist ein Prüfungdheld. von außen und innen. Nur ein Sonneuland. hat jeder Israelit, da» Sonnenland de» Himmel»; des! Himmel» auf Erden, da» ist de» Glauben» an den Gott > Israel»." . . * . „Ach. Rabbi, einen Weg Hab' ich nicht mehr zu; wandeln, e» sei denn der TodeSweg. und auf diese« be* i finde ich mich schon. Wenn Ich wieder euer Bruder sein ' will, so kann ich „«» nur durch einen Händedruck poch bezeugen. Mein Jpdenthum ist in mir. Ich kann ni<fct mehr in eure Syüagoge gihen, euren Sabbath unk Passah Hallen, aber ich weiß, daß e» nur einen einigen Gott gibt, und daß dieser Gott allbarmherzig von selbsten versöhnet den Menschen, indem er ihn erleuchtet, und daß dieser Gott sich. geoffenbaxet in unkörperlicher Erscheinung. Die» ist mein, Iudenthum de» Himmel», da ich am Iudenthum der-Erde keinen Thetl mehr haben kann. Aber bevor meine Seele sich lo»reißt von de« zerbrochenen Leib, gelobe mir, bei diesem einigen Gotte, den wir bekennen, bei Israel und der Thora, daß ihr meinen Leib nicht Lassen wollet unter ihnen, sondern zu euch bringt, zur Vereinigung mit euch, zur Auferstehung mit euch!" „Ein schwere» Werk forderst du, und ich sehe nichtwie wir e» vollbringen könne« — " „Getobe e» mir, sonst kann ich nicht scheiden von hinnen, und die Nervenfädea brennen entsetzlich, die man« Seele noch festhalten. Gelobe e» mir bei dem Fluche, den sonst meine scheidende Seele euch hinterlaffen wird, und bei der Anklage, die ich bei Abraham, Isaak und Jakob darob erheben will im Jenseits-" „Ich gelobe e» dir --rief der Rabbi entsetzt. Höre, Israel, der. Ewige unser Gott, der Ewige ist einig!" Der Mönch war verschieden. E» war eine, dunkle stürmische Nacht, die Nacht vom 5. zum 6. Kislev. des Jahres der Welt 5107 (1346). Eia Novembersturm fegte durch die Luft, und raffelte «« die Dächer und Essen, der Mond war durch einen schwärzen Wolkeamantel völlig verdeckt, tut dann und wann einen hagligea Regenschauer auf dia^Erde warf. Aber im Iudenviertel der Altstadt Prag war es dennoch lebendig. Lichter singen an den.künsteln Fenstern auf, Thüren wurden aufi, pnd^zugrschlagen, Zetergeschrei wurde hörbar in und außer den Häusern, Weheruf ertönte von kreischenden Sippen, die Kinder riefen die Mütter, *L

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