Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 18 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 2)
- Language
- German
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und Ghaselen. die Spiele de- Akrostichon-, de- Beginnes ein,- jeden Versemir demselben Buchstaben, oder der Reihenfolge de- Alphabetes u. s. w. finden hier - ihre Nachahmung. Ich verehrte den Divan einem ausgezeichneten Mitgliede der deutschnnorgenländischen Gesellschaft, die der gelehrten Welt eine» wob! bald an sie gerichteten Bericht gewiß veröffentlichen dürfte. Der kundige Literarhistoriker - wird manche tiefere Beziehung finden. Poesie unv Wunder waren stets mir einander Verbunden «der vielmehr zu allen Zeiten kaum von einander getrennt. Da-Wunder ,ist geglaubte Poesie; Poesie ein wissende- Wunder. Wir sprachen in diesen Blattern wiederholt den Namen deS Kabbalisten Cbajim Vital au- und wollen dem Leser ekwaS auS seinem Leben miltheilen. Er wurde. 1513 geboren und starb zu DamaskuS 1620. Er war der vertraute Jünger deS Meisterder modernen Kabbala. deS Rabbi Isaak Luria. 3hm allein ertbeilre der Meister die Erlaubniß, die mündlich mitgetheilten Lebren niederzuschreiben unk er gestattete Niemandem Abschrift zu machen. AlS Vital im Sterben lag, suchte man durch Bestechung fich 600 Bogen seiner Schriften zu verschaffen, gab sie 100 Schreibern, die fie innerhalb 6 Tagen roxirren. Auf Befehl VitalS mußte man rbm seine Handschriften wieder mit in- Grab legen, die man aber dann auf Veranlassung frommer Rabbinen, die bei Vital im Traume auftagren und die Erlaubniß hierzu erhalten hatten, wieder herau-oabm-. ES ist ausfallend. daß die Wunder der Kabbalisten noch nicht gesammelt unk zusammengestellt sind, sie beanspruchen taffklbe Recht wie die Legenden,. Sagen und Märchen einejeden. Volkeunk ließen einen culturhistorischen. Geist und Phantasie messenden Blick in das Leben desjenigen thun, das keinen begrenzten Tbeil,. sondern die ganze Erde zuty Wobnfitz hat. Die Lehre ist daeinzige Band, das die zerstreuten Menschen des jütischen Volks Zusammenhalt, sein Wunderglauben ist nicht der schwächste Faden desselben. Möge ein Wunder Chajim Vitals bier seinen Platz finden. AlS Chajim Vital in Jerufalem lebte, kam ein Pascha NamenS Abu Saifin, Vater des Schwertes, und ftagte, ob nicht Jemand hie vom Jtonig Hiskia verstopfte Gichonmüadung öffnen könnte. Man bezeicknete ihm den Gottesmann Vital. Der Pascha ließ ihn holen und trug ibm sofort auf. den Gichon zu öffnen, s^nst werde er ihn tödren lassen. Vital versetzte sich dur^einen Sprung nach Damaskus, um der Gefahr zu entrinn^».. Da erschien ihm Luria im Traume und sagte zu^thm: ..Jener Pascha ist die Metempsvchose von Sanherib, daher er auch Abu. Saifin heißt; du bist die de- Königs Hiskia; du' hättest also den Gichon öffnen können/' Vital entschuldigte fich damit, daß er nicht die heiligen Namen dieses Kunststückwegen mißbrauchen wollte, worauf ihm Luria enviederte: „Hast du dich doch der heiligen Namen (der Schemas) bedient, um rasch nach Damaskus zu kommen, warum rhatft du nicht ein Gleiche-, um den Gichon zu öffnen? Diewäre ein Kidusch-Ha.schem, eine Verherrlichung, de» Namens- Gottes und von großem Nutzen gewesen!" Vital wollte sogleich nach Jerusalem zurück, allein Luria sprach: „die passende Zeit ist vorbei!" Eine dogmatische Anfrage. Lebrer N. in D. In unserer Religion ist der Ausdruck „heilig" der höchste, den wir von Gott und allem Göttlichen kennen und gebrauchen, daher auch in allen religiösen Dingen immerfort in Anwendung. Welches ist nun der eigentliche Sinn diese- Wortes? und wie kann er erklärt werden? Wir glauben auf diese, vor wenigen Tagen uns zugekommene Frage im Augenblicke nicht besser antworten zu können, als durch M'lttheilung des dritten Abschnittes unserer Predigt am ersten Peßachtage. welche über 'S"“ handelte, im ersten Theile sn?*2 als einen HinauSruf aus dem gewöhnlichen Leben, die Anerkennung deS höheren Lebenszweckes enthaltend, im zweiten mm jnp:: aleinen, Zusammenruf zu einem gemeinsamen Zwecke erkläne. und km dritten srs? «ips besprechend, sich folgendermaßen über srrr? ausließ. Der Mensch gewabrr durch seine Sinne, er siebt mit seinem Auge, er bört mit seinem Obre. Und wie er durch diese die Dinge und Erscheinungen wahrnimmt, erkält seine Seele eine Vorstellung von ibnen, eine gewisse Vorstellung, die ich mir immer wieder zurückrufen, die ich verändern, berichtigen kann. Und durch Verknüpfung solcher Vorstellungen denke ick. daist die Thärigkeit meines Verstandes, und diese Vorstellungen machen einen bestimmten Eindruck auf mich, den ich fühle und empfinde, daist die Tbäiigkeir meine- Herzen-, und diese Vorstellungen regen mein Verlangen oder meinen Abscheu aui, baß ich den Gegenstand mir aneigne oder von mir abwcise, dieist die Thätigkeit meine- Willens^ Nun, alle diese Tbärigkeiten haben einen gewissen KreiS mit allmablig verlausenden Grenzen; ich sehe und höre bis zu einer gewissen Entfernung. ich denke, fühle und will bis zu einem gewissen Maße; mögen meine Sinne scharf sein,'dennoch endet ibre Kraft wo; mag ich meine Denkkraft oder mein Gefühlsvermögen oder meine Willens,nergie weit oder gering, stark oder schwach au-gebildet haben, fie erreichen ihre Grenzen wo. da ich nicht weiter zu begreifen, nicht tiefer zu empfinden. nicht mebr zu wollen vermag. Aber siehe! hiermit hat das Wesen deS Menschen noch nickt sein Ende erreicht, es reichet noch über diese Grenzen hinaus. Eo gut ich weiß, daß eS noch Diele-, unendlich Viele- -iebt, was ich nicht sehe und höre, und doch gesehen und gehört «erden kann, im Großen und Kleinen, in Nähe und Ferne, so weiß ich auch, daß Vielegedacht, gefühlt, gewollt werden kann, waS über meine, waS über alle Menschenkraft hinauSgeht. Ja wissen wir selbst nicht Viele- und begreifen eS doch nicht? Wir wissen, daß die Welt unbegrenzt, aber begreifen wir, wie sie dieist? Wir wissen, daß Gott unendlich, aber begreifen wir. wie Er dieist? Wir wissen, daß Er vollkommen. alle seine Eigenschaften im unendlichen Maße, aber begreifen wir, wie Er dieist? Und nicht