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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 16 (1858) · p. Seite 62

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
16 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 62 (sequence 2)
Language
German
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verweisend, welcher ken geheimen Sinn an kielen Stellen bezeichne. -Er hak kessen Erklärungsweise langst in sich getragen, ebe er dieselbe gelesen, und findet gegen daS Ende feine» Leben» eine überraschende Uebereinstimmung derselben mit feiner eigenen Grundansicht. Wenn er selbst nicht versuchte, solche Lehren unmittelbar an den Terr der heiligen Schrift zu knüpfen. so liegt der Grund darin, daß er rem Volke nicht» eröffnen wollte, waö dessen Fassungskraft überstieg unk daher leicht mißdeutet werden konnte-, eine Desorguiß, die der dreister« Aben Esra, welcher stet» auf der Wanderung war. nicht gebegt batte. Dieser stehe daher, sagt Malmoni, einzig da, und verdiene den Vorzug vor allen Erklärer», welche nicht -so riet eingekrungcn find. Unfern, Maimoni war eö auch nicht gegeben, in kurzen Zügen da» Geheime -in der heiligen Schrift bloö anzudeuren: er liebte Klarheit und offene Aussprache gegenüber ansgebildtten Denkern, welche sich von allem Rechenschaft geben, und nicht von Phantasiespielen sich leiten lassen. Was er Geb eimlebre nannte, bedurfte keiner Weibe, keiner böhcrn Ofienbarung, sondern nur einer geübten Befähigung, einer fortschreitenden Wissenschaftlichkeit; jeder» inann zwar zugänglich, doch erreichbar nur den Begabten, wie jcre andere Kennmiß oder Kunst. Selbst die Gabe der Prophetie wird-nur öcnen zu Th(il, die solche Vor» bercüung vöraushaben. obgleich ne nicht immer durch sie erzielt wird. Ja er scheuere tie Abschließung der Erklärungen durch einen den Tert begleitenden sogknannicn Eommentar. weil er der Fähigkeit auch fortwährend die Freiheit , zugcstanv. die in dem Ten erkannten Ge» ' danken umzugestalttn und weiter zu entwickeln. Feststeben sollte nach ihm nur das Gesetz nebst einigen Grundlehren de» Glauben», alles Neblige der freien Entfaltung über» lassen sein. Er .betritt tabtr, um fine richtige Auffassung der heiligen Schritt anzubahne-n. einen bisher nie versuchten Weg. diejenigen, welche bereits der philosophische» Wissenschaft obliegen, jüber schwierige Fragen, welche leicht irre rühren. auszuklären. Eine früher gebegte Absicht, das Volk über die innern Gedanken der Midraschim zu belehren, .bat er aufgegeben, es vorziebcnd. den Gebildeten seine Ansichten zu enthüllen, zöge -auchnur von zehn Lausenden Einer den gewünschten Nüven daraus. Diese Beschränkung bestimmte ibn obne Zweifel auch kabin. sein^Werk in arabischer Sprache zu schreiben, wie dies alle Vorgänger gethan, welche höhere Gedanken behandelten. Das Werk, wovon wir sprechen, ist nicht'ein geregeltes Lehrgebäude, auSgebend von festen Grundsätzen und-deren Entwickelung nach mannigfachen Derzweigun. , gen bis zum Abschluß verfolgend, sondern vielmehr eine Sammlung einzelner Lebrsäve mit gelegentlicher Einschal» \ lung der sich darbietenden allgemeinen Bemcrkungea und , Belehrungen. sowie nötbiger Berichtigungen unhaltbarer , Ansichten. Allesanmn haben sie den Zweck, die Begriffe von göttlichen Dingen im Geiste des JudemhawS fest-! zustellen und den Forscher zur klaren Auffassung der beij Uzen Schrift vorzubekeiten. Es zerfällt innrer Theile > oder richtiger Sammlungen, welche zwar nicht folgerecht ' aneinanderschließen, aber dock ein Ganzeausmachen. Der erste Theil ist nach einer Einleitung, welche den Standpunkt der Arbeit umschreibt und Mißverständnissen und Mißdeutungen Vorbeugen will, in 76 Abschnitten hauptsächlich der Erklärung solcher biblischen Ausdrücke gewidmet, welche das Göttliche mit Hülfe sinnlicher Begriffe so bezeichnen, baß der Lehrer sich gewöhnen muß, sie bildlich aufzufassen uqd auS ihnen daS Ueberstnnlichc zu erkennen. ES ist dies nur die weitere Ausführung der alerandrinifchen Lehre, seit Aristobul, hier aber mit steter Rücksicht auf die in den christlichen und moslemischen Schulen entwickelten Ansichten über die Art, wie wir zur Erkennrniß GotteS gelangen, und auf die Grenzen der menschlichen Erkennrniß überhaupt, aus welche bereit» der Thalmud binweist. Dieser Tbeil grein mächtig ein in den Buchstaben-Glauben, welcher bis dahin geherrscht hatte, und den man nach M ai m o n i's Miscknah-Erklärung bei ihm vorauszusetzen berechtigt wäre. JSr befolgt hierin die Lehrweise deS K.elam. während er dessen Irrungen verwirft, und beruft sich auf Lehren de» Thalmud, der viele abergläubische Vorstellungen erzeugt, während eine richtige Würdigung deS Inhalts den Aber» glauben zerstören muß. — Im zweiten Theile beschäftigt er sich zunächst mir der Natur Religion, wie sie durch Verbreitung her aristotelischen Philosophie (welche er' übrigens nur au» den abgeleiteten arabischen Quellen kennt) sich gebildet bar und mir den an sie sich knüpfenden Begriffen, deren Mangelhaftigkeit er ausdeckl. Er giebt seine eigenen Ansichten von der Weltorknung. in der er drei Abstufungen erkennt, Geister. Weltkörper und niedere Körper. Diese Darstellung ist natürlich die schwächste des ganzen Werkes. Desto eingreifender ist seine nach den jüdischen Quellen gegebene Schilderung der Schöpfungsgeschichte, der eigentlichen Gebeimlehre, welcke er jedoch nicht ausdecken will, sondern nur andeutend aus allegorische Naturphilosophie zurücksühn, und noch mehr seine Schilderung der Prophetie, welche der der Karaim ziemlich gleicht^ ohne daß ihrer hierbei Erwähnung geschieht. Am bedeutendsten fand man schon frühzeitig den Schlußabschnitt, in welchem er alle als von Gott selbst herrührend angegebenen, oft unbegreislichcn Thaksachcn so ausgesaßr wissen will, daß sie nicht unmittelbar der Gottheit zugeschrieben, sondern nur als mittelbar der ersten Ursache beigelegt werden. — Der dritte Tbeil. 54 Abschnitte enthaltend, verbreitet sich zuerst über die Art. wie die Hcsekiel schen Erscheinungen zu begreifen seien, ohne eigentlich zu verallgemeinern. waS die Gebeimlehre zu veröffentlichen verbietet. Maimoni hält es fstr Pflicht, denjenigen Lehrern, welche fähig sind, aus gegebenen Andeutungen weiter zu forschen, wie es ibm selbst gelungen sei. dieselben , mitzutheilen, um die Erkennrniß nicht mit seinem Tode der Nachwelt vorzuenthalten. Er verwahrt sich aber j gegen den Vorwurf eine- DerratbeS dadurch, daß er die i Ergebnisse seiner Forschung als reine Erklärung deS Terte» ' des Propheten darstellt, wie jeder Einsichtige sie ermitteln kann, sobald er auf dessen tiefen Sinn aufmerksam ge-! macht wird. In der Thal sehen wir in seiner Darstelj lung nur sehr unklare Andeutungen.- Die Wirkung ber- > selben ist aber augenscheinlich die, jenen Geheimnißkra- I ' mereien, deren Zugänge allen Nicht-Geweiheten verschlossen blieben, ihren Werth zu rauben und dagegen derKorschung

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