Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 15 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 3)
- Language
- German
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Messias ausgetreten. welcher unzählig viel Volk verleitet habe, sich ihm anzuschließen. Die Schwärmerei habe so sehr überhand genommen, daß die Regierung sich darein» gemischt und den Verführer habe verhaften lassen. Auf die Frage, womit er seinen Beruf als Messias beweisen wolle, habe er geantwortet, man solle, jh« den Kopf abschneiden und er werde sogleich wieder ausleben. DaS habe der Fürst für genügend erklärt, und fof in ihm den Kopf abhauen lassen. Somit habe die Sa«! e ein Ende erreicht, nur daß die Verführten an Gelde jestraft worden seien. „Alle solche Ausschreitungen, fü \i er hinzu, seien die Frucht des Aberglaubens, dessen S rtamm man fällen müsse, um nur von Baume de- Leben I zu essend Der Brief an das Südland, ursprüngl ch arabisch, ist unS glücklicherweise noch erhalten. Er ist. ohne Iahreszahl und ohne Stadtname, gerichtet an einen Rabbiner Jakob b. Nathanel Alfajumi und alle Gemeinden Jemen-. Nach einer hebräischen gereimten Einleitung spricht er von einem dort geübten Rrltgionszivang gleich dem der Mohaden, welchem manche Juden kachgegeben haben, andere aber Widerstand leisteten. Äaimoni ermuthigt die Letzteren, in der schweren Prüfung auSzuharren. Das Judenthum habe sich stets siegreich bewiesen, sowobl gegen Gewalt, wie gegen Ueberredung und gegen Nachäffung (er bezeichnet damit Christmthum und JSlam). Schon Daniel habe verkündigt, daß! gegen den einzigen wahren Gott keine Macht etwas au^richte. Der Verrückte (Muhammed) habe eine Schein-Religion ausgestellt. die sich zum Judenlhum verhalte, nie der Affe zum Menschen, in allem ähnlich, aber ohne dir, beseelenden Geist. Sie mögen sich ja hüten in irzenb einem Punkte zu weichen, lieber Eigenthum und Mohnsitz verlassen und in die Einöde fliehen, als den Bund vom Sinai verletzen! — ES sei lächerlich, daß eie Verführ« die Meinung verfechte, Muhammed fei schon in der heiligen Schrift verkündet, dergleichen Reden klauben die MoSlem selbst, nicht. (Dennoch führt der lZrief überzeugende Widerlegungen durch.). Es sei überh upt widersinnig. Worte auS dem Zusammenhang zu reißen, um daran Andeutungen zu knüpfen. Kurz, daS Judenlhum stehe für sich allein, fest und unerschütterlich, und selbst ein Prophet, welcher übrigens seinen Beruf er t gründlich beweisen müßte, dürfe nichts an der Lehre Moseh'S und an der mündlichen Ueberlieferung verändern. Man habe auch von der Messiaszeit (in dem Schreiben von dort) gesprochen. Die Erlösung sei gewiß und wer »e kommen, wenn man sie am wenigsten erwarte. Alle (»genannten astronomischen Berechnungen seien leerer Wal n und oft absichtliche Lügen. Man solle sogar in die em Sinne verfaßten Schriften keinen Glauben beimessen. In seiner (Maimoni'S) Familie habe man auch eine fol he Berechnung . wonach die Prophetie wieder aufleben würde im I. 1216. Er theilte sie als die wahrschein ichere mit, um zu zeigen, daß der Zeitpunkt jetzt (1172) noch nicht da sei; aber „Gott weiß!" — „WaS den rorgebltchen Messias betrifft, so ist er augenscheinlich oeisteSkrank. Ueber die Unwissenden, die ihm anhängen, n undere ich mich nicht, wohl aber über einen Gelehrten wit Du bist." Ein MessiaS müsse sich ganz anders bewähren. (Hierzu viele Verse.) DaS Beste wäre, den Mensches alS einen Wahnsinnigen zu b,hageln, damit er nicht Unheil stifte, denn die MoSleaien würden solche Erscheinungen zu noch schlimmeren, Feindseligkeiten benutzen. Dergleichen sei schön früher vorgekommen, nämlich! 1127 in Fez. sogar zehn Jahre früher auch in EoNova, und dreißig Jahre vorher (um 1y8ss) in Frankreich, wo eS blutige Verfolgungen hervorgernfen habe. Schon Salomo habe auf Ereignisse dieser Atr hingedeutet. mit den Worten (Hhl. 3, 4): „Ich beschwöre euch. Töchter Jerusalem-, daß ihr die Liebe nicht wecke», bis sie von selbst geneigt ist." Er. der Empfänger, möge diesen Brief fn Abschrift^ allen Gemeinden zusenden, und jedem Einzelöen vorlesen. um sämmtliche Mitglieder im Glauben und in Ausdauer zu stärken und zu befestigeir. — Die Befolgung oder der ReligionSzwang muß übrigenbald nachgelassen haben, denn im Jahre 1189 stutzen wir die Gelehrten in Jemen das Judenthum offen, lehrend. AuS dem erwähnten Schreiben nach Lunel (um 1200) erfahren wir, daß die jüdische Gelehrsamkeit sehr m*. nachlässigt war. In den meisten Ländern, sggt Maimoni, sei sie schon gestorben oder im Sterben, in Palästina und Syrien nur noch schwach vertreten, .mit Ausnahme HalebS; in ganz Babylonien, Arabien, Aegypten seien nur wenige Kenner, und im Ganzen haben einige Wenige daS Gesetzwerk sich kommen lassen und bis Indien hin den Unterricht verbessert: in Indien selbst aber be-' achte man nur Sabbaih und Beschneidüng und lese die mosaischen Bücher. Es sei daher Pflicht alle Anstrengung zu machen, um dem Judenlhum aufzuhelfen. fei*!.) Zum Peßach. So bist du abermajs gekommen, schöne-, dreimal gesegnetes Fest des Peßach!. t- Schön warst du in siem heiligen Lande unserer Väter/ denn dort umwallten dich die gtttjfftA Saaten der Flu-, ren, dem Schnitter entgegen, dem du die erste Garbe am Altar deS Herrn weihetest. . Wieder hatte sich der Segen GotteS über die Ebenen und Thäler deS Landes ergossen; wieder sahen seine Kinbier ihre Hoffnungen erfüllt, ihre Mühen mit Fülle belohnt; und. über der jubelnde Menge, welche ihre Tennen und. Scheunen mit reichem Ertrage versehen sah. standest dh, Peßach, und wiesest mit der erhobenen Hand zum Himmel empor, der sich in lichter Bläue über das Land spannte, wo Milch und Honig floß. ' ■ •[ •. Schön bist du auch in' den Ländern de- Westens und Nordens, daß wirs uns bei dir nicht zu sehnen haben nach den PalmeU und Cedern deS verlorenen Morgenlandes. Denn vor dir her gehet hier der milde Hauch deS Frühlings unp der! goldene Strahl der Sonne, der wieder die Kraft erlangthar. nicht nur zu leuchten, sondern auch zu wärmen. : Und da bringest du eil» wundersame- Leben mft, dir.! Zerborsten und zerbrochen ist daS eisige Joch der Ströme, rauschend zogen die Schollen deS EiseS dem Weltmeere", zu, daS der Flüsse stieg fröhlich an. um den ratlosen Tanz det Wellen wieder zu beginnen. Der Hauch der Lüste zog vom Mittag her über den gefrorenen Boden der Erde, und drang