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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 15 (1858) · p. Seite 58

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
15 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 58 (sequence 2)
Language
German
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58 tetofrnt die Frömmigkeit, unk die Strafe dLr Bosheit ist Untergang der Seele. Im künftigen Leben ist kein Körper uftd keine Sinnlicbkeit, tie Seele genießt nur das Bewußtsein des früher» frommen Wandels und er» r'rruk jid1 der böbcrn GotteSerkenntniß. Tie Verheißungen welrliLer Güter, betreffen nur kaS welrlicke MefsiaSreich; die SeUakeir des künftigen Lebens vermag keine Sprache auSzukrückcn.- Tie thöriäilen Araber hoffen auf sinnliche Freuden, weif sie ker Sinnlickkcit fröhnen; unseren Weisen sind solcke niedrige Erwartungen ftemd. — Auch die Ausdrücke für- Strafen der Seelen jenseits sind alle nur bildlich und wollen nur sagen, daß die Seelen; wclcke in der Sündhaftigkeit beharren, aufhören ^u sein und der böbern Seligkeit nicht tbeilbaftig werden. UebrigenS darf Niemand um des Lohnes Willen' das Besiere wäblen. und nur Kinder und Unwissende sucht man dlircb Aussicht auf Belohnung für das Gute zu gewinnen. bis sie sich gewöhnt haben, das Gute um sein selbst willen ru thun. Jeder soll darnach streben^-sich in der Liebe zu Gott durch zunehmende Erkenntt^ß zu befestigen und ihrgemäß seinen Wände! einrichtcn. Tics 'sind die wesentlichen ReUgionSlebren, welche Maimoni zum Grunde legt. , Wir betrachten dieselben als einen bedeutenden Fortfchrirt. Hie unbescholtene Frömmigkeit.' 'in Ausübung aller Religion?- und aller Sittlickkeikspstichken stellten Maimoni bock in der allgemeinen Verehrung. Dagegen ward er in Betreff seiner Gesetzemwickelung und mancher nebenher eingeschalteten Bemerkungen von .einem ebenbürtigen Gelehrten empfindlich angegriffen. Tie Spanische Schule, im Vaterlanke gestört, feierte in der Provence unter den dorr bereits blühenden Gelehrten von Marseille, Nismes. Montpellier. Lunel, Beaueaire u. s. k. eine ruhmreiche Auferstehung. Tie Gelehrsamkeit ward dort besonders durch die Flüchtlinge aus Spanien mit glänzendem Erfolge gefördert. Das dortige Geschlecht unterschied sich mit vollem Selbstgefühl-von den beschränkteren Nordftauwsen. Ter schon genannte Meschullam ben Jakob in Lunel legre eine großartige Düchcrsammlung an. und vermehrte sie durch eigene Schriften; er starb 1170, unu iit gleichem Sinne durchgebildete Söhne hinterlassend, tie.ibr bedeutendes Vermögen ebenfalls auf Ausbeutung tüchtiger Kenntnisse verwendeten. Ein ausgezeichneter Schüler desselben war Abraham b. David, ebenfalls reich unk angesehen, welcher in Posauicres einer der größten Schulen verstand, zu' welcher von fernen Gegenden Schüler hinströmten, die' hier freien-Unterhalt fanden. — Dieser Abraham (;u unterscheiden von dein ftübern gleichnamigen Geschichrs- | schreib») schrieb außer mehreren Beurrheilungen deS ' Alfasi unk dessen Gegners Zerackjah, und vielen Abhand-! lungen, auch ein eigenes Gesetzwerk, ähnlich dem des ' Maimoni. Als des Letztern vierzehn Bücher verbreitet wurden, ging er diese mit der Feder durch, und fügte ' bei vielen Stellen scharfe, oft bittere Gegenbemerkungen ' bei. welche späterhin zum Nutzen der Wissenschaft dem ■ Werke deS Maimoni nnverleibt wurden Maimoni hat : atir". die zum Thcil ungeziemenden Entgegnungen nicht geantwortet. Er selbst strebte nicht darnach, aüeingeltenter Gesetzgeber zu sein. Er liebte die freie Forschung. Man ist auch der Ansicht, daß Abraham nicht die Absicht gehabt, Maimoni herabzuwürdigen, oder von Haß und Neid gegen ihrr zu schreiben bestimmt worden, vielmehr nur bezweckt babe," zu zeigen, daß Maimoni's .Aussprüche auch vollberechtigte Gegner haben. Maimoni selbst spricht vost ibm mit Achtung. Die Nachwelt bat aber doch Maimoni's Werk verewigt, und Abraham s Lehrgebäude ist in Vergessenheit gesunken. UebrigenS sagte Maimoni's Geist, wie sehr man auch seine Gelehrsamkeit in der Provence verebrle. dort nicht Jedermann zu, da er sich gegen alle mystische Geheimlehre erklärte, welcher die Proven§alen sehr zugewendet waren. E^ sprach sich darüber offen aus in Beantwortung einer Anfrage der Gemeindebäupter von Marseille (um 1194). Mit Hinweisung auf sein Gesetzwerk. welches die Fragesteller noch nicht besaßen, obgleich es schon sehr verbereitet war, stellte er zunächst Grundsätze auf, welche den Glauben bestimmen. Glauben soll man nur 1) Wahrheiten, welche der Verstand klar beweist, also alle mathematische Ergebnisse; 2) die, welche durch die Sinne erkannt worben; 3) die, welche von Propheten und frommen Männern überliefert worden. Wer aber außerdem noch etwas.als Wahrheit anerkennt, ist ein Leichtgläubiger. Bücher, welche bodenlose Wissenschaften, Träumereien entfalten und nur täuschende Weisheit auskramen, sind verwerflich und führen zum Verderben, wie z. B. Astrologie. Er selbst habe alle dergleichen Schriften durchgelefen, und daraus die lieberzeugung geschöpft, daß das jüdische Gesetz allein mit'der Vernunft übereinstimme. In ver Thal haben nur Thoren sich mit solchen Phantastereien beschäftigt, nicht aber die wahrhaft geistvollen Griechen. Perser und Indier. Die Sternkunde sei dagegen eine klare Wissenschaft. Sie führe zu dem Glauben an einen Lenker deS Alls und nur über den Urstoff der Welt seien die Philosophen uneinig, während die Religion Abrabam's kaS Rechte erkannt habe, wie er (Maimoni) in einem arabisch geschriebenem Werke (s. w. unren) unumstößlich bewiesen habe. Im Wesen unterscheide sich der Glaube der Phi- I losophen von dem biblischen darin, daß jene die Weltereignisse dem Aufalle beimeffen, wahrend dieser alles, was dem Menschen widerfährt, ker Vorsehung zuschreibt, woraus sich die Lehre von der Willensfreiheit gründe, welche auch die Philosophen annehmen, während sic im Widerspruch mit sich selbst des Menschen Sinn und Schicksale von den Steinen berleiten. Selbst im Thalmud finde sich zwar manche Aeußerung, welche auf Astrologie hindeute: man fei aber darum nicht berechtigt, solche Aussprüche und Ansichten Einzelner gegen die gesunde Vernunft geltend zu machen. Niemand dürfe seine Vernunft nach hinten werfen, — denn die Augen seien vorn, nicht hinten. AuS den gelegentlichen Aeußerungen in diesen Schriften haben wir einige sehr bemerkenswerthe geschichtliche Thatsachen nachzutragen. Die Marseiller hatten um Auskunft gebeten wegen eines Briefes, den Maimoni vor längerer Zeit nach Fez geschrieben haben sollte, um sich über einen im Morgenlande erschienenen angeblichen Messias zu erklären. Maimoni antwortet, nicht im Morgenlande, sondern im Südlande (Jemen) sei vor zweiundzwanzig Jahren (nämlich um 1172, denn er schrieb im I. 1194) ein

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