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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 15 (1858) · p. Seite 60

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
15 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 60 (sequence 4)
Language
German
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60 immer tiefer in ihn, die Bande deS Todes zu lösen. Nun keimt' eS und sprießt eS ^nd bricht eS hervor, die Spitzen des Grases. die Knospen der Sträucher und Bäume. Und heran zogen die Verkünder de.S Lenzes, die'Sänger der Lüste, erst einzeln, dann in kleinen, endlich in größeren Schaaren, und heimsen sich ein in Wald und Flur, als ob ste uns niemals verlassen; sie sagen uns nicht, von wannen sie kommen, sie sagen uns nicht, wobin sie ziehen; sie sind da und gehören uns. Da bebt sich die Brust deS Menschen, frei und froh, alS ob ibm die Pforten eines Gefängnisses geöffnet waren; er schlürft die Wellen der Lust mit Wohlbehagen eia und sein Äuge schaut wie in eine lichtere Welt hinaus. Und überall in diesem Leben stehest du, Peßach, da, einen Kran; von duftenden Veilchen aus dem Haupte und weisest mit der erhobenen Hand zu dem Himmel hinauf, unter dessen blauem Bogen nur kleine silberne Wölkchen schiffen. Dreimal gesegnet bist du. denn du trägst in deinem Herzen die größte der Erinnerungen' auS der Geschichte deine- Volkes; das Gedächtniß jener wunderbaren Be» . freinng, welche seitdem das Vorbild und die Hoffnung aller Rettungen geknechteter, in den Staub getretener Menschen geworden, daran Israel fest hielt in allen Nöthen, in allen Verfolgungen, in allen Unterdrückungen. Darum führest du auch den Ehrentitel tipttti ■prr „die Zeit unserer Befreiung." Darum verknüpft die heilige Sage in dir Vergangenheit und Zukunft' und läßt dich die Zeit jener einstigen Erlösung feinr< auf die niemals __ wieder eine Knechtschaft folgen wird, (^rrr p'ia jbsts: *p*a ' bä«vr Rosch. Hasch. 11a. Schemotb rabb. *12 's} Und dann warst du der Geburtstag Israels als Nation, wo zum ersten Male die Familien, Geschleckter und Stämme sich zusammenschaarren unb.alS ein großes Ganzevereinigten, ubd von dannen zogen in einem- Willen und zu einem, Zwecke, in die Wüste hinein, zu einem Wege durch laoae Jahrtausende, über alle Lander der Erde. Und zusrili warst du der erhabene Tag, an welchem Israel die Weibe zum priesterlichen Volke (C*:n~ rbrrs) deS Einig-Einzigen erfüllt. Ehe die Schatten der Nacht, die vir voranging, ganz beruntergesunken, schlachtete jeder Familienvater ein Lamm des PeßachS, und sprengte von dessen Blut auf die Pfosten seines Hauses, also sich selbst zum Priester^ sein Haus zu einem Altar oder Heiligtbum de- Herrn weidend. Und fürwahr, das bist du noch heute. Das HauS, auS welchem du geschwunden, ist kein wahrhaft israelitischemehr; die darin wobnen. können kaum noch zu Israel gezählt werken; denn es wich aus ihnen die Weibe und das Bewußtsein. dem Bekenntniß des Einig- Einzigen' und dem Stamme dieses Bekenntnisseanzugebören; es wick aus ihnen die Weibe und das Bewußtsein. daß ihr Leben von diesem Bekenntniß erfüllt sein und eine böbere Abgabe, einen bedeutenderen Werth und Znbalt empfangen toll. Und so sei unS abermals willkommen, schönes dreimal gesegnetes Fest bkS Peßack! Za, du feist uns ein Fest deS Frühlings, eine Bürgschaft ewiger Erlösung, ein immer erneuerter Geburtstag Israels, eine immer wieder» holte Weihe zum Dienste Gottes und seiner Lehre für die ganze Menschheit! Anfrage und Antwort. L. in M. Welche Erbauungs - und andere Bücher sind geeignet, bei einem jungen Mädchen den Sinn für die väterliche Religion zu erhalten, welches zu seiner weitern wirtbschaftlichen und gesellschaftlichen Ausbildung auf ein. Zabr das elterliche HauS mir einem fremden' vertauscht, wo die Ceremonialgesetze nnr in geringem Grade geübt werden? Antwort: ES ist ein sehr mißliche- Grperiment. daß ein junges Mädchen in unserer Zeit, von den Eltern selbst in ein HauS gebracht, in welchem die Ceremonialgesetzt nicht beobachtet werden, den lebendigen Sinn da» für bewahren soll. Das Band ist einmal zerrissen, und knüpft sich nur scheinbar wieder bei der Rückkehr in'S Elternhaus wieder an! Da helfen ErbauungSdücher nur wenig! — DaS Einzige ist, daß die Eltern die .Tochter verpflichten, mindestenan jedem Sabbath ihre Andacht zu verrichten, und zwar auS dem ihr gewohnten Gebetbuche, auS dem sie eS immer gethan. — Ein gutes Andachtsbuch für Frauen ist: „Stunden der Andacht für Israels Frauen und Jungfrauen. Bon Fanny Neuda. Prag, 1855." _ Anekdote. Die verstorbene Rachel gab einen Ball. Die Mitglieder ihrer Familie selbst batten einander sorgfältig die bon ihnen gewählten Costüme geheim gehalten. Trotzdem erkannte Rachel ihre Schwester Sarah, die als Schäferin verkleidet war, leicht an ihrer Wohlbeleibtbeit. ..Ei," redete sie diese an, „liebe Schäferin. Du .siehst auS. wie wenn Du alle Deine Schafe selbst aufgegessen hättest.'' Denkspruch aus der Sidra der Woche (Thasria amzora.) So mahnet ab die Söhne Israels von ihrer Unreinheit, damit fi* nicht sterben in ihrer Unreinheit. (3. Mos. 15. 31.) Allgemeine Zeitung des IudearbumS. Ro 14. 1858. Leitende Artikel: Die"KreujzeitungSvartei und daS Judenrhum. — Ueber den Verfall der Volker. II. — Vom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. — Die Versammlung der preußischen Rabbiner,. — Zeitungsnachrichten. Deutschland: Bückeburg. Hamburg. Leipzig. Preußen: Anclam, Anclam Oesterreichischer Kaiserstaal: Wien. NicolSburg, Prag. Die Schweiz: Ober-Endlagen. Großbritanniens London. London. Nordamerika: San FranetSco. UK Au belieben durch jedes Postamt uuk jede Buchhandlung. Jährlich.13 Thaler, vierteljährlich */4 Thaler. Verantwortlicher Redacteur: K. Rabe. derlag von Ba»«gärtne.r's Buchtzandlnug in Leipzig. — Druck von »lepaadee Wiede i, Leipzig. I . .

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