Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 14 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/4908862-5999346-6000835--1072-4909696- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
t 54 tcr auSzusdbuen, eine Aufgabe, welcher nur Wenige gewachsen waren, und welche neue Auswüchse erzeugte; vrnn Manche suchten der Wissenschaft selbst ein kunfeles Gervand ru leibend und :br durch pdaruasiereichc 'Auffassung leichter Eingang zu verschaffen, indem man i» Gesetze selbst die Ausschlüsse über büdere Fragen zu finden vermeinte, wenn man nur die geteimrn Anteurumgen der EchttttaueUen zu verstehen wüßte. Gesctzkunke, Naturwissenschaft und Mvstik arbeiteten stch so ineinander, daß nur ein gewattiger-Geist kern Gewtrre ein Ende macken tannte. Gin solcher erschien in Maimonides. Moseb, Sohn de- Richters Maimon, Sobn des Richters Joseph. Sobn des «Richters) 2saak. Sobn deS Richters Obadjab. Sobn des Salomo. Sobn des Richters f^bakjab. war der Mann. der. über das Judentum ein r elles Licht verbreitere. Seine Abstammung beweist, daß die indische Geledrsamkeic ein Erbkdeil seiner Alanen war. Sein Barer, jedenfalls auch schon in den arabischen Wisfenschasten bewandert, war sein Hauvtlebrer. 'Bei den Arabern ist Mosel' unter dem 'Namen Aben Arnran (auch Amru.> Muia aber: Abtallab Aden Maimon alkorlobi bekannt. lieber ''einet ganzen Jugendzeit bis in sein Mannesaircr rubk ern fast undurchdringliches Dunkel. Der iSrund davon ist m den staatlichen Umwälzungen zu suchen, denen Eordava wäbrend seiner Bildunrszeir ausgeseyr war. Die Mo.ravic-en drberrsckten mir bitterer Glaubcnswurb alle Bestrebungen der Wissenschaft in 'diesen bis zü .brem Eintritte durch BiltungsanstaUeb. zu bober Blütbe gelangten Gebieten. Die Araber selbst. mußten erdulden, daß n'.ack"d^ Werke eines Algazali auS Bagdad, den ne doch rerebrren. verbrannte und eine Menge anderer BÜcker bei Todesstrafe;u lesen «rbor, die Christe» wurden zum Tbcil nach Afrika gesandt, um im Heere ibrer Feinde;u dienendte Juten erkarrssen stch durch große Opfer eine schwankende Religionsfreiheit. und c«; rankten auch wodl ibrer Gewandtheit in Besorgung der Einnabmen einerseits und ibrer Geschicklichkeit als Äerzte andrerseits, weil man stch ibnen eher anvertrauelt als den Feinden, einige Nachsicht. Aber die Herrschaft der Moraviden wurde durch den noch größer» Fanatiker Abdelmumen gestürzt. Er war es. der die Häupter der Juden zu sich berief, um ihnen, weil ibr erwarteter Messtas koch nicht erschienen sei, die Wabl rwischen Islam und Auswanderung zu stellen, und;eden, der künftig das Judentbum üben würde, mir dem Lot;u bekrobrn. Zn der Tbar ließ er in seinem ganzen Reiche alle Sonagogen und Kirchen zerstören. Die Juden im Magreb nabmen zum. Theil, vermutblich um erst den Eriolg abzuwarten, den JSlam^ an. Da dieselbe Maßregel über Svavien ausgedehnt ward, so traf ste auch die Familie Maimon's. und gswiß um so härter, als ste von Slaktbalrern in Vollzug gesetzt ward. Anstatt in die christlichen Länder auszuwandern, zog sie es vor, sich nach Fez zu begeben. Dies erklärt sich leicht 'aus den Verhältnissen. Abdelmumen war zu einsichtsvoll, um an einzelnen Personen Zwang üben zu lassen. Ihm genügte es, daß Juden und .Christen keinen öffentlichen Gottesdienst mehr hatten, und stch äußerlich, den Sitten der MoSlemen anschloffen. Dies beschwichtigte auch daS Gewissen der Juden, welche einem Religionszwange den Tod vorgezogen batten, da die Auswanderung Bielen unmöglich war. Sie blieben im Geheimen ihrer Religion getreu, und unter sich durch Briefwechsel verbunden. DaS wußte die Regierung, wie sich nachmals deutlich zeigte. Die Familie Maimon's fand cS daher rätblicher, im Mir- . telpunkte der Regierung zu verweilen, um mit befreundeten Genossen in Verbindung zu steben. zugleich auch wohl ibre großen Fähigkeiten im Arabischen zum Erwerbe geltend zu machen. Die Richtigkeit dieser Auffassung wird bezeugt durch einen noch vorhandenen Brief des Vater Maimon. welcher im Jadr 1160 seine Gesinnungsgenossen in Fez tröstet. — Ein anderer Grund mochte «icht minder jenen Entschluß bervorgerufen baben. Maimon war mir den christlichen Ländern gar nicht bekannt. Die ganze Bildung seines HouseS war arabisch: er mußte also fürchten in christlichen Staaten, schon der Sprache wegen, ein Fremdling zu bleiben und arabischer Bücher gänzlich zu entbehren. Die Provence mochte ihm keinen Wirkungskreis darbieten, die übrigen französischen Gemeinden standen bei Maimon nicht in Achtung, wie sein Sobn eS offen bekennt. Er ball sie für stumpfsinnige, abergläubische Befolger deS Gesetzes, die sich nur fanatisch begeistern, aber nicht sich von ihrem Tbun Rechenschaft geben. Ja die ganze Religions-Ansicht der französisch deutschen Juden war offenbar sehr verschieben von der der spanischen. In Zeiten der Verfolgung erdulden jene nicht nur standhaft den Tod. sondern tödten sich selbst oder schlachten zuvor ibre Krauen und Kinder im Angesicht der Feinde, wäbrend dre Spanier stch kein Gewissen daraus machen, dem Druck zu weiches und zum Schein den Islam zu bekennen, bis die Bedrückung Nachlassen würde. Austritte deS Entsetzens wie rn der Rdeingezenk im Jahre 1096 und öfters kommen bei den Spaniern nicht vor, obgleich auch dort mancher den Zwang nicht auSbielr und als Märtyrer sein Leben einbüßte. Wie lange die Familie Maimon im Magreb wohnte, ist nicht zu bestimmen. Wir glauben. daß sie geduldig einen Regierungswechsel abwarrete. waS um so eher geschehen konnte. alS Niemand in seinem' Hause belästigt ward. Da endlichster Beherrscher deS ReickeS >1163) starb und mit der Thronbesteigung seines Sohnes Abu Jakob Juffeff keine Äenderung einttat, so entschloß sich das Maimon'sche HauS, daS Zwangsland zu verlassen. ES gelang dieser Familie im April 1165 stch einzuschiffen; im Mai kam sie in Akko an. von wo ste im Herbst über Jerusalem sich nach Kabirab begab. Hier starb Maimon. Sein Sohn Moseh ließ stch in Fostal nieder und fristete sein Leben einige Zeit mit Juweelenhandel. Ein Brief desselben an einen Freund spricht von dieser Reise mit dem Zusätze bei Erwähnung seiner Ankunft in Akko: „Und so war ich dem Religionszwange entronnen:" auch von ssem Tode deS Vaters. Ausgerüstet mit allen Kenntnissen der arabifchWstöildüng und dem ausgedehntesten tbalmudischM^Liffen, batte er in der langen Muße stch in beiden^Richtungen vervollkommnet und für feine Wirksamkeit besonderder Ausarbeitung gediegener Werke im Fach§ deS JudentbumS, wie auch einer gründlichen Durchdringung der Arzneikunde obgelegen. In beiden Beziehungen erwarb er stch bald einen großen Namen und eine ausgezeichnete Stellung. Was ihn; aber unsterblich machte, das ist sein