Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 14 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 3)
- Language
- German
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5a ordnender Geist, der nicht bloS Vieles faßte, sr udern den großen Schatz, den er angesammelt batte, aur zu einer Gefammtheit bildete, in welcher jede- Einzelne ein Glied beS Ganzen ausmachte. DaS war eS vorzüc lich, waS der jüdischen Wiffenschaft Roth that. Auf Dichtkunst legte er, obwohl selbst öfters in Reimen schre bend, sehr geringen Werth, wie er denn auch die auSgea teten Synagogengesange und daS Liederwesen scharf ta elt. Sobald er sich in Fostat (d. i. in Mizr. oder Altäkahirah, gegenüber Neu-Kablrab) niedergelt ffen hatte, strömten viele Juden zu ihm. um seine V ertrage zu hören, denn der Ruf seiner Gelehrsamkeit war ihm vor» ausgegangen. Ihn beseelte die .Ueberzeugung. daß daS mosaische Gesetz mit allen den rabbinischen Folgerungen nicht als eine Pflicht des Gehorsamden Jsrgeltten ge« boten, sondern als die höchste göttliche Offenbarung und der Inbegriff der erhabensten Wahrheit übergeböfl worden; daß daher eben so sehr wie die Ausübung auch die Durchforschung desselben nach seinen innern Gründe» erforderlich sei. wenn man es im rechten Geiste üben wolle. Früh von dieser Ueberzeugung durchdrungen, Üegleitet sie ihn bei jeder Untersuchung aller einzelnen Zweige des sehr ausgedehnten BaumeS der Ueberlieferung. und drückt seiner Lehrarr, welche fern ist von gelehrtem Wortkram und spitzfindigen Zusammenstellungen und Scheidungen, vielmehr bei aller Tiefe der Untersuchungen und Schärfe der Begriffe zum einfachen Verstände sprich«, ihr eigene- Gepräge auf. Er war bald das Orakel naher und ferner Gemeinden, wie wir auS den an ihn gerichtete» Anfragen ersehen, und seine Werke veranlaßten einen erstaunlichen Umschwung in der Denkweise und im Schristthum seiner GlaubsstSbrüder. Uebrigens ward Maimoni auch sofort zu hen Berathungen der Rabbinen gezogen, wo nicht an dtren Spitze gestellt. Schon im Jahre 1167 sehen wir sin einem Rundschreiben über die rabbinischen Gesetze dsr Frauen, bäder, wegen deren Vernachlässigung die dorligien Rabbi, nen bereits eine mit Bann drohende Verordnung erlassen hatten, seinen Namen als den ersten der unterschriebenen. Drei großartige Erzeugniffr seines Fleißes erregten schon während seiner Lebenszeit die lebhafteste Theilnahme, und steigerten diese bei der Nachwelt. Das! erste und dritte verfaßte er in arabischer, das mittleres umfang, reichste, in hebräischer Sprache. Nach manchen Jugendschristen, welche mit dem Judenthum nicht sn engerer Beziehung stehen, schrieb Maimoni in den VirfolgungSjahren, von seinein dreiundzwanzigsten Jahre am (1158), eine Erläuterung der Mifchnah, welche er im Ärhre 1168 beendigte. Dies arabisch geschriebene, nachhtt theilweise von verschiedenen Uebersetzern hebräisch wiellergegebeue Werk war nicht eine gewöhnliche Erklärung oeS TrrteS. sondern offenbar die Anlage zu einem Gesammtkreit des Unterrichtüber jüdische Wiffenschaft für solche, denen die Quellen nicht gegenwärtig waren. ES enthält eine ausführliche Einleitung, betreffend die Entsetzung und den Fortgang der mündlichen Ueberlieferung, Yen Begriff und daS Wesen der Propheten, die verschieden«« Ouel. len der Gesetze, sofern sie auS herkömmlichen Erklärungen des UrterteS herrühren oder ohne Beleg durch alten Ge. brauch ihr Ansehen behaupten und den Nam^n finaische Gesetze tragen, oder auS streitigen Ansichten fpjäterer Lehrer sich ergeben, oder als neue Verordnungen eingeffihrt worden, oder aus besonderen gelegentlichen Bestimmungen hergeleitet werden. — unh die Art, wie; matt diese fünf Quellen zu behandeln habe. Darauf verbreitet sich -die Einleitung über, die sechs Ordnungen der Mischnah und ihre Unterabtheilungen, .welche er zu rechtfertigen sich bemüht; und über den Plan des Thalmud» und dessen Inhalt. sowohl die weiteren gesetzlichen Folgerungen, als auch die unendlich vielen allegorischen Aussprüche. die man nicht wörtlich auffassen dürfe, inHm sie verdeckte Weisheit enthalten, wie sie denen nützlich, die'von höhe, ren Wahrheiten keinen Begriff haben (w^s sebr anschaulich burchgeführt wird). Von da «endet sich Moseh zur Darst llung des Thal. mudwerkeS, welchein beiden Sammlui gen" mehr und minder unvollständig geblieben, denn im Babli sind von 61 Abschnitten nur 35 burchgeführt, und »om Jerufchalmi fehlt fast eine ganze der sechs Ordnungen, fo daß sie aus andern Quellen ergänzt werden müssen. Auch die Geomm hätten, sagt er. die Vervollständigung nicht erzielt. Endlich habe Alfaf.i eine treffliche Samulung geliefert, obwohl nur behufs Nöthiger RechtSentsä eidungen. Bei dieser Mangelhaftigkeit der Studien uni der Zerstreutheit so vieler trefflicher .einzelner- Werk habe er selbst daran gedacht, mit Zuziehung der Fischungen seines VaterS und Anderer, insbesondere Joseph Hallewi's b. Migafch (gest. 1141), einfe ausführliche ' Erläuterung der zweiten, dritten und vierten Ordnung veri rßt und bereits den Plan zu den übrigen entworfen. Doch habe er die Erklärung der ganzen Mifchnah vorgezoien. und zwar in der Art, daß man sogleich die richtige Bckdeutuqg erfahre, wie ste im Lhalmud endgültig festgestellt worden, ferner die Gründe der darin: vorkomMeaden Perschiwenheit der Ur- -theile und die geltend gewordenr Anflwt (Halachah), Dabei fei auf möglichste ^kurze gesehen worden. Schließlich giebt er noch eine Ucbcrsicht der i» der Mischnah vorkommenden Lehrer und was bei. Einzelnen zu bemerken. — I Schon diese Einleitung zeugt (bei allen geschichtlichen Mängeln, welche die heutige Wissenschaft darin wahrnimmt) von dem Streben,, die Studien zunächst in einen bestimmten Gesichtspunkt ju stellen und Her Zerstreuung zu steuern, welche alle Einheit der Auffassung hindert. Wie richtig er hierin urlhellte, sehen wir aus der erstaunlichen Verwirrung und den unendlichen, mit alleur Scharfsinn nicht auflösbaren Widersprüchen, in welche daS Thalmudwesen so viele Geister verwickelte, die noch nicht daS Maimonische. Verfahren gekästntr oder nicht gewürdigt haben. In der Hhat war diese» kaum einiger^ maßen verbreitet, als maniauch vyn Seittpder nicht ara» bischen Rabbjanen darauf! dachte. deS Maimoni Werk übersetzen zu Waffen, und es ist ein Jahrhundert nach seinem Entstehen eine ergänzende Zuthat zulallen Thalmud- Ausgaben geworden. . Mächtig zog zweitens daS Riesenwerk Maünont'S alle. Kenner an, ein Werck, welches das Labyrinth de» Thalmuds durch ein wohlgeordnete- Lebrüebäude ersetzen sollte, wir sprechen von hen vierzehn Bacher« de» Gesetzes in hebräischer Sprache, (von *r =$ 14 npmsn *r genannt, auch!Tm?wöa)j, die, kaum besannt geworden, in unzähligen Abschriften^ sich verbreitetes. Es enthält