Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 13 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 2n der Mitte der Svnagoge. zu beiden Seite, einige Stufen empor, erbeb: sich der Almemer. der Tisch. i uf dem die Thora gelesen wird. 2hn umgeben, ebenfalls mir in unfern Landivnagogen, geschmacklos gemunkene gaultn ijn& Tätlichen mir ricken Knäufen^ dasselbe bunt >emalte Drechslerwerk. Vor der BundeSIade, die dem Ei ltretendcn gegenüber gegen Sonnenaufgang, wie in all n Sv-- nagogen der Welt, angebracht ist. bangen schwere, seidene Vorbängc. auf denen daS Wappen Zuda'S. ein L> we gestickt'ist. der in seinen Pranken daS Schild Davids, den „Wagenkavik" oder eine Krone ball, denn ..die Thora ist die Krone deS Lebens.-' Welcher Jute im Äf><nr» lande bat nicht dergleichen bäufig gesehen? Die Ez chajim. die silbernen Lebensbaume. welche die-Tborarollen ziere» und in kunstreich gearbeitete Granaten, den Smnbo!en der Fruchtbarkeit tm gelobten Lande, auslauten? Eine ilberne Hand mit genau so vorgestreckl geformtem Zeigestnge: weist dem die Tborg Verlesenden die Worte vor. I: kiese Sme nicht eine plastische Illustration deS Wun' ers in Aegvpten. wo die Zauberet sagten: „Da ist Gottes Singer dabei?" Tie Gelehrten mögen diese archaologift \t Betrachtung der „Iav" naher unrerwchen. llnter.dem Almemer laust, ebenfalls wie bei ui s, eine Bank, ebenso den Wanken entlang. Zwischen kies:n und. dem Almemer fink weder Sire noch sogenannte „Sl nder", höbe Pulre für die Gebetbücher. Dadurch gewinnt die Svnagoge an freiem Raum und gewährt keinen kJ unordentlichen “Jinbltijr, wie bei uns. wo die in Kirchen üblichen Betbänke nachgeadmr worden sink. ' In ct«er andern Svnagoge. die so wie dir eben geschilderte gebaut und eingerrchler war. trat mir eine Erscheinung von wunderbar erschütternder Wirkung entgegen. Als wir die Treppe empor stiegen, scholl uns, es wäre schwer eß anders zu bezeichnen, ein jauchzendes Webklagen. ein schmerzvoller Jubel > entgegen. Dann war es fti^l, um nach einer Minute.sich wieder zu erbeben. Wir traten in k:c Svnagoge. 2m ganzen weiten Raume nur geben stille betende Rabbrnen in der schönen falten- und farbenreichen Tracht des Orients. Dior' der ebenen BundeSIade 'standen drei Frauen in weiten, weißen Gewändern, die das Haupt bedeckenh die ganze Gestalt faltenreich umbüllleu. Eie standen mit -dem Antesiäut gegen die BundeSIade gewendet-, von ihnen ging da» laute Wehklagen, kaS schreiende Gebet aus. Dann wpndlea ste sich gbgen die Rabbinen. Eine Matrone zwischen;wei jungen Krauen streckre die Arme aus. wäbrcnh diese ihr die Arme hielte«, daß sie nicht sinken. Tie Äruppe stand da, wie auS weißen» Marmor gemeißelt.! Ich mußte an btn Propheten denken, wie er vdn der Höbe herab der SLlachr zusab und mit ausgestlktckten Armen betete und die beiden Männer ibm die Armt hielten. damit sie nicht sinken und der Herr sein Vclk nicht sinken 'lasse. | Hier siebte eine Mutter ebenfalls um einen Siez des Lebens über den Tod. Sie beiete Psalmen für dih Genesung idrer im Sterben liegenden.Tochter. ~ j . Ilm 1 Ubt nack^M'tttag an Bord zurückgekehrt^ fing sich die Bevölkerung des Schiffes bunt zu vermehren an. Meist waren eS Türken und Griechen, die sich zur Fahrt nach Konstantinopel eingefunden hatten; diesmal auch türkische Frauen. Die MoSlemS mit Polstern und Teppichen, sogar mir Kochgeschirren versehen, nahmen alle den dritten Platz auf dem offenen Verdeck ein; selbst die Reichen unter ebnen, um jeden Verkehr mit Christen zu vermeiden und in ihren Gewohnheiten nicht gestört zu sein. Die Sklaven breiteten improoistrte Divane auS und reichten unverweilr ibrcn Herrn den Tfchibuk oder daS Nargile. Eine kleine' Kaffeeküche bekam sogleich vollauf zu rhun. um nach türkischer Weife Mokka zu bereiten und in kleinen Täßchen umherzureichen. ES waren Gruppe» von Ziegen unv Schafen mir auf daS Verdeck gekommen, deren Zahl sich bis Konstanrinopel bedeutend verminderte, sie fielen unter dem Messer der türkischen Köche. Auch eine Zigeunerfamilie batte sich eingesunken und in einem kleinen Kreise gelagert. Die Zigeuner im Oriente, türki'ch und arabisch sprechend, treiben keine Musik und wahrsagen seltett; meist leben sie auf den Bergen, sammeln heilbringende Krauter und kommen nur in die Städte, um die Pftanzen und Wurzeln in die Apotheken zu verkaufen. Die vielen sich zur Reise Anschickenden waren von so vielen Freunden und Bekannten begleitet, daß kaum ein Platz aus dem Verrecke zu finden, war. Das Schiff umwimmelten bunkert buntbewimpelte Barken. -Stunden vergingen in diesem bunten, neuen Gewüble in der angenehmsten Weise. AuS ihm heraus schweifte das Auge wieder über die Stadt, die Berge, die Cypressenwälder, di^ Kuppeln der Kirchen, die Minarete und das ganze bewegte Leben in dem großartigen Hafen. Ein prächtiger Dampfer des österreichischen Lloyd's „Messina" ankerte mir unS. Aus einem Schlotte wirbelte immer mächtiger eine Rauchsäule empor zur Fahrt nach Alerankrien; wir lichteren die Anker nach Konstanlinopel. Die Boote, welche bie Schiffe schwankend umkreisten, fuhren jetzt in allen Richtungen hinaus, kleine, bunte Welten von einer größern Welt sich loslösenv. glitten sie strahlenhaft in alle Richtungen hin. Die „Messina" und unser Sckiff, mit ihren ganzen Bevölkerungen auf den Verdecken/ grüßte» einander und dann flogen sie auseinander unv die Statt' versank allmählig in blau goldener duftiger Ferne. Die Zustände im Orient. Die isr. de Fr. sprechen sich über die Zustände im Orient folgendermaßen aus: Im Orient, im Schoße der Barbarei giebl es weder polizeilichen Schutz, noch richterliche Untersuchung: Beim geringsten Lärm, beim geringsten Gerücht fällt-man über die Juden her, die man ohne besonderen Schutz weiß, und wo man hinterdrein sich gegen Niemanden zu verantworten braucht. Privalcorrespondenzen aus Alerandrien berichten unS. daß in Schanghai (China) mehr alS vierhundert von ihnen durch den Pöbel erwürgt worden sind, wodurch mehr als 400 Frauen, Greise und Kinder beiderlei Geschlechts dem größten Elend preiSgegebcn worden sind. Dieses Blutbad, über das man unS noch weitläufigere Details versprochen, und das mit dem Beginn der Feindseligkeiten zwischen dem Himmlischen Reiche