Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 13 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Indisches Volksblatt. Zur Belehrung unil Unterhaltung aus jüdischem Gebiete. Herau-gegede» voa sRo. 13. 18S8.j Rabbi,er vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. von Mtf«r 3iii(d>rifl rrlck«i»t »»SentUid ein, Slum««r. vrei« kr« Jadr. gai^» 1 kblr VlerteljLdrig V/. V»r. »0r VuLdaadiunzrn. PoSömirr u » gei»un,«,k»edi«»nen »eb»e» vei»elluii-t, «n. _ \ [5. Mrg. 1. düBartil.] Smy 'rna. en (Su* Der vom „Institute zur Förderung tur" heranSgegebenen. in wenigen Doch, nach Jerusalem" von Ur. L. A. Fr (Schluß.) der israelitischen Litera« erscheinenden „Reise an kl in Wien.) Die Gemeinde selbst Bazar. »ufbewahrtt- Lster- Jn einer größeren Zelte saßen einige Frauen und Mädchen und lasen Weizen auS, un ihn zu Osterbrot- Backcn rein zu haben; der Anzug dir Frauen, die etwa in zwanzig zerrauften Zöpfen berabb ingcnden Haare der Mädchen, die wenig blanken Hände, ießen mich glauben, daß der Weizen vielmehr durch sie erst schmutzig werde. Die hundert Rabbinen Smyrnas, lerzählken mir meiste Begleiter, haben die Pflicht, wenn e^ Erntezeit ist, beim Schnitte des Weizens anwesend zu sein und den durch Austretcu der Aehren gewonnenen!zu verwahren; auS diesem werden wieder unter ihrer Aufsicht Osterbrote für sie und den Oberrabbiner gebacken, kauft daS ungesäuerte Brot auf dem Ich sah i* einer andern Stube bror. daS mckl wie in Deutfchlastd 'und und dünn, fon« dern zu viereckigen sehr dicken Scheibet gewalkt und durchstochen ist. AiS österliches LuruSbret werden Mazol auS feinstem Mehl, mit Wein geknetet, gebacken. Wir nahmen ein Boot, um an len Fuß deS Berge- PazuS zu gelangen, auf dem sich )ie Begräbnißstätkeii der Juden, Mohamedaner und Chrsten befinden. Wir gelangten durch einen Wald von Skiffen, die im Haren ankerten, an der großartigen, durch rsthen Ziegelbau sich auszeichnenden Mjlttairkaserne vorbei, in zwanzig Minuten an den jüdischen Degräbnißplatz. Die Leichen müssen zu Land kahingetragen werden, eine S recke, die auS dem Zudenviertel nahe zwei Stunden Zeii in Anspruch nimmt. Bei der furchtbaren Gluth der Sourmersonne und dem Umstande, daß die Verwesung schon nach zwei, höchstens drei Stunden emtritt, ist ein Gang nach diesem Friedhofe eine fromme, aber schwere und unl:r gewissen Verhältnissen eine gefährliche Arbeit. — Dw Berg erscheint von der Tiefe bis hoch zum Gipfel vor flach den Gräbern aulliegenden Steinen gepflastert. A le sind aus weißem Marmor und glänzen im Sonnenlichle, so daß der Berg in der Kerne wie überschneit und vcyr Millionen Schneekrvstallen funkelnd erscheinen mag. > Ein Lichrberg der Ewigkeit! 3^ ging zwischen den Grabsteinen hin. deren Inschriften nur selten, dann aber mit Gold bervorgehoben, mit schön gemeißelten Blumen und Arabesken geschmückt waren. Aus einigen ist ein Buch oder ein Schreibzeug, wie es die Orientalen im Gürtel tragen, gemeißelt, als Zeichen, daß ein Schrtftgelehrter in dem .Grabe ruhe. Auffallend war mir auf einigen Grabsteinen die Abbildung eine-Sessels. „Unter solchen Steinen," erklärte mein Begleiter, „liegt ein Jüngling ober eine Jungfrau, die verlobt, vyr Eingebung der Ehe gestorben." Den Grnnv dieses Symbols konnte mir keiner meiner'Begleiter sagen, als ich sie um denselben fragte, meinten sie: „ES ist so von Alterher Gebrauch." Der Friedbos ist obne UmfangSmauer und dehnt sich um den ganzen Berg herum, dessen Spitze eine Windmühle trägt, in der VaS Weizenmehl;um Osterbrote gemahlen wirb.!. Zwischen Iden Gräbern spielten Hierher und scklug eine Gruppe türkischer Soldaten Ball. Hurückkebrend gingen wir am mohamedaniscken Friedhöfe vorbei, wo reiche Monumente mit Turbanen geschmückt, in Gold und Farben prangend, wcißmarmorn aus schwarzgrünem Cvvressendunkel bervorleuchteren. Ueber der Pforte dieses LeichenhofkSwar heitere- Leben in einer Weinschenke laut. | Don ltx\ Wink zwischen den Flügeln einer Mühle gerangen, hier die Glurb des Weinegleichsam die Hüter der Tobten. Teil du kadlch, baumlose Berg, hier ein (sypreffenbain und Farbenpracht. Mir erschien die asketische und paradiesische Anschauung deS TodeS deeinen und deS anderen Volke-, wir sie hier zufällig hart neben einander sich «uSpraglen, symbolisch auSgedrückt und 'allerlei Gedanken denkend bestieg ich daS Boot und ließ mich zurück in hie, Stadt rudern. Ich besuchte zwei der größer» Synagogen. Man gelangt, eine Treppe hoch, in einen bellen, weiten und byhen Saal; in ziemlicher Höbe an drei Seiten sind mit engen buntgemalken Holzginern versehene Bogen für die Frauen. Die Holzgitfer genau so. wie ich sie oft in böbmischen Landsvnagogen im ersten Stockwerke sah, wo die Frauen unsichtbar -hinter ihnen beten. So konnte ich in diesem unbedeutende» Umstande eiiro-Äerhe von Bemerkungen beginnen. wie Hunderte von kleinen und mannichfachen Gewohnheiten dxr Juden im Abendlande. auS dem Oriente stammen und erst da begriffen werden können. Bauart, Tracht, Bewegungen. Mimik, Speisen gewähren die gleiche Beobachtung und wir werden in diesen Blättern noch oft Gelegenheit haben, sie au-züsprechen.