Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 12 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
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Berg mit weiß«« stachen Steinen besät, eine Begräbniß. statu, hinter der schwarzgrün ein Zyprtfftnwald in den blauen, warmen Himmel emporragre. Die hohen, dunkeln Baumpyramiden boten einen Gegensatz zu dem weißen, steinerne» Walde der Minarett, die zwischen einem braunen Häusermeere, neben kühn gewölbtest, blanken- Kuppeln aufstrebten. Weiße Singer» die deaj Moslem in den Himmel zeigen, lieber all die Häusermatssen, die in weit geschwungenem! Halbkreise dem Meere angebaut stnv und fick immer weyr die grünen Berge emporheben, ragt ein mittelalterliche- Castell, wo einst die AkrdpoliS der Stadt stand. Weist, der Blick von dieser Höhe herab sich wieder zum Meere senkt, so .steht es dasselbe mit Schiffen bedeckt, auf .denen die Flaggen fast aller Rationen flattern. Kleinere Schiffe mir weißen Segeln zishen Mit unS in den Hasen «in, andere laufen aus; Boofe mit beturbanten Ruderern stiegen pfeilschnell zwischen! durch, i Wenn man daS ganze, große Bild, der prächtigen Stadt ins Auge faßt, so glaubt man dem Pausaniaö gern, daß ihre Gründung durch einen Tcaum degroßen MacedonierkönigS veranlaßt worden ist. 3n einen märchenhaften Traum von taufend und einrr Rächt glaubt sich der nordische Fremdling wirklich versetzt, wenn er daS Land betritt. Wir begegnen Menschen in allen Trachten und Farben deS Morgenlandes, manche leicht, viele reich in Waffen. Frauen in langen, weißen E ewändern, meist mit einem schwarzen undurchsichtigen Schleier vor dem Antlitze. Langsam eiaherzirhende Kameeljüge, ehrwürdige armenische Priester mit laug wallenden! Haaren, Juden im pylnischen Anzüge, Reiter zu schön yefattelttu Eseln machen die Straße» enge, bunt und belebt. Die Gestalten und Gruppen sind beiläufig eist Ausschnitt! an- -einem kolossalen, immer wechselnden. phantastischeniGemälde. Ein verwirrender Sprachenreichthum lärmt und schreit auder wunderlichen Menge hetvor. Im Bazare, weil eS Sonntag war, hatten die Chnsten ihre Läden geschloffen, dagegen war eS in denen ^r Mohamedaner und Juden um so lebhafter. Die geflossenen Läden waren aber von armen griechischen Christen, die selbst icine Läden halten können, benutzt und mit dem buntesten' Krame behängt. In vielen Läden »ay das Handwerk türkisch bequem thatig: die Arbeiter verrichteten ihr Geschäft, gekreuzter Detoe fitzend und Rlargil« rauchend. Die engen Straßen alle schmutzig, da unb dort ein ganzegebratene- Lamm, süße Kuchen. Fache, Berge von Orangen und Citronen zum Kaufe ausgestellt. Durch alle diese Scenen mich durchwindend, gelangte ich mit einem ehrenwerthen Land-mann auS Böhmen. Herrn Barbier, der in Smyrna als angesehener Kaufmann lebt, in da- Judenviertel, da» Mischen dem der Mohamedaner und dem der Armenier liegt. Ihr An» -unweLwnhnL, giWaht an» freier Dahsi. wie auch die Bataan« tot -andern» Raltgtane» «* vorzfthon. beisammen zu »ohne». Wir beftichttn he» yherrabtoer, den hür in einer mit zerschNgdor» Teppiche« bedeckte» tomlichtz» Suche «inawinkligen, unansehnlichen, hölzernen Hausefanden. Einige hölzerne Truhe« ring» umher wstren die einzigen Einrichtungsstücke und enthalten, wie mir Herr Barbiör erklärte, die Habfeligkeiten der Familie. Die Brände in Smyrna, da fast »La Häuser, namentlich die de« Türke«, au- Holz gabaut, mahnen 'zur Dorficht. Die Truhen werden, sobald ein Feuerfignal in einem Stadtvierttl ertönt, rasch davon getragen, und in Sicherheit gebracht. Der Oberrabtner, einl ehrwürdige Erscheinung mit langem, vollem Barte, saß gekreuzter Beine auf einem niedrigen Divan zwischen Polstern. Uns wurden zwei Stühle jhlm gegenüber qngeboten-und sützkandirtt Früchte undftiscke» Waffer von der lebhaft redseligen Frau de- Lberradbinl rs freundlich gereicht. ' ' Bald kamen noch vre» Rabbinen und der Kanzler ler Gemeinde. Sie küßten dem Oberrabiner die Hand, well je; Huldigung er damit erwiedertt. daß er seine Hand ,n Brust und Stirize legte. Meine Reise nach )erusal m .war ihnen bereit» von Corfu her bekannt geworden u^ib ich gab jedem der Herrn meine Ansprache an die jüdischen Bewohner Palästina» „Kol mebaffer." Alle fingen s^ gttich zu lesest an; ich bar den Oberrabiner die Lesung' für eine andere Zeit zu-verschieben und mir. was mich sehr inreresnre. einige Verhältnisse seiner Gemeinde mit. zurheilen. , Die Zahl der» lüdischei» BewDhner in Smyrna iss 15,000; die StaminsauWen wanvenen auallen Provinzen detürkischen Reiches in Asien und Afrika und auS Venedig ein; sie bilden feit 287 Jahren eine Gemeind» nach spanisch portugiesischem Ritus und sprechen nebst der türkischen Sprache die /panische. Die Gemeinde wurde von mannichfachem Ungtüchd fort und fort bedrängt. Litten die Juden in vergangenen Jahrhunderten durch den Fanatismus des MoslamE «>d Mußten sie immer fvr Leben und Gut zittern, Erhaben ß«. als die Regierung milder und gemäßigter «chrde, wieder di« Elemente nkit Vernichtung bedroht, nicht ftüherer Unglücksfälle Izu gedenken, sei nur tssr großbn Brände im Jahre 1841 und 1852 erwähnt, die! selbst die Wohlhabende» in Armiitb stürzten. D.ie Gemeinde besaß ein steinernes, nach allgemeiner Ansicht feüerfeste» Haus; in diese» trugen, »er nur einen leichttragbaren Besitz hatte. W Juden Gold, Silber, Edelsteine.' Waaren. Da- Hau» enthielt einen Werth von vielen Millionen Piastern und war nach einer Stunde ein Aschenbaufen. In diesem Brande gingen auch 15,000 Bücher, darunter alt« kostbare Druckwerke und unerjetzliche Manuscripte verloren. Die Gemeinde drückt seit jener Zeit eine,Schuldenlast von 600,000 Piaster», e» find Waisen- und Armengelder ^andere Beträge schuldet sie einigen Reichen in Smyrna und in Jerusalem, von wo st« durch die heimische türkische Behörde sehr gedrängt wird. Aber noch eins ander» sie völlig erdrückende Last — neben den Zinsen de» genannten Gaptials. da» sie nie znrüchahlea zu können hoffen dürft» — läßt dir Vorsteher in eine tonorige Gegenwart »nd noch trübere Zukunft blicke», fett Gemeinde hat «in» fünffache Armuth z« versorgen. Bor allom 100 Rabbinen, di» sich au», ftbfteßlich mil d»« Studium der haBtgen Schriften beschäftige», tonn 100 verfchämto Arme ton einst fthr reiche» Famüien und 400 wirsttche Bettle». Do» der MiMhätigkvit der Rometoto häugea ferner 1000 Waiftnkinder ab und da» Spital- und Sersorgungdhaud für Kranke und Derkrüvpüte uimmt jährlich ID,000 Piaster in Anspruch. Andere Auslagen, di« Armen zu beerdigen, idre Gräber zu bezahlen, nehmen noch «eitere 10,000