Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 12 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 4)
- Language
- German
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48 Piaster in Anspruch und jede der neuen Synagogen in Gmvrna ist 15.000 Piaster schuldig. .Rette un«.- sagte der Oberrabbinrr km Schlüsse seiner Mittheilung, rette un«! Erzähle, wenn Du glück- Ud) nach Europa zurückgekehrt fetu wirst i on unserer Nord. von unserer hoffnungslosen Berzweisung. Der- Sott »er Heerscharen wird mit Dir sein guf Deinen Wegen und Dich schützen un» behüten.- Alle Anwesenden, darunter die Gattin d:« Ehacham Daschi sagten ..Amen'*! — Die Gemeinde »ird von 4 Vorstehern — früher vow 6 — geleitet, die jährlich gewählt werden: diese ernennen 4 Armenvorstei er und eine Gilten- und ReligionSpolizei. Die letztere ha dir.Pflicht, idr dedenNich .scheinende Zustände und Angelegenbeiten der Gemeinde sowohl, wie einzelner Personel i. de« Stabbinertribunal, an dessen Spitze der Ehacham öaschi steht, «itzutheilen. Diese« bewachr auch die best heatzei» 25 Lehranstalten für hebräische Sprache und Talmud. r Al« ich über die große Anzahl dieser Ar stalten mich erstaunt äußerte, sagte mir der Oberrabbinr: .Darin sind wir jeder Stadt im Orient voran« unb Du wirst ebenso erstaunen, wenn Du nach Jerusalem k Smsift, dorr nickt eine Lalmubthora zu finden." Al« ich um die Zahl der Geburten. Heiratben und Sterbefälle fragte, wurden mir die ersten auf 1500, die zweiten auf 300 bezeichnet. Die Sterblichst — weil sebr viele Kinder sterben, für die keine Gr ber bezahlt werden »— konnte mir nicht angegeben weben. Die Bezablung für die Grabstätten Ist die einzig: statistische Kontrolle. Dor einem Jahrzejnr befahl ler türkische Gouverneur die Anlegung einer Matrikel; d r Oberrabbiner sagte türkisch naiv: .Sie unterblieb aber, weil Niemand die Arbeit bezahlte.- Wenn es geriü tlirfi nölhig ist.- nachzuweisen, ob Jemand verheirathet. wie alt ein Kink, wann Jemand gestorben ist. so läßt Ciö religiöse Tribunal „Be«-djn* 10 Männer kommen, die um die Sache wissen können und stellt auf Grundlage der Aussage dieser Vertrauensmänner ein Zeugniß auk. Herr Kbajim Palcktichi ist al« Schrillste 1er bekannt und erwiederie meine in'«'Hebräische übersehe Elegien ..Nack der Zerstörung Jerusalem«" mit zwe seiner gelebrten Werke. Der Kanzler der Gemeinde, 4 err Cbajim Krisjin verehrte mir seine unter dem Titel ..Sahir muliffo " verössentlichten Gedichte; ich hatte ibi somit al« «einen doppelten Kollegen zu begrüßen. Der Ehacham Baschi ließ mich, auf mein « Wunsch, «ach dem Hospitale in einige Synagogen in» aus den Lrichenbof durch zwei seiner Diener geleiten. Ueber der Pforte te« Hosruale« glänzte mir eine rotb« Marmortafel mit debräischgolbener Inschrift entgegen; ne verkündet, daß der okrstvrbene Freiberr Salomen v. Rothschild, der den Rubm seiner materiellen' Macht dur b den der Freigebigkeit und Barmberzigkeit versöhnte, a ich hier die Mittel bot, um diese Zufiucht-stätte «ofchliche« Elend« erbaue» zu k-nnen. Da« nur mit einem Erdg tschoß der: sehene Hau« har in die enge Snaße. in der H fich befindet. keine Fenster. Der Einttetenbe befindet fich in einem viereckigen, mäßig großen Hofraume, der! mit Bäumen und Blumen bepflanz», einen angenehmen Eindruck macht. Entlang den Mauer« diese« Raume« find Thür an Thüre, die zu den Zellen der Kranken oder Siechen sthren. Ich trat in fünf derselben, die bewohnt waren und e« bedurfte eine« a« den Ekel der Wohnungen de« armen kranken Elend« gewöhnten Manne«, um betm Eintritt nicht zurückzuschrecken. Die Zelle erhält nur Licht, wenn die Thür offen steht. Der Kranke befindet fich. wenn da« Wetter rauh ist und er fle schließen muß, im Finstern. Auf fetzenhaften Decken lagen oder saßen die Kranken im verwahrlosesten Zustande und die Luft war durch den unsagbaren Schmutz der Zelle unerträglich. Al« ich mir eine Bemerkung über diesen Zustand erlaubte, schien ich nicht recht verstanden worden zu sein und e« ttat mir hier in der ersten orientalischen Stadt die Erscheinung entgegen, die ich dann fort und fort Gelegenheit zu bemerken hatte, daß dem Orientalen der Sinn für Reinlichkeit, insofern sie fich nicht auf seinen Körper bezieht, abgeht. Wie könnte sonst ber Arzt, übrigen« ein griechischer Christ, täglich diese Anstalt besuchen und nicht einen Umstand beseitigen, der selbst gesunde, an Reinlichkeil und frische Luft gewöhnte Menschen krank machen kann. R o t i z. (Pesth, 12. Febr.) Unsere Localpresse theilt die Namen von einem halben Dutzend Personen mit, die al« die ältesten Bewohner unserer Stadt bereit« da« 100. (ja eine da« 115.) Leben-jabr zurückgelegt haben; e« dürfte bemerkenswerth sein, daß sie sammt und sonder« den ärmeren Eiaffen und zur Hälfte ltzfr israelitischen EultuSgemeinde angehören. Anekdote. Der Vorstand einer polnischen Gemeinde wird vor eine Behörde gefordert. Die Herren treten ein. Ein Beamter redtt den Wortführer an und fragt: „Wer fink Siek" — Die Antwort lautet: „Wir senn bei un«. wa« See senn bei See. und wir senn der Ausschuß von die ganze Gemenheit." Allgemeine Zeitung des Jubenrhumr. Ro. 11. 1858. Leitende Artikel: Da« Recht der Juden. — An die Rabbiner, in Preußen. — Literarischer Wochenbericht. Zeitu-gGaackrtchren. Deutschland: Frankfurt a. M.. Bühl. Preußen: Berlin. Oekerretchischer Kniserstaat: Au« dem Tokayergebirae. Srarva». Pesth. Die Schweiz: Ber«. Frankreich: LuneoMe. Rußland: Rita». Korrespondenz: «eine »eise über Ealtzie« nach Deutschland von Jsaac Rosen» ey er. Oberlehrer in Ho»»>,a II. MS 8.» beziehe, durch jede» Pokantt »nd jede Buchhandlung. Jährlich Z Tbaler. vietteljährlich »/« Tbaler. Ber aut » Serie« »M Vau»««rtne, s vnchi «*» ertlicher Redacterrr: K. Nabe. ein* n - Drn« von «(«sanier «iede in Letp,ig.