Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 12 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
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46 erbebte nicht da» ganze Bott!" sagte Gerfon tn heitere« Tone. „Unnötbize Änzft." äußerte der Ändere, ..ich gehöre nicht zum Zudenvolk." „Ja. ab--, wir müssen daS K-ncert im Freien, «»ßerhalb Ver S:att abhalten/' fahr Gerson weiter fort, sanft kommt bas ainze Zavrnpack;u uns: Denn ..wo siedle Sumne ve? Schäfers vernehmen, dort sollen sie sich f-mneln." „Laffr sic nur kommen. Hochwürden, wir wollen ihnen gut. beimieuchlen; ach. harret ibr doch;um Arikverneib so ein lieblicher Jastrument mit. wie würden die alten Luchen und Eichen drüben im Busch sich verwundern, was würden sie wohl sagen.— unv die Bauern im Dorfe Dröbel. dessen weißen Thurm wir da schon erblicken?' ..Wa» die sagen würden. lieber Sackse." rief Gerson höhnisch —-- ..ich weiß eS und mit emphatischer Stimme, halb aufgerichtet im Wa^en, rief er unter komischen Geberben: ..Mein ZnnereS, nein Zn« „eres, ich rulere. die Wände meiner Herzens dröhnen. Denn k;e Stimme des SchoferS hast du verronmen. meine Seele, den KttezeSläriu!" Da krachte de Wagen und seine Insassen fuhren mit den Köpfen aneinander. Der Wagen war in eine riese Ackerfurche gefahrer. '..Zum Henker." rief Sachse dem Kutscher zu. ..kannst vu nicht fahren und nichtseben?" „So wahr ich Biertim >el heiße, Herr kurzw.-g Reus.»' schrie dieser. ..ich fahre schon an 20 Jahre und so guj wie einer, aber denken E irr Gna» den." ich kann durch den armdicken Nebel sehn, wie Ihr durch die Winflaschen. die Ihr geleert habt?" „£«!/' entgeznete Sachse, über diele Ankn ort entrüstet. ..hat Dein Herr keinen größer» Grobian der die Pferde lenken kann?" ' „O U." rief der Kutscher. mit lauter Stimr le. ..den Herrn Daccalaureu» selber." -sprang vom Bocke und verschwand tn der Dunkelheit., Diesen Moment schienen die Pferde nur erwartet zu haben. Ob ingrimmig über den Regen von Peitschenhieben, die sie auf dem. Rückwege schon erdulbet hatte», ob auS Rache wegen der d, «armen Lutscher widerfahreyen Beleidigung, oder-im G:fühl der Zügellosigkeit — genug, wie auf ein verabredete l Zeichen rafften sie sich auf und im Galopp ging eS über ein brache- Ackerstück, immer querfeld ein. Doch ai f einmal wandten sie sich, scheu vor einem Steinhaufen, um und eilten rastlos dem Saalufer zu. da wo eS am! jähste», steilsten ist. Ein Lrach. der Wagen stürzte —1 und da» ganze Geschirr mit den beiden Geistlichen rollte in die am dieser Stelle tiefe Saale. Der Wagen war nach der Seite zu. auf welcher Gerson faß. in» Wasser gefallen. Sachse, an der andern Seite, stieß die Wagenthür mit "dem Fuße auf. sprang in'g Wasser und da er im geübter Schwimmer war, rettete er sich »ach ein« nahegelegenen Sandbank. Die Pferde hatten t» der % »d«S»ngst die Deichsel und Schwengel vom Gagen gehr» Heu und schwammen mit ihnen fatf, weithinlojutfe man ihr Schnaube» und Plittschm» tztzpey. Gerson hatte Sachse» Mantel zur Pettung -«faßt, als dieser Um M iftM ent« lttang. abe, n blyb mit einem Fuß« ptfMpt tan Speiche« eines Bchrtarratas hänge» und fiel inst LAgHer. Er rief uv» Hülfe — vergehend, die Rächt «» duukal, sein Reikezefihrte konnte nicht an die Rettung des Unglücklichen denken, Kg er fürchten mußte, tn bat van den ihm folgenden Pierta» mitfurtgerissene Gefchjrepug zu k»»unen. Beegebmil qlleL Rufe« Gerfon t, sei» - Srtmure wurde immer matter, bald war alleg still — er war ertrunken. — Am andern Tage trieb feine Leiche an das Ufer deS Wedlitzer Busches. Dort fab'n sie einige Juden Nienburgs. eben beim Tadchlich begriffe»; sie machte» Anzeige/ der Leichnam wurde aufzefangen. Der Unglückliche ward erkannt und am andern Tage mit großem Pomp auf dem Lirchhofe zu Bernburg begraben. Sein trauriges Ende hatte Entsetzen bei seinen Kollegen verursacht, ließ aber seine Pfarrkinder in Bernburg und in der Filialqemeinde Dröbel ziemlich theilnahmloS. Sie hatten dem Feuereifer deS NanneS nie getraut, durch dessen Wesen und Rede»» ihrem Mißtrauen der ftühere Jude durchschimmerte. Die Jude» BernburgS jauchzten auf. wie erlöst von der Macht eineharten Dränger». Nur einer theilte dieses Gefühl nicht — der Rabbi Elkan. Als er noch selbigen AbendS durch Süßmilch, der ihn zu sich befchieden hatte, von dem Creigniß hörte, füllte sich sein Auge mit Thränen und andachtsvoll betete er zu Gott: „Dir danke ich meine Rettung, Dater. Unendlicher. Wohl Hut jener gesündigt, aber auch hart gebüßt. Laß ihn entfündigt vor Deinem Antlitze erscheinen, um der Frömmigkeit willen, mit der er einst vor Dir wandelte, der Stolz seines Volkes — verzeih' ihm!" Süßmilch brückte dem Rabbi theilnabmsvoll. gerührt durch des Mannes Edelmuth, die Hanv, führte ihn an das Lamin, und indem er eine Papierrolle in das helllodernde Feuer warf, sprach er: „Da» Feuer begann Eure Rettung, das Feuer vollende sie!" — DaS rothe Meyerche war am ander» Tage waüer in der Lirche noch im Tempel zu schauen, er war verschwunden. man hat ihn in Dernburg nicht wieder gesehen. AlS bald nachher dih Kaiserlichen unter Holk Dernburg oecupirt batten, warf einst ein Lroat im Gasthause zu den drei Kronen eine Uhr auf den Tisch und begann eine Geschichte von einem rothhaarigen.Burschen, den fle. als schwedischen Spion, vor-einigen Wochen im Doffauischen aufgebängt hätten. Er habe nach Geld in de» Laschen deS Baumelnden gesucht und diese Uhr unter der Weste in einem wollenen, sonderbaren Brustlätzchen, woran Fäden gesessen, gefunden, und halte sie für einen SpecieS feil. ES war die Uhr deS rochen Meyerche. ein Barmizwah. geschenk de» Rabbi, seines Gevatter». Der Rabbi selbst lebte noch viele Jahre und sah um , ssch eine Schaar blühender Enkel, denn Ellah war dem schönen Löb angetraut worben. I Die Gemeinde Bernbyrg» hat seit Gerson» Tod« bi» zu dieser Stunde nie wieder ernstliche Verfolgungen erlitte» — Dank sei e» dem Herrn! Smyrna. (*»• der vom »Institute zur Förderung der israelitische» Literatur" hrranlaegebenen. t» wenigen Woche» erscheinende» »Ektse nach Jerusalem" von vr. L. A. Frankl in Sie».) Wir hatte» eine glückliche Fahrt «td hhea am 6. April doö Morgen» die Fürstin der Stffdte Anatoliens vor «yß fremd u»d glänzend emporttuecha». Alb wir »«» io der »ellemveite« Da! befanden, saha» mn recht» einen