Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 12 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Lelehrung unk) Anleuhatlung aus jüdischem stekiete. Heransgegeben »o» Rabbiner Dr. Lvdvig Philipps»« in Magdeburg. tRo. IS. 18S8.1 «ev Meter »rtck-ta« «fnr Nummer. Prel« de« --dr. ,an»« 1 Dir. Bi«ri«(|äkrig 7% N»r. *0» Buckd-xdl»»««». Poüämirr UV» getrv»i«,srrttii«»e» »rdme- B«a«0>o,e, t5. Z-hrz. 1. (OtaartaL] J Ler Pastor und DiaeonuS Rabbi Gerson Biberbach. Loa Rechtsanwalt vr. Ealm in Lernburg. &*\*%) i! „3a, liebe« Brüder, wie gesagt^" sprach er eben, | „sie nennen den Tag morgen, dessen Feier sie heut« Abend j begonnen haben. Tag de» Gericht«. > „An diesem Tage schlage der Hert da« große Hauptj Luch auf, prüfe jede« Menschen Credit und Debet und ziehe die Bilanz. Zugleich entwerfe er einen Schicksalsetat für da« ganze kommende Jahr und nach 10 Tagen besiegele tt fein Erempel. Bl« zu diese« Augenblicke sei. e« noch möglich, eine Vermögen« *i und Lebenszulage , zu erbitten, oder eine Reducirung der auszuschreibenden j Steuer an irdischen Leiden und Drangsalen zu erwirken.- ' „Eine herrliche Prtdestination-.ries der Propst Starke von Mönchen-Nienburg, „die begrenzt wird durch den Zeitraum von 12 Monden und nur wächst, wenn glücklicherweise ein Schaltjahr eintrifft. - „Wenn Gott in de« Credit sollen Wucher treibt mit seiner Güte, wie diese Seele mir ihrem Geld«, dann könnten sie noch ärger sündigen als jetzt, und der Herr müßte ihnen ern gute« Acrivsaldo überschreiten-, schrie wieder der Baecalaureu« dazwischen. ,D*, sprach Gerson, „sehen sie ein schlimme« Facit. so sind sie schlau genug mit de« Herrn zu accordtren. für seine Forderungen bieten sie iyB Gebet und Kaste«, und hilft auch da« nicht, so wird der König Salomo ihr Fürsprecher, „dann giebt es keinen Gerechten auf Erden", und da« wtederbolen sie huuderre Mal. lauter und immer lauter. wie um den Herrn zu betäuben. An un« aber bitten sie noch obenein da« '„vergossene Blut j de« Knechtes" zu rächen und tra« dergleichen fromme Wünsche mehr sind. Und die Posaune, ein Wecke- und Mahnruf dem Frevler-doch meine Uhr zeigt die 7. Abendstunde. ich muß u« 8 Uhr zu Häuft sein, «eil ich «ir dem Advocaten SüßmUch noch eine Confereuz und dann mit ihm noch etnsA Weg zu« Svftfyhntibann habe. Sie sehen mich so «troffen au, ja, noch heute Abend habe ich wichtige Conserenzen. morgen werben sic mehr erfahren. Sie kommen ja doch morgen ftüh als Pathen zur Tauft de« Juden Meyer. Lassen Sie mich deshalb mit dem Herrn Baccalaureu« in Frieden ziehen — und der Herr erleuchte die Verblendeten jene» Secte und straft ihre Frevler, immerdar, zumal aber in. dieser traurigen Zeit der Gottlosigkeit und de« irdischen Jammer«! Kommen Sie, Herr Sachse/' Und Beide standen aus und gingen, wie sehr man ihnen auch zuredete. zu bleiben. Die Kutsche fuhr vor, und sie stiegen ein, Gerson unter lebhaften Danke«br< zeugungen de« Latdorftr Amtsbruder«. „Vergönne wir doch der Herr." sprach dieser zum Scheidegruß, „Euch an Euren Töchtern den Liebesdienst zu vergelten, lebt wohl und kommt glücklich über!" Die Kursche^rollte zum Dorfe hinaus. Dichter Nebel lag auf ben Gefilden, ein kalter Sprühregen fiel herab. Sachse wollte deshalb die Heerstraße fahren, Gerson bestand aber darans, daß der Wagen den Saalweg einschlüge, «eil der kürze«, da SüßmUch sicher schon «arten würde. Längere Zeit saßen beide . Minner schweigend im Wagen. „3hr war't unvorsichtig, ehrwürdigster Herr Diaconns," begann endlich Sächse. „in dieser Jahreszeit ohne Man- } td zu fahren. Ench wird in Eurem Ornate sehr ftieren, Ihr seht so blaß aus." .^Mit nichten,"-entgegnet« dieser, „nur etwu« beklommen ist mir zu Mnthe, vielleicht^ daß ich heute die Disk hintenavgefttzt habe, erzählt «ir eine Eurer spaßhaften Geschichten. Herr Baecalanreus." „3ch kann nicht." rief dieser laut lachend, „ich kann nicht, her Tag de« Gericht« und die Posaune nehmen mir ale« Erinnerung«- und Sprachvermögen. Bester Herr Diaconu«, sind den« alle nur denkbaren Nubriklen und-Kolonnen auf jedem Folio de« Hauptbuches vorhanden!" „Sie glauben'«," sprach Gerson, „denn sie hoben Feuer und Wasser, Krieg und Pest — aber bald werden sie sich überzeugen, daß gleich zwei fehlen: Danmschranben und spanische Stiefeln!* Der Baeealanreu« fing weiter lachend: . Kann Ich denn solche Posaune nicht einwal sehen , und hören, da ich doch meiner Würde und mmnem Glauben durch einen Besuch der Judenschule vergeben würde, ^önnt Ihr solche« Ding blasen, Herr Diaeonusl" „Ei. sicher,* erwtederte Gerson, „als der Wahn de« Judenglauben« mich, wie der Nebel de« heutigen Abend«, noch nmstnsterte, habe ich da«, wie sie «einen, heUige Amt oft verrichtet. Nun «artet, ich hoffe, die Justiz un* stteirt in diesen Tagen solch' «in Ding, dann sollt ihr, Herr Sachse, einen Virtuosen hören." „Köstlich, köstlich.- sprach dieser, „geschähe e« nur bald, ich bin zu neugierig. „O. zähmt Eure Neugier. Stärkt zuvor Eure Nerven. Denn wird die Posaune in der Stadt geblasen.