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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 10 (1858) · p. Seite 38

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
10 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 38 (sequence 2)
Language
German
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38 ..Wenn (äir. Hockwürren eS nicht übel nehmen. daß ein Diener zu sprechen wagt." sagte der, Rutscher. ,,ko ist ei eben deshalb. wie ich vom Kammerdiener gehört pabb. daß mein gnädigster Herr und Dero Letter, der Domherr von Krosigk Euch bald zu sprechen wünschen und Euch dringend erwarten. Gestern nämlich waren beide Herren Gevettern im Gasthof zu den vrei Kronen ui Bernburg! eingekebtt — 2br wißr dock. Herr Pastor, da aus der j breiten Straße, cit Pferde waren frisch und gesund, zwei ichönc Rappen, vierjährig, obne Makel. Als die Herren I -. um gestrengen H^rrn Canzler zurückkehrcn uno sorrreüen \ wollen, wir Kutscher' harren erst geNitterr und saßen in ' del. Knechtestube - denkt EuL — da wir Jic Pservc ( satteln wollen — »odr lagen beide im Stalle, der weiße i Schaum stand ihnen vor dem Maule und die' Äugen * waren im Kopfe verdreht, daß nur bas Weiße sichtbar j war Ter Wirth heckrte und bat um Erbarmen unv Hülfe, und die doLgestrengen Herren möchten. eS nicht! ibm unk 'einer Nabruvg' entgelten lassen, e« »er ihm nun schon zwei Mal i> einer Woche in seinem Stalle; dasselbe Unglück zugcstoßen. Der Stall grenze an s ..Iurendorp" unk gegenüber dem Hintergeböfte wohye der Zutcnrabbi Elkan, der habe die Pferde rqvt ..geelkant.'» j Er stabe die ganze Nacht gebetet und schwarze Lichter in , seinem Hause gebrannt, bjS die Pferde in Krampfe ge»! 'allen und unper vrelen Zuckungen crepirt seien Er khnne! nickt leben, ohne den Ebristen Schaden zurufügen. )a,! Hochwürden. das will mein gnädigster Herr Euch erzählen und Enern Rath bören, laßt uns eilen." ..llnstnn." dachte Gerinn bei sich — ..aber er kommt i zur gelegenen Zeit." ltt DasRoschhasLanahseft. Sv wollen wir von der hohen Weibe des TageS Zeugniß laut ablcgcn. denn wobl ist er gewaltig und | erschütternd. Und an ibm richtet sich auf Deine Welten-- » berrschafr. und. aut Gnade baut sich Dem Thron, und j Du nyest auf ibm in Wahrheit. Wabr ist S. daß Du! bist der Richter und der Ueberfübrrnde. der Kundige J hup Zeuge, der schreibt und besiegelt, zäblt Und rech- - nei. und alles Lergeffene denkst Du, und auftollest Dn das Buch der Erinnerungen, und es liest sich selber ' und eines jeglichen Menschen eigner Zug ist darin. ’Äm Zabresbrzinne wirk es verzeichnet und am Sübnetage °wirk es besiegelt, wie Diele sollen dahin. ' scheiden, unk wie Diele in'S Leben treten; wer leben s soll und wer sterben . wer das Lebensziel erreiche, und! 'wer vor der Zeit hingebe-. wer durch Wasser und wer ' durch Feuer -- i. -Ecbt. Zuugf.r. Ellah. wie kann ich anders, ich bin lldvecai unk habe den gemessensten Derehl, bis übermorgen s die Dc"unciation wider Euren Pater auSgearbeite« zu *i tiefer Sah* bat wirklich eine Zeit lang bejiaiibkii. auch > epittirk-jetzt noch ta» Wort elkauea für todtbetl*. > baden. So will eS der hochwürdize Herr Diaconu» Gerson, brr selbst übermorgen Abend das Biller beim Gericht einreichen wird. Montag Vormittag, an Eurem ersten Ncujabrslaze. werten di« Diener keS Gerichts Eurew Vater aus der Svnagogc holen, nachdem sie ihn'dort Angesichts der Gemeinde ge'effelr haben werden. Am One seiner verbrecherischen Lhätigkeit soll er überrascht werden. So lautet der Wille des DiaconuS." Der so sprach, ein bejahrter Mann, mit ergrautem Haar, aber von noch rüstiger Gestalt und freundlichem Wesen, voller Ueberlezung in seiner Rede, voller Milve in seinem Thun. war. wie der Leser leicht erratben wird, der Akvocat Süßmilch. Seine Worte machten auf Ellah keinen tiefen Eindruck. Die Blässe Itarr Wangen, der stille Blick ihrer Augen verrietben so'srr, daß sic seit Wochen sich avgebärmr um die Zukunir ihres Vaters und die eigene, unk baß ,bre Seele, von teil Wogen der Furcht und Derzweiflung bin- und bergerrieben. endlich festen Anker gefaßt haue im Vertrauen au» den allmächtigen Lenker der Welt. „34 kenne nicht die Gesetze beS Landes. Herr RegicrungSadvyear.- antwortete sie.nach einiger Zeit. ..und verstehe sie nicht, wie deutlich sie auch durch die Sprache des Schandpfahle. der Folter unk des Hochgerichtsich kund geben, wäre aber :edeS ihrer Worte in Blut ge: taucht, wäre das Schwert idre Zunge und daS Feuer ihr Odem — Wabrhen und Gerechtigkeit werden meinem Vater dennoch beistebn. ne werden die Lügen seiner An. geber vernichten!" ..Gerechtigkeit," wiederholte Süßmilch mit bitterm Lächeln. ..Hön mich rubig an. Ellab. Wit sehr ich Deinem Hause zugethan hin, «rsied aus dem Umstande, daß ick. unbekümmert um Verspottung und Verdacht, cme Zukenkirne — verzeibe — bei mir weilen lasse, drum köre mich. „Ala die Menschen ntt Paradiese lebten, war Betrug und llnrechi nicht gekannt. Und da sie vertrieben waren, verharrten sie anfänglich noch in Einigkeit; ohne Zwist über Mein und Dein, ohne blutige Greuel in Privat, fehden und Krieg. Die Familie wuchs zu einem großen Sramm. und mit dem Landerbesitz kanrcn Begierde und Ebrgei; und mit der Bevölkerung Wollust und Betrug. Aber vaS Haupt der Familie regierte allgewaltig, grfütchtet wegen der Stärke feines Arms, geehrt wegen der Weis» beit seines Mundes. Sein Rath schlichtete jede Wirrniß, sein Schwert strafte jede Unbill. Die Guten lebten sicher unter seinem Schutze, die Bösen grollten ohnmächtig seiner Strenge. Dock der Mann ward alt. das Licht seiner Augen nahm ab, die beredte Zunge ward schwer. Es frohlockten nun die Bösen, die Guten benetben ängstlich wegen seines Nachfolgers. Dem Manne lebte kein Weib mehr, ein Sohn war ihm nie geboren, dock eine Tochter xstegte sein Alter, ein holdseliges Wesen. Und die Bösen, weil schon die Mehrzahl, erkoren die Tochter zu seiner Nachfolgerin. Sie ist ein Weib, so dachten sie. gefügig wird sie fein, für uns eir^Ricklrr ohne Kraft und Furcht. Und sie gaben ihr in die zarte Hand das Schwert deS alternden, sterbenden VaterS. und umhüllten ihr Auge sprechend zum Scheine: Nick: sollst Du sehn den Frevler. Du sollst rickten ohne Ansehn der Person, Heil Dir. Gerechtigkeit. richte über ,u>s! Und sie richtet noch heute.

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