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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 10 (1858) · p. Seite 39

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
10 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 39 (sequence 3)
Language
German
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Eie sieht nicht die- Miene der Unschuld und da- Blinzeln de, Verstellung, doch lauscht ihr Ohr wollüstig süßen Schoieicheltönen und wird verletzt durch lie rauhe Stimme der Wahrheit. Wohl ist enoch da- Schwert ihre- DarerS. daihre Hand emporhält, doch ihr Arm ist schwach, ihren Streichen fehlt die männliche Wucht. Sie liebt auch nicht da- Schwert. Ihre Ralhgebtr haben ihr deshalb spitze Stacheln, Pfeile. Nadeln zu den Füßen de» Throneniedergelegt — der Kitzel del schmerzeist an die Stelle deraschen TodeSstreicheS getrettn. Ihre Priester scheuen Licht und Freiheit, drum haben sie mit Hülfe der Nacht ihr finstere Kerker gebaut — das sind die Ruhestätten ihrer Wanderung. Die Lüge frohlockt, huldigt sie den Reizen der schönen Göttin; die Wahrheit leidet, erinnert sie an de- Vaterb Bild. Dann und wann hilft sie auch unschuldig Leidenden, aber nur w nn sie betteln uvd durch Almostn. — Daist die Gerechtigkeit, von dieser erwartest Du Hülfe für Deinen Vater!" — „2hr habt, gestrenger Herr." enlgegrete Ellah, „selbst ein Priester jener Gottheit, ein düstere l GlaubenSbild mir entworfen, und wohl muß mir bangen um da- Opfer, daihrem Dienste in meinem Vater fal en soll. Dennoch will ich nicht murren und zagen, selbst nicht im Geiste, um nicht dem Vater unähnlich zr sein, dem gott. ergebenen; nennt mir nur wenigstendie Anklagepunkie " „Auch diese Verletzung der Amtspflicht urag die Freund, schaft unserer Mter nock entschuldigen -- dann verlaßt mich aber. Ellah. und tröste Euch der Herr! Nicht alle Punkte der Anschuldigung mag ich auf;Lh!en. schon einige helfen da- Gebäude eonftruiren. das Die Richter mit „Schuldig" decken werden. ..Euer Vater sagte im Tempel, am letzten Paffahfest. in der Derafchah. wie Ihr es nennt: Unsere Körper sind nicht mehr in Mitral,n. durch darolhe Meer deeigenen Blutes führte ufis das Unglück, aber der Pharao de- Unglaubenist stock hinter un-. und ihr seht nicht die Rauchwolke degöttlichen Eiferam Tage und nicht die FeuersLule der Wahrheit in der Nacht — Zhr sehnt Euch nach den Fleischtöpfen Egyptens. Der Unglaube — bedeutet er nicht die Kirche unser- Herrn und die Fleischtöpfe Egypten-, j nd sic nicht die Dortheile, die Aemter und Würden, wei he die Taufe ge» währt? Und am Schebuorbfeste wrack tr gleichfalls in seiner Derafchah: „Wenn ein Jude verlasse den Glauben der Väter, kann nehme die göttliche Seele Abschied von il m und schwinge sich zum Throne des Erbabenen. Doch dreimal täglich komme sie herab und flüstere dem „Verder ken" in » Ohr: Höre Israel, der Ewige, unser Gott, ist ein einziger Gott. Das gelte nicht blodem sehr ehienwertben Diakon»-. dasei offener Angriff auf da- Älauben-doqma der Dreieinigkeit. ..Und zu seinem Schwestersoln sagte n, als dieser übrigenein rothbaariger Schurke — ihft trug: Rabbi, sind die Katholiken unS geneigter oder die Prorestanten, Friedrich von der Pfalz oder der Bayerns',rst? Schimeon und Levi — Brüder sind sie, Werkzeuge keS Frevels ihre Waffen; in ibren Rath komme nicht m ine Seele, an ihren Bund schließe sich nicht an mein 4!nsehn' — käse i Religionslästerung und zugleich Bkleil igung der Majestät unsereunglücklichen Herrn - mö;e die kaiserliche Gnade ihm bald ^zur Freiheit helfen — >pe» Feldherr» Friedrichs. Soll ich nun noch lkwLhnung tbun seiner Schiurreden, .de- Unglück» im benachbartes Hause de- Dreikronenwirth» Lorenz, dem jetzt sogar ejin Kind tödtlich erkrankt ist. hedarf's noch btt Beherbergung einer Vagabondin von verbrecherischen Absichten, um daS Maß der strafbaren Tätigkeit in den Augen GchssonS und der Richter zu füllen? Kind, nicht der DiaconnS Gerson fordert Deinen Vater! zur Rechenschaft, sondern der Rabbi Gerson. Er will den Makel seiner Geburt und den Verdacht auS derselben abwischen und enrferneis durch christlichen Eifer, er wsü christlicher sein, als siine Collegen/ weil eS eine Zeit gab. da er eS nicht was. So opfert er jetzt al» neuer Ehrist einen alten Rabbi, wie er sich einst als alter Rabbi zum Neuen Christen opferte. Gehr und vertraut der °|tit unt> dem Herrn aUeil Zeit — sie werden Euch beistehen, wie febr auch menschliche Voraussicht Euch beklagen muß." ..Habt Dank, geehrter Herr." sagte Ellah, „rch werde nur dem Vater mittdeilen w'aS Ihr mir fagter — giebt es denn aber auf Erde», keine Rettung gegen diese von Widersachern Gottes angerichteten Uebel? nur die eine Frage beantwortet i mir noch, nur den einen Trost gebt der rödtlich Verwundeten. .. Aller di irgS/' enrgegnete der Anwalt — „fcflfct ich nichr Deinem Vater diesen Weg schon gezeigt? Er widerruf« in der Synagoge Md Gerson- Eifer ist. gekühlt, die. Sache wirb verschwiegen, wird vergeffen sei«. Streckt Gerson nickt die Hand wider ihn auS. so bleibt <r unangefochten-, die übrigen Herren führen unter sich >sv viel« liebliche Seenen von Heren- Verfolgungen auf, ^daß sie di« Staffage einer Iudenhetze nicht brauchen." „Nimmermehr." sprach Ällah entrüstet und ihr Busen hob sich, ihre Gangen werden röther. ..nimmermehr darf .und wird der Sohn bf»|frommen El» I kan um irdischer Leiden willen den Herrn belügen und i die Gemeinde irre führen, eS komme, was da wolle. Gott! verzeihe Euch den Rath, wie ick Eure Absicht dankbar | anerkenne. Lebt wlohl!"!' > V ' l ' _ : Anfrage. M. in M. Zhr^ geschätzte- PolkSblatt Hat schon so manche jrttereffanre Frage intereffanr und befriedigend beantwortet. daß auch wohl die nächststehende einer gütigen Beachtung sich zu erfreuen haben möchte. Das Ziel des Freimaurerbundeß: Beförderung wahrhafter Humanität, ist a!S allgemein bekannt anzunehmen, ebenso, baß sich viele anerkannt moralisch religiöse Männer! Mosaischen Glaubenin demselben befinden. Genannter Bund bül aber neben dem bekannten Zielt geheime Formers, und Israeliten, die entweder der orthodoren Richtung angehören, oder ein geistliche» Amt bekleiden, dürften bii dem inner» Drange, in diesen Bund treten zu mögen, .von ihrem Gewissen Zweifel aufgeworfen fühlen, ob der Eintritt nicht aureligiösen Gründen zu beanstanden sei. . > ,

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