Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 10 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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V Jüdisches Volksblatt. - Aar Belehrung und Unterhaltung auf jüdischem ZeKiele. HerauSgegrben von , Rabbiner ür. Ludwig Philippsoll in Magdeburg. lRo. 10. 1888-1 Bon diek»r geUs^rifi »rkLeint »SSentlick eine Bu««er. Drei« de» Iadr- «ang« i Ibli. ßirrtrljlbng T/» B»r. Alle t*u±banH«n|fn. BokLmeer und stei«ung»»ro»d«i,o»rll nedmeo Brkellunnen an. t5. Iahrg. 1. Coartal.1 Ter Pastor und DiaconuS Rabbi Gerson , Biberdach. Vvn Rechtsanwalt Or. Ealm in Äernburg. f i^orrsetzung.) 1 Wild spiang Gerson auf und wollte buf sie zu stürzen, j aber sie streckte ihm tie Hand entgegen unv sprach ohne > Furcht: »Zittere vor dem Wahnsinn her Verzweiflung, ehre den Schmerz der Mutter und Jüdin, wenn Du auch - Dein Weib zertteten möchtest. Gerson >Diberbach, fasse! mich nicht an. ich schrei' um Hülfe. )jb klammere mich sonst an Deine Ferse und rufe eS mit brll^önender Stimme jedem Schergen zu. daß ich Dein Weib bin. Deipe Sulainith. die Nareiffe SaronS. die Rose in den Tbälern. wie Du mich früher genannt hast. Bleib von mir. tritt! mir nicht nah'. Giftig ist der Hauch d^S MundcS, wel» , cher nttlnen Brüdern flucht. Sieh. PzlI machst mich ent» weiden den heiligen Sabbatb. Dein Hpion Meier hat! mich erspäht, mit Haschern durchsuchte er heute, alder : Rabbi im Tempel war. dessen Hau». uch mich zu sahen.! Ich rettete mich über die Stadtmauer uifd mit verrenktem - Fuße, durch die Hecken und Dornen tiilsr» Duschezer- , riss.nen Händen, mit zersetzten Kleider^i trete ich. enti weihend den heiligen Sabbath. den Rückweg an. fliehe t da- Weichbild dieser Stadt. Wie wunderbar, daß ich : Dich ticffe. den ich nicht suchte. Dich, den Gestorbenen,; die lebendige Mnmie. Ack! und nickt gesehen habe ich i daerste Pfand unserer Liebe, meinen lheuern Joseph, der jetzt al- Lehrer in CoSwig weil«, in Scham crröthend.! wenn Jemand ihn nach der Mutter fra^t. Und roch darf, mein Haupt nicht in die Gruft fahren, ehe ich ihn ge» j feden. dann wie ich kinderlos bin, so will ich kinderlos! bleiben. —! Sin Strom heißer Tdräncn quoll (pi diesen Worten anS ibren Augen — und daS Haupt verdeckend mit beiden Händen stand sie da wir Rahel, btt Grabcntstiegene, als tie Söhne und Töchter Israels vorbei ihrem Grabe in die Gefangenschaft geführt wurden. Gerson wollte, kiesen Augenblick benutzend, fliehen; aber sie bannte ihn mit lauter Stimme.^ sprechend: „Nur noch wenige Worte. Mann deS UnbeilS. Nicht meinen Jammer will ich Dir schildern, den uisere-tiefen. nicht Deine Untreue D'ir verhalten, die zunf Himmel schreit. Du sagtest einst, ich wäre Dir heilig «ach den Gesetzen Israel- und MoseS. jetzt, da Du diese Gesetze selbst entweihet hast, wie konnte ich Dir noch heftig sein? Schone aber daS Alter und stürze den Rabbi Hirsch Etkan nicht in'S Verderben >. £>u imnm kannst Bernburg meiden, ein Der. räther findet imMr andere Schlupfwinkel. Der Rabbi aber kann nicht ziehen,- denn an seine Fersen hängt sich die Gemeinde. Hgbe Mitleid mit dem Rabbi unv den Seinigen, mir der armen angstgequälttn Geineinde, gieb sie nicht dem Pöbtlwahne Preis, nicht-der GÄalt des peinlichen Gerichts und den Wartergesetzeik^der Änolina. Du schüttelst da» Haupt? Ich bitte Dich Hki de» Andenken -an Deine Eltern, thue eS nicht! —'Doch wie dächtest Du in Li<be derer, btt Dein Ehrge^nemordet hat. — Nun denn, sprach daS Weib, Du, eickst^Gerfon. jetzt Acher, der Du mich gelehrt hast, die hiksigltzj Bischer MoseS verstehen, ick kehre-^urück in drd Heirchsth. verlasse Dich zum Nimmeewiede^PE^^kch ehe ich scheide, rufe ich Dir mit den Worten der heutigen Dorvel-Sikrah zu, in deren Lesen, Deine Hascher mich eben störten: »Ich rufe zu Zeugen an wider. Dick beute Himmel und Erde, daS Leben ttnd de« Tod habe ich Dir vorgelegt, den Segen und den Fluch, so wähle da- Leben, auf daß Pu lebest und Dein Same!" — Du aber Gerson. weißt. waS Du gewählt, hast Deinem Ehrgeiz geopfert Weib und Kind üii* Eltern, und willst ihm binnen we» nigen Tagen optern eine ganze Gemeinde. Der Haß de» PöbtlS, die HlaubenSwulh Eurer Priester werden Dir beistchen, denn sie sind wie daS aufgeregte Meer. daS nicht ruhen, kann -L aber Gott wird den frommen Elkan schützen und alle ttt Seinigen. Du aber, tochwürdigster DiaconuS — waS iDein Verderben war. Du wirst drin umkommen!" Und fort ging daS Weib, ohne ihren Mann eines weiteren Blickezu würdigen, in ibrem Schmerze eine Niobe ZionS und wankte sich nicht mehr um. j— „Gut. daß ich Sie hier finde. Hochwürden,* rief eine raube Männerstimme dem Pastor Gerson zu, ali er sprach» loS vor Aerger dastand; „die Pferde werben kalt und der gnädige Herr wird, ob Eure- Zögernunwillig werden.' Folgen Sie mir schnell, ein Glück, daß der Jäger da war, um tie Pferde z»! halten, sonst hätte ich nicht kommen können und ste stünden noch hier. * „ Gehen wir schnell,- sagte Gerson mit freundlicher, verstellter Miene, ^ewird wirklich Hobe Zeit, baß wir einttrffen. Hat doch jenefremde, mir unbekannte Weib i den Tiost deS göttlichen WoneS lange genug auS meinem"! Munke vernommen^ um den Lockungen M HatanS. der ihre Seele beherrscht, widerstehen zu lernen, aber so ist e». mit der Eittlkeir und Verderbniß der Welt mehrt sich die Herrschaft deS Bösrn!- 1