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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 9 (1858) · p. Seite 34

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
9 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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34 cj sie ab mit den Erfolgen feinet Berussthätigkeit, freuete er sich koch Per Macht, tte fte ibm gab. seine Feinde zu stürzen, konnte ibm eine bessere Handhabe dazu werden, alS die war, welche sich eben ihm wieder darbot? Ohne vorheriges Anklopfen, leise schlich zu ibm — ttir lebten jegt zur Erzählung zurück — kurz nach des ödüsterS Fortgang ein Männchen herein, mit rothem Haar, widerlich grinsendem Gesicht, und wisperte kaum pernebmdar: »Soll mich Gott zum l5bolem unseres Rabbi machen, wenn der düster und die Trauung Euch gefallen." Und damit fttzlc sich das rotbe Meierche. des verstorbenen SckulklorferS PinckuS einziges Kink. sonder weitere Rede und'obnc Gruß auf den Schreibtisch des Diaconus, den diese Vertraulichkeit nicht weiter zu stören schien, als>kenne er darin den ungezogenen Gesellen. Meierche hütete sich m seinen Reden fortzufahren. feine Hände.spielten an den silbernen Beschlagen, der Kirckbibel und traf ihn des Dia. conus Blick, zog er sie schnell zurück, als befürchte er den Verdacht des Silberkiebstahls, oder den Vorwurf der Verunreinigung eines heiligen Kirchengeräthes. „WaS bringst Du. Meier," trug ibn der Diaeonüs nach einer langem Pause, in der er der Gedanken an die Trauung sich zu entschlagen und die Abneigung vor einem Gespräch mit Meier zu überwinden vermocht batte, Zudenneuigkeiten. Sckiurwitze. oder willst Du heute Euern heilige^ Sabhatb kur» das Abteilschen eines abgelegten Rockes ent. weihen? — Du schweigst, sag', was bringst Du? „Mich Hochwürden, mich, weiter nichts." * „Wenig genug." sprach Gerson, „doch erkläre Dich'.". „"Xbr sollt mich;um Goi machen, hochwürdigetÄHerr. - ja sti^t nicht so-. Goi will ick werden, nicht beute unk morgen, aber Montag, über ackt Tage, am ersten Tag Rosck-Haschanab. Was. Zbr wundert Euch?' Hat Euch to'ck Jeremias Silberscklcg die Tausiveibe gegeben, sollt Ihr es an mir tdun. Weil der Rabbi meiner Mutter Bruder ist. weil mem Vater Schulklopfer war. soll ich ewig ..Jüd" bleiben, der HannSnarr der.Kilch, has (zbanuka-Trändelcken für ilre Wide, das Kaporabbähnchen ibrer Laune? Rein. Ebrist will ick werden und das binnen acht Tagen. Tie „Kessiweb Tauweb" darf ich meinem Obeim und meiner schönen'Base nickt entgehen lasten.. Wenn sie. die meine Hand stolz ausgeschlagen bat. mir ein „gutes Jabr" mitleidig wünschen wird, dann werde ick ibr sagen: Zu früh. Ellad. zu früh, es fehlen noch drei.;ehw.Wochen. bis das 1623. Jadck nach der weltbeglückenden Geburt unseres Messias gekommen sein wird, und eS wird ibr schwarz vor den Äugen werden und ihrem Vater wird sie « erzählen — und der, ei! Ob er meiner Mutter auch Schuld geben wird —-„Schweig!" sagte der Diaconus. „Glaubst Du," so trug er in salbungsvollem Tone weiter, die Kirche Christi lebe mit Hirsch Elkan im Streue, daß ihr jeder Ueberläuter auS testen Lager willkommen fei. wäbnft Du. ebne -Prüfung und Buße könnest Du^eingcben in das Haus des Herrn und Dick naben der Sckaar der Gläubigen? Dein Schritt fordert ernste Sklbsterkenntniß. Demutd und Zerknirschung.', innerliches Turckkrungcnsein von den Fehlern, Läuterungvon den Schlackenansätzen Deiner Religion. Kaum Monate. Jahre,' geschweige denn acht Tage, vermögen dieses Werk der innern Umkehr, der neuen Menschwerdung zu rollenden. Beginne diesen-Aufbau, lege den Grund durch Erlernung unserer heiligen Lehren — ick werde Dir seiner Zerr sagen, wann das Dach zu richten und der Segen zu sprechen sein wird." — ..Gu§ Herr Pastor." sagte Meierche scheinbar ganz gelassen — „dasselbe bat mir der bochwürdtgste Herr Superintendent Streso heute auch gesagt. nur mir freundlichern Worten, ich will mir heute noch einen Katechismus kaufen, sagt mir nur das Eine, hochwürdiger Herr Pastor und gottgelahrter Rabbi in küheren Zeiten, ist denn Euer geschiedenes Weib ein Stück, verwandt mir dem Rabbi Elkan, daß sie schon siber acht Tage in seinem Hause hier verweilt?" Der tödtliche Biß einer Schlange jagt dem ruhenden Pilger nickt mebr Entsetzen ein, alS diese Nachricht dem Pastor Gerson. Zusammen brach seine bobe Gestalt und sicher wäre er gefallen, hatte nickt Meiercke ibn schnell ausgefangen und ibn mit beiden Händen gestützt. — „Zittert nicht." sagte Meierche, „zittert nickt, Hockwürven, vor einem Rabbi und einem Weibe, tauft mich Montag über acht Tage, und wir vernichten Beide. Was brauche ick Unterricht in Eurer Lehre, die Gnade wird mich erleuchten. Und bin ick Christ, dann wehe dem Rabbi und seiner Tochter mit ihrem Esibergesicht. Der neue Hamann wird'S klüger anfavaen. Hockwürven, erholt Euch, was kann das Weib Euch tbnn? Laßi's auS der Stadt peitschen und den Rabbi übergebt dem peinlichen Gericht wegen Lästerung Eurer heiligen Religion. Hätte ich Euere Macht, kein Jude sollte diese Bergstadt betreten, wie in Magdeburg und Zerbst ließ ich d2s Steinbild einer Sau an Eurer Kircke anbringen und das Conterfei des Rabbi's sollte zum Gesicht dieser Sau werden. Ha, VaS wäre «in reitendes Purimstück und ich dürste allein in diesem Stadttpxil bausiren! Ha. ha! Des Rabbi Ponim auf dem Mumpst' einer Sau!" ' Dabei lackte Meierche so laut; daß der Diaconus sich schnell von ibm loSriß, nach der Srubenthür ging und sie von innen verriegelte. „S»Ü Mensch! fuhr er ihn an, willst Tu meine Frau dMki Deinen Lärm berbeilocken?! Entferne Dich durch die Kammerthür. ged' über den Hof unk durch die Garlentbür nach dem Schloßberg hinunter, ick will mit dem bochwürdigsten Herrn Superintendenten sprechen — geh' und sammle Dick. Du wirst Montag über acht Tage die Taufe und das heilige Abend-- mabl empfangen." — .. Unterthävigsten Dank," rief Meierche, und schnell wie ein Wiesel schlüpfte er durck die Kammertdür fort. Der Diaconus war allein. Er ging an s Fenster, preßte die steberbeiße Stütz zur Kühlung an die Scheiben, schloß wie zum Schlafe seine Augen und stand eine Weile wie träumend. Da fuhr eine stattliche Equipage vor. „Ack Gott." sagte Gerson im bittern Tone, „es ist ja Sonnabend, die Mittagstafel und der Sckachtisch deö SckloßbauptmannS von Trotha erwarten mich — und die bettete Miene, die ich beute beim Tisck, das ernste Nachdenken. das ich beim Spiel zeigen werbe. — Sogleich werke ich kommen." rief n dem Kutscher auf hohem Docke hurck's geöffnete Fenster zu. — Er zog die silberbeschnallten Sckuhe an, setzte eine barettartige Mütze auf. tbat die große, steife Halskrause um. ergriff das lange Bambusrohr mit dem goldenen Knopfe und der breiten Quaste — ein Geschenk deS Dänenkönigs — empfahl sich feiner Frau, indem er ihr be-

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