Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 9 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 3)
- Language
- German
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35 deutele. daß sie ob seiner spätern Rückk hr sich nicht ang Fuß antreten und Tage memoriren stigen solle, da er Heimweg zu dabei seine Predigt junt nächstfolgenden wolle, daß ihres SsoffeS ein übergewaliiger Andrang sei, indem er sprechen wolle über die Feinde deS Glaubens, über Gotteslästerung und ihr Verderbe Land, über die nie ruhende Türke der Heilandsmörder, verließ dann das HauS den Wagen, der schnell fortfuhr. — ES war ein herrlicher Herbsttag, und koste mir den gilbenden Blättern wollte sie ihnen abbittcn die Unbill deS und entzückt gab der blaue Himmel ihr a für Stadt und Nachkommen, der und setzte sich in Pie Sonne spielte deS Waldes, als heißen Sommer» sanftes Bild aus dem Spiegel der Saale wieder. Rinfisumber atbmete die Natur Ruhe, Gottcsfrieden. des S> bbalhs ..doppelte Seele! .Fahrt nur voraus," rief der Pastor Gcrson auö dem Wagen ftdigend, dem Kutscher zu, „und wartet mein am Zägerhause, ich will den kürzer» Fußwe j einscklagcn und werde zeitig mit Epch cintreffen." Er bettat den Fußpfad durch s Gebüsch und bestieg eine Anhöhe, zu deren Füßen, wie eine gr-üne Ebene. daS W lsser der „Rosse" au-gebreilet lag. „Wie beißt diese 'Feldmark?" frug er einen vorbeigehenden Mäbcr. — „Gott geleite (Sud), Herr," sagte der Mäher. „daS ist der „I ü denkäfer," und ging weiter. — „Muß mich denn Alles beute an die Juden erinnern," sagte Gerson unwillig zu' sich und wandt, sich zum Wcikergebcn um. Aber eS hielt ihn wie mit unsichtbarer Gewalt. An diesem Orte, so geht die Sage, denn „Jüdenkafer" ist Judengrab, wurden zur unh ilvollcn. Zeit der schwarzen Pest die Juden Bernburg's in Fässer gepackt, durch deren Böden nach innen Nägel jeschlagen waren, und der Wahn des Volkes ließ die ung ücklichcn „Brunnenvergifter" mit den Fässern vom Ber je Herabrollen tji die Tiefe der Röffe,. deren Geplätscher und Gemurmel ibncn als GrabeSlielt-rrklang. Ihn ü »erkam bei diesem Gedanken die Erinnerung an das Pafflbfest 1575 So batte er als sechsjähriger Knabe mit seinem Barer auch auf einer Anhöhe gestanden — und uucn schlugen die rochen Flammen aus den Häusern der! uden und züngelten wie giftige Drachen gen Himmel -- unwillig, daß ihnen die bessere Deute, die Leiber der Zuden. entgangen war. Todesmatt lag neben ibnen die Mutter mit dem Säugling an der Brust; aus dem Stad lchen aber erklang daS Mordio deS Pöbels und das Jammergeschrei der Verfolgten, und die Glocken der Kirche erklangen wie Mahnruf zum Werk. Der thränenfeuchte Blick der Mutter. das verklärte AntNtz des DaterS im Widerschein der Feuergluthen traten vor Gerson'S Seele —und erschöpft ließ er sich auf einen bemoosten Stein n eder. DaS Bild der Eltern wollte nicht von seiner Se:Ie weichen. Er dachte des großen Selichothtages und nieder war er daheim bei Vater und Mutter und ging r üt ihnen vor Anbruch des TageS in den Tempel, die Laterne ttagend. Und drinnen klagte die Stimme des Dors> ngerS, deS weißbärtigen ManncS im Sterbekleid — u id die .Gemeinde und sein Vater klagten mit und er selbk schlug die kindliche Brust, wie er's sah beim Vater, rnd die silbernen Glöcklern erklangen am Vorhang der he ligen Lade, daS Perochoch rauschte und herab fuhr bei Ewige in einer Wolke und der (Hvigc zog vorüber an ij! n und rief: Der Ewige, der Ewige, mächtig, barmhf fig, gnädig, langmüthig und groß an'Liebe und Treues Und wieder war er im. SSempfl; om Tag. deS Fastens u»!.'der Sühne vom Abend bis zum Abend hin. und „er inb die Gemeinde vernahmen den ehrwürdigen und er ibenen GotreSnamcn, wie er klar und deutlich gefpr« en auS dem Munde des Hohenpriesters kam in Weihe' nd Reinheit^ und knieten nieder'und bückten sich), bekanti en ihn und fielen auf ihr Angesicht und sprachen: Gelobt ei der Name seines herrlichen RkickeS auf immek und en! >!" Und vor Gerson'S Obren Erklangen die «alten 9' lodien, die schauerigen Klagelieder, die Sterbefeufzer iner ganzen Nation, sie, mai^kdurchdringender Sckmer nSschrei des Feuertodes,. Schwerter der Rache, zitternde <r rahlen süßer Hoffnung. LiSpeln banger Erwartung, mr >iger Zuruf gläubiger Seelen. Stimme deS himmlischen \ ichterS. feste Verheißung göttlicher Erlösung! Und nur fanden die Jubellieder der SgbbathSweihe ihr Echo ick>feiner Erinnerung und das Bild der Eltern tauchte gbermalS auf auS der Vergangenheit —- Vater und Mutter, ihn und die Geschwister seg nend. der strenge Blick des VaterS. wenn der Knabe f rauchelte beim Hersagen des aufgegebenen Parascha. das wonnige Auge befriedigter Muttereitelkeit, wenn ber tnitanwesende Rabbi deS Schülergroße Zukunft prophezeit«. Und er sab sich, den Schüler d«S Rabbi, wie er^. Abschied nahm von ihm, um selbst zu schöpfen vom Ouell der göttlichen Lehren, aus dem Born deS Wissens mit din.Geistr.Sgefaßen ver großen GdtteSgelehnen zu Frankfurt a. M. — und ber Rabbi sagte dem Scheidenden: ^.Strebe nicht zu hoch, Gerson. denk' Deines Namens, ' Du bist ein Fremdling im fremden Lande!-- Bin ich nickt solcher Fremdling. rief Gerson seufzend aus, der Diaconns und Pastor bleibt ewig ein getaufter Jude; nicht Wasser und nickt Worte, nicht Wissen und Werke wischen den Makel meiner Geburt hinweg, ich bezahlte haS Eintrittsgeld mit meinem Glauben, ick löste den Bürgerbrief mit Scheidung von Eltern.und Weib, ich kaufte > die zünftige'Ebenbürtigkeit mit dem Fluche meines Bplkcs und dennoch bin ich fremd im fremden Lande- und —|— - „Wirst es ewi; .bleiben, armer Rabbi Gerson!" Die so sprechend vor bin stand, war Bräunchen Hermann, sein geschiedene- Weib. , w«t.) Sinusprüche. DeS Lasters Drhn ist anfangs, zwar Ein breiter Wg durch Auen; Allein fein Fortgang wird Gefahr. Sein Ende Naicht und Grauen. Der Tugend Hfad ist anfangs steil. Läßt nichtals Mühe blicken; Doch weiter fort führt er zum Heil, Und' endlich zu^n Entzücken. •nnbrrro mrx rrrr ’nba^i frrö pmra bn Nttn rm:a nmnet bitsai rtc dm«;ö^ri bsb brhu “penn henoi l -