Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 9 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksvlatt Zur Retehrung und Unterhaltung aus jüdischem Zediele. Herau-gegebea voo Rabbiner Vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. I sNo. S. 18581 Bon Mfftt AeitsckiriN erschein» «öcheurltch eine -lummer. Drei« des Aiderw A «angs 1 kdir. ®i< tdjibrig 71/, J»ar. «Dt BuN»dandlungen. ioüJlnttr I iS iflhff] 1 Qnitlirilll T uns Ze> ungeexrekiiionea nedmea BeüeUun^en >in. L * ffrMv*ö* Der Pastor und Diaeonus Rabbi Gerson Biberbach. Lon RechtSauwalt I)r. Eälm in Bertzburg. „wär' ich wirtlich so snlsch. »I« », irrend -eglandt, Sr mutden' ich nicht, »einer Hqmnth ber»»t, ich de« Stande«, so fei? ich entrückt De« Finch, der. so sagst Dv. die Reinige» drückt." Lord Oyron. u.! Da» Wiedersehen. > Am stattlichsten vdn allen Häusern ist der Leipziger Straße -nimmt sich da» Pastorat-gebände au». Völlig massiv aufgeführt, mit hohen Fenstern. ^germ«iaem Vor« tale, mit feinen durch Arabesken verziert m TÄrmche«. läßt es auf ein behäbige» Innere schließen. Uüx in ver That, wenn Du mit mir in die breite HauSflnrFinttittst und öffnest Jt>te mit reichem Schnitzwerk versehene Stuben» thür linker Hand — wie möchtest Du ist dem Mastne einen Juden vermuthen. der, den Rücken Dir zugekehrt. auf breitem Polsterstuhle da sitzt, vor ihm auf dem Tische im prächtigen Einbände mit silbernem Eck nbeschlage die Kirchbibel. daneben pergamentne Blätter, in schwarzer Tinte den Tetr, in rotber Farbe die Melodie von Kirchen» gesängen zeigend, zur Seite de» Stuhl», lden dreieckigen Hut tief in den Händen, mit ehrfurchtSvoster Miene, der Küster — eben einer Antwort auf seine Frage gewärtig. „Vermeldet.- sagte der Mann auf devi Stuhle, ohne sich umzudrehen, „dem bochwürdigen Hesrn Bruder im Heiland und Herrn, wie sein Wunsch mich ehre und wie ich. allzumal eifrig im Dienshe der Kirche!, nicht unterlassen werde, dessen tugendfame Jungfer Tdchter. so Gott will, am 16. Sonntag nach Trinitati» einzpweihen in den Bund der heiligen Ehe; solche» wollet dem mildlieben Amt-bruder in Latdorf sogleich vermelden jnit dem Gruße der Kirche und ihregehorsamsten Knechte»!" „Zu be» fehlen, hochwürdigster Herr- DiaconuS," sägte der Küster und ging. Kaum war die Glocke der HouSthür! verklungen — und wie der Blitz sprang der Diaconuö auf/ schlug die Bibel zu, schob die Pergamentblätter zurück, stampfte un» willig mit dem Fuße, lachte bann grell! auf und rief: „Warum ich und immer ich, warum kaust kein Anderer den großen Gnadenact verrichten, eine PastorStochter zu trauen? Liegt'» ihm wirklich am Christian« Gerson. oder soll'» der Biberbach ftin. der AmrSbruder. oder der Mann mit dem jüdifcken Gtiftchr. der Getaufte? Ja. da» ist e». da» ist e». solche Ehä hält wunderbar, die einsegner ein Mann, früher verflucht und jetzt gesegnet, früher geächtet und jetzt geehtt. Wie ‘tafi Bauernvolk mich anglotzen wird, mich, da» Wunder bff Bekehrung, al» suchte e» noch jetzt da»" Maal de» AhaSveros. die Spur der Teufel-faust iy meinem Gesichte. > Warum bjn ich ihnen kein Christ wie sie. warum noch da» Außergewöhnliche, warum suchen sie mich, während di^ Juden mich fliehen? Denn'» hier- Haß ist. unauslöschlicher Haß. ist e» dort Liebf, uneigennützige Liebe? Sin „Anderes den Juden, ein' Jude den Anderen — da» ist mein Geschick nach 17 fahren, so wird sich'» fortspinnen bi» zum Grabe!" — So sprach der Mann, dessen äußere Erscheinung Dir wenige Worte schildern. Er war von hoher Md hagerer Gestalt, sein schwarze» Haar bttig glatt und dicht zu beiden Seiten de» blaffen Gesicht» herab, rahmte e» wie Ebenholz ein. Die scharf geschnittenen Lippen, da» durchdringende dunkele Astge .unter dichten, schattigen Brauen, die kühn aber ekel gebogene Rase, eine gewölbte Stirn ' lassen ihn al» energischen hochstrebenden Charakter^ al» liefen Denker erscheinen. Nur dann und wann verräth da» spöttische Zucken de» Mvnde». da» flammende Stechen seiner Augen-, daß seist Geist noch nicht abgeschlossen har mit dem neuen Wirkungskreise, den er sich gkwählr hat. Und so war e» auch. Dlo» der Zufall harte ihn zum Protestanten gemacht, seinem Ehrgeize schwebte die Stellung eines hoben Würdenträger» in der katholischen Christenheit vor — «nb wäre der Bahn seine» Leben» nicht ein jähe» Ende beschieden gewesen, wäre Dun gleichen Streben gleiche Gelegenheit geworden, dieser 8 ann hätte der Welt Spuren seine» Wirken» hinterlaffen. ' )och mehr noch al» der Ehrgeiz beseelte ihn damals da» Sefühl ller Rache. Er. mit dessen Abfall die Geistlichkeit e» ganzen Lande» und drüber hinau» prunkte, war wied rholt von Hirsch Elkan in den religiöftn Versammlungen »er Juden» Gemeinde gehöhnt worden.! Hatte doch der S lbbr sogar die Echtheit seine» häterlichen Namen« bezw reit, ihn zum Bastard gestempelt, nur ihn gemeint, al» < in seiner Gemeinde sagte: „Ni? hat da» Kind eine» ° rden verlassen den Glauben her Väter, die heimliche Zünde der Mutter ist durch den Sohn dann nur offenbat worden.' Und galt nicht ihm der Schimpf mit, wen,!» die ganze Versammlung spie, ehe sie im Olenu»Gebel! da» Knie beugte? Unzufrieden, wie> er war mit seiner Sr< ilng, maß i