Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 8 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 3)
- Language
- German
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31 als wollte jir, die zarte Jungfrau, ihn stützen gegen die Angriffe einer ganzen Welt. > „Nein", sprach der Rabbi, „noch geschieht mir nichts, seiner Rache »Maßist noch nicht gefüllt^ noch wartet er gelegenerer Zeit. Das ist auch nicht bas Klopfen beS Büttels, so leise und schüchtern meldet sich nur das Elend an. Er nahm nach diesen Worten die Laßnpe. ging allein herab, öffnete ein wenig die HauStbül! und geschwind schlüpfte eine weibliche Gestalt herein.! So schnell daS geschah, batte der Rabbi doch Zeit gehabt, beim Scheine der Lampe das grinsende Gesicht des rowen Meierche zu sehen, der sich gerade der Elkan'schen HauStbür gegen« über unter einem Thorweg versteckt hie r, unbekümmert darum, daß seine verdächtige Nähe die Hunde im Hofe zum lauten Bellen veranlaß». Friede mit Euch, Rabbi Elkan, spra b das Weib und folgte ihm zur Stube. — Friede mir ^)ir, Tochter JsraelS, antwortete der Rabbi; Du kommt spat, doch Du kommst zu einem Bruder, setze Dich, ru >' aus, dann iß und trink und sage mir, wenn's Dick drängt, heute, sonst morgen Dein Begehr, denn wohl sehe ich. nicht geröthet vom Rausche sind Deine Äugen, sondein von Thränen, und hast oft ausgeschütter Deine Seel, vor Gott und von großem Kummer und Verdruß hast Du zu lhm geredet. Bleib in Frieden und der Gott Israels gewähre Deine Bitte, die Du erbeten von ihm. Bräunche war schnell in eine Nebe lstube getrippelt, und nun Leckte sie, zurückkeböfnd. ein kleines Tischchen und setzte darauf Speisen und^Mtrank. „Nehmt," sprach sie zur Fremden, ,Jhr müßt weil gegangen fein, und habt wohl Hunger, licht wahr? Seid Ihr allein? wo ist Euer Mann? habt Ihr keine Kinder mit? sind sie draußen? soll ich sie ruferi?" ,,Still," gebot ibr unwillig Elkan. „gieb und frage nicht." „Verzeihung, mein Herr." sprach däS fremde Weib. „Ihr seid ein »Mann des göttlichen WotteS, achtet nicht so auf menschliches Reden :— nicht n ag ich effen und trinken, denn mehr als mein Leib da bt meine Seele. Wohl lebt mir ein »Mann und doch ist er rodt, todt ist mir ein Kink, ich möchte eS wieder bel ben." „Wie sprichst Du so -röthselhaft," mtgegnere Elkan, „solche Geheimnisse bergen selten Gutes; lebend sei Dein Mann und todr, tovt Dein Kind und;u beleben?" „O, Du kennst meinen »Mann, R»>bbi." sprach daS Weib, wie Du ist er eine Leuchte Goties, bochgepriejen wegen seiner Weisheit, doch er erwaru t nicht, sondern versengt, er belebt, nicht, sondern rödlet and seiner Torten harrt kein Meschiah — ick bin Braun«» Heimann, des Rabbi Biberbach, Cures DiaconuS Ch:istianuS Gerson, geschiedene Frau!!!" — 4 Wenn mitten in der Nacht daS Au;e geblendet wird . durch den Zickzack eines jabxn DlitzeS und ihm folgt im rNu ein heftiger Donnerschlag — S erf arrt da der Puls, 'der Athem stockt und die beklommene Sei« wartet lebend, ob Verderben und Ungemach folge, od«r ein Engel Gottes Haupt und Haus vor Untergang l ewahrc; so erzit» tertx der Rabbi nebst seinen Hausger ossinnen vor dem Weib und ihren 'Worten, und scheu richteten die Drei ihre Blicke nach der Thür, ob der Ge urchrete nicht ein. trete, um sie und sein Weib zu. strafen, der Vernichtung Preis zu geben. Doch die Fremde achtete nicht daraius. Hatte der. große Schmerz des eigenen Seele sie unempsind« lich gemacht gegen fremde- Leid, ober sah sie in deS Rabbi und der «einigen r^enehnren Mitleid mit ihrer Lage, oder las sie in deren Mienen Entsetzen über die Kühnheit ihres Erscheinens, genug, sie setzte sich, erschöpft wie - sie war, in beS Rabbi Lehirstuhl, fuhr mit der Hand über die Stirn, wie, um die bösen Geister und Kobolde zu scheuchen, die ihre Gedanken verwirren und die Fäden der Erinnerung verschlingen und erzählte dann, leisen, aber sichern Tones: „Ja^ ich bin's. Rabbi, die Unglückliche, des Löb Hermann Effeh (GoneS Frieden über ihn!) Tochter, die Frau deS Rabbi Gerson Biberbach^von Reck- Nchbausen im Churfürstenthum Cöln. Zwölf Jahre habe ich mit ihm gelebt glS fein rechtschaffenes Weib und habe 'ihn geliebt wie ven> Stern meines Auges und ihm gelebt, wie dem Frieden meiner Seele. Seine Liebe hätte mich -fast vergessen lassen den Tod eines unserer Söhne, könnte das Grab «in Murttther; zum Schweigen bringen. Und vor 17 Jabren hat er verlassen den Glauben seiner Vater und sich gewendet von kinS, und er, ein Rabbi.-predigt jetzt die Verfolgung seiner Brüder. »Mit großem Gepränge ist er im Dome zu Halberstabt von Dr. Jeremias 'Silbcrfchlag getauft worden — und midi hat das Konsistorium zu Wolfenbüktel geschieden von seinem Namen. wie der Abfall ihn längst getrennt batte von meinem Herzen. | Das litte der heilige Augustin nicht, sagten sie. daß die Ehe fortbauere^ wenn der andere Theil nicht auch zum Christentbume!übersräte, in solchem Falle machte die Furcht vor Blasphemien selbst nach katholischem Kftchenrechte die Ehe auslöslich. Nickt empfing ich einen Ger. wohl aber riß mir der Mann den einzigen Sohn von meiner Seite, und kraft väterlicher Gewalt nahm er ihn zu sich und weihte ibn ein in den neuen Bund, ihn, einen Knaben von!l0 Jahren. Weinend hi>rg;der Knabe an meinem Halse und frug nach seinem Vaterjund neben mir stand — Freude Zorals, diese- BaterS ^Kutter, in ihrer Hand Lulaw!nnb Efrog, mit denen sie eben, zu Gott gebetet — und so kamen ste herein, zwei Diener deS Gerichts und zeigten ein Pergament und nahmen da» Kind, wie jämmerlich eS sich auch geberdele. und da ich'S halten wollte, schlugen sie mich mir dem Lulaw über den Kopf und gebrauchten Gewalt. Und so habe ich daS Kind nicht gesehen^ eS sind 17 Jahre und weiß nicht ob und wo eS lebt. Rabbi, eS ist ein Goi geworden, aber wider Willen, ohne eigene Schuld — und immer mein Kind. Sehen will ich eS, sehen muß ich eS, nur «in Mal. dann wird der Heilige, gelobt sei er, meine Seele erlösen aus den Sesseln der Leiden, mich rufen zu meinen und meines Mannes Eltern, die vorangegangen,. usid zu dem Kinde, deeS gestorben im Glauben der Vater, im Licht unserer heiligen Religion. Ist eS eine Sünde, Rabbi, daß ich mein Kind suche, weil 'eS ein Christ, Gott wird sie verzeihn. Hat rS doch, unter meinem Herzen gelegen, an meiner Brust gesogeu. Und wird mein Sohn mich ableugnen, wie sein Barer unfern Glauben, so sehe ick doch noch einmab feine Auge^.und höre seine Sprache,, und Gort läßt müh da» Andere bald vergessen. Du aber. Ratbi. sollst mir sagen, wo dieser Sohn weilt — und weißt Du e» nicht. Du schüttelst mit dem