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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 6 (1858) · p. Seite 22

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
6 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
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22 denen. reit nach Amerika. und. zeitliches und ewigkS. Glück in dem gelobten Lande zu erlogen trackkeren, da verkaunen sie Haus unk Habe, um ihre Fahrt ru rüsten. Die Juten unk die Klöster wurden «icfc von tiefen Verkäufen, wobei blos die Ankäufer den Preis bestimmten. Bei den verunglückten Zügen ober begann ras Land ru verarmen. Ta gelüstete dem. fahrenden Vdlke nach der Juten Wohlstand, unk Betbyrer sprachen: ^Was feilen ww fern binauszieben, die Feinde unserer Religion :u bekäntpren. so lunge die, welche den Heiland gekreuzizr haben, in unserem Lanke in unserer Mine wobnen. Ibre Vernichtung ist ein verdienstliches 'ünbentilgendes Werk." — T iese Lehre fand in dem Volke, je dummer unv schlechter es war. desto rascheren Eingang. Unter den Fabnerz der Kreuzfabrer schaarlen stch Würgerbänden, dir unter dem Ruse: „Gott will es haben!" die Juden zu Tausenden erschlugen und sich lbre Güter aneigneren. Aus den Kreuz.'Fahnen aber, die raüralß den Jükenverfolgern vor^elragen wurden, stand ein Kreuz mit der durch die Anfangsbuchstaben H. E. P. angekeureren Umschrift IJierosolyma Est Perdita- (Jerusalem ist verloren-. Die der lateinischen Sprache unkundigen Würgerbanden machten daraus ihr Feldgeschrei, und daher wurde unv blieb das ..Hepp! Herr!" bis ans den heurigen Tag b,ks Hetzwort bei allen Judenverfolgungen. Erst nachdem die weltlichen Fürsten, die Bischöfe und der Papst dem Würben des fanatischen Volkes Einbalt zu rhun verluchten, und die Gründe der Verfolgung.damit wider, legten, daß die später», Nachkommen nickt dafür könnten, was ibre Abnen bei der Kreuzigung des Heilandes verbrochen hauen, da erst ^ann die Bosheit auf Verleumdung und dichtete den Juden kie gröbsten Schandtharen an. Damals erst wurden die Märlein vom Cbristenblut unk vom Morde unschuldiger-Kinder erfunden, um die Raubmorde an wehrlosen Juden unk all die fanatischen Greuel zu beschönigen, sie sogar als ein verdienstliches Werk darzustellen. Die schamlosesten Lügen wurden wie immer vom roben Volke um io" willfähriger geglaubt, weil sie den Leidenschaften zusagten. Pest. Viehseuche, Hazelschlag, Ueberschwemmung und alle vorkommenden Unglücksralle gab man den Juden schuld, und brachte, so» gar vor. daß ste Heiligenbilder und Reliauien geschändet und verstümmelt batten. Da suckle Papst Jnirocenz IV. die Mörder« zu hem» men durch ein am 5. Juli 1246 an alle deutsche Bischöfe gerichtetes Schreiben, worin er sagt: „Wir haben aus Deutschland kie betrübende Nachricht. daß man in Euren Städten "ünb Diöcesen bedacht ist, die Güter der Juden auf eine widerrechtliche Weise an sich zu reißen und zu solchem Zwecke böse Rathschläge ersinnt. Ohne zu erwägen, daß den Juden in gewissem Betrachte die Hur des christlichen Glaubens anverträuet voci; daß ste auch das Gebot der Schrift haben: „Du sollst nicht rödren." und daß es ihnen vom Gesetze untersagt ist, bei der Paffafeier Leichen oder dergleichen zu berühren. bürdfft man ihnen auf, sie verzehrten gemeinschaftlich das Herz eines gemordeten Kindes, indem man glaubt, also sei es in ihrem Ge» setze vorgeschrieben, was sich jedoch geradezu entgegenge» setzt-rerbält, utab ihnen rechnet man es zur Schuld, wenn irgend erneS Menschen Leiche gesunden wird ,c. rc." — Am Schluffe der Urkunde befiehlt der Papst den Bischöfen und Fürsten.'die Juden in Schutz zu nehmen und Alle zu bestrafen, die stch an deren Gute oder Person vergreifen. Mehrere spätere Päpste: Gregor. Caürt, Eugen, Alerandcr. Cölestin. Honorius rc. wiederholten diese Schutz» briete, worin sie den Aberglauben über die Juden-gründlich widerlegten; und auck der deutsche Kaiser, Rudolf von Habsburg, suckle durch Wort und Schwert die Judenverfolgung zu zügeln. Aus dem kaiserlichen Schutzbriefe, der noch rm Stadtarchive zu Cöla aufbewahrt wird, siebt man, daß den Juden hauptsächlich Schuld gegeben wurde, daß sie an ihrem Pass»feste von dem Herzen eines neugeborenen Kindes communicirren. mir andern Worten: daß sie stau des Osterlammes ein Kink schlachteten und dessen Her; gemeinschaftlich verzehrten. Kaum baue, auf der Papste und keß Kaisers Belehrungen und Strafen die erste Verfolgung nachgelassen, da wurde um Ostern des Jabres 1287 in einem Dornengestrüvve bei Backarack der Winzerknabe Werner rodt gefunden, von Dornen oder von Wölt'en zerfieischt. Wiederum hieß es: die Juden hatten ihn umgebrachr. Folterschmerz eroreßre die erforderlichen Geständnisse der Bezüchtizren: der Kleine kam als Märtyrer unter die Heiligen. Ihm zu Ebren wurde kie Wernerskirche gebaut und an seinem Grade geschahen Wunder über Wunder. Diese Wunder und was drum und dran hing weckte Nacheifer. An mehreren £}nen erstanden solche jugendliche Märtvrer, wahrscheinlich unter dem Messer der blutgierigen Juden» Verfolger, um den Anlaß zu ihrer Bosheit zu kräftigen. Angesichts der zerstümmelren Lcicke ließ sich daS Volk zu neuen Verfolgungen aufstacheln. ' Die Judenverbächügung gewann festeren Boden tm Volkeunk es kam so weit, daß eine Stadt der andern schrieb: Wir sind mit den Juden fertig, babr Jbr die Eurigen noch nicht umgebracht, so zeigt's uns an. daß wir kommen, Euch zu Helsen zur Ehre GoneS. Gott will es haben. Auch Siegburz bar jenem Unfuge seinen jugendlichen Heiligen zu verdanken. Höchst beukungsvoll für den Zusammenhang der ChristenblutSsage mir dem deutschheidnischen Aberglauben und dem Zauber durch Kinderhändchen und Kinderstnger, ist die Legende des Siegburger HänneSchen (Jobannettus), wie ste GeleniuS und besonders Reiner Sebastian in seinem Siegburger Heiligthum erzählt, und worin auch sogar die altdeutsche Ansicht von der Geisterkunke der Rosse und der Schweine nock anklingt. „Als" — so heißt eS — ^die Leiche des gemordeten KindeS unfern dem Hause zur Mühlen in die Erde verscharrt war, da haben Schweine dieselbe herauSgewühlt. Die Eltern haben daS Kind christlich begraben wollen und auf einen Karr» gelegt. Da der Leichenzug nun an Siegburz vorbeigekommen, an die Stelle, die davon noch die KindeSgaffe heißt, ist daS Pferd unbeweglich stehen geblieben, bis daS rodte Kind selber, seine Händchen durch den Sarg gestreckt und auf den Berg des heil. Anno gezeigt hat. woraus man erkannte, daß es dort begraben fein wolle. Du haben evie Mönche in feierlicher Prozession abgeholt; und'daS Pferd ist ungetrieben den Berg binar» geschritten. Die Mönche haben dann die Leiche

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