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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 6 (1858) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
6 (1858)
Date
1858-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt. Zur Lesehrung und Aüterhattung auf jüdischem ZeKiete. HerauSgegrde» een 1 Rabbiner Dr. Ludwig Phillppson in Magdeburg. hillp, ich «II» J» -«OSOI #en lief« crfdXint »*6f*ttid>Vn» »airnet. fi«i# #r* Öaörl-c * «*„...^1 ~i ytO. K. 1858.1 «an«, ittlx. rfurt«Ijälm« 1*/» **»• «« *«*M«hwi*n. I 5. Ighril. 1. WllllNat. l >- -■ un» ijeimnA»kxr«tli!0ne« ntbmtg Vrft<Qungeti an. L v ~ » -J Aberglauben hinsichtlich der Juden. Don Montanus. j Ein sehr geachteter Dolksschriststeller. ein Katholik, giebt unter dem Namen MontanuS em Werk herauS: „Die deutschen Volksfeste. VolkSbräume und deutscher Volksglaube in Sagen. Marlein und Volksliedern. Ein Beitrag zur vaterländischen Sittengeschichte von Montanus. Zweite-Bändchen: Volksbrauche und Volksglaube. Mythologische Naturgeschichte/' (Jserlohst, BLdeker 1858.) Zn demselben giebt er S. 131 einen« Aufsatz ..Aberglauben hinsichtlich der Juden", der ejben so anziehend wie belehrend geschrieben ist. Wir lassen ihn, gegenüber einer erst jüngsthin in dem Wiener Kirchenblaite gefliffent. lich wiederholten Anschuldigung, hier aßdrucken. mit dem Bemerken, daß der beliebte Schriftsteller auf Verlangen seinen wirklichen Namen nennen mürtze. Da. der Wer» faffer ein Christ ist. so schreibt er natürlich im Sinne und in den Au-drücken seiner Kirche. Von allem Aberglauben, der sich ouS fernen Jahrhunderten in Deutschland und überhaupt in der abendländischen Christenheit fortgeerbt hat.!und biS' heutigen TageS noch zur Schmach des Jahrhunderts. daS sich daS aufgeklärte nennt, selbst in den Köpfest der sogenannten gelehrten Leute herumspukt, ist wohl keirfer so abgeschmackt, so heilloS und entehrend, als die Meinung, daß die Juden zu gewissen gottesdienstlichen Verrichtungen oder zur Reinigung vom AuSsatze daS Blut und die Herzen unschuldiger oder neugeborner Christenkinder gebrauchten. Liegt doch daS ganze mosaische Gesetz in dem alten Testamente abgeschlossen vor unS, und^ ist doch bekannt, daß auch kein Buchstäbchen an diese»» Gesetze geändert wurde und geändert werben kann; ststd doch die Juden wegen ihres starren Festhaltenam 4 lten allgemein bekannt und ihrer GlaubenSzähigkeit wexen sogar verhaßt; sind die jüdischen Religionsvorschriften doch älter alS daS Christentbum und haben wir Christen! von den Juden her doch die Vorschrift: „Du sollst nicht tbdten" und daS Verbot. Menschenblut zu vergießen, -f und dennoch jene Sage, die von den Abendländern sogar in» Morgenland übertragen wurde, und jedeSmal austauchte. sobald nur irgend ein Kind tobt gefunden wurde.I ohne daß man die TodeSart sogleich zu erklären wüßte. Ist der Glauben an Heren und TeftfelSverschreibungen schon auS dem handgreiflichen Grunde auch dem einfälitgsten Menschen ungereimt, daß alle hie Heren unl^Zau« berer zu den armen Leuten gehörten, so ish die Grundlosigkeit de» fraglichen Aberglaubens wegen der Juden noch viel klarer am Tage, weil gerade da« Judentdom den Gegenstand der^ Beschuldigung, viel streitger als alle anderen bestehenden Religionen verabscheut und verbietet. Doch woher jener Aberglaube? ES macht den Gelehrten wenig Ehre, daß sie auf diese Frage zu antworten nicht vermochten, daß Vi^le von ihnen die Sache so hingestellt sein ließen. und andere sogar zu dem Schluffe kamen: eS müsse wohl etwas daran sein, sönst könnte der Vorwurf nicht auf^ekommen sein, wie eS denn im gemeinen Leb n ein Sprichst»»« giebt, man heiße keine Kuh bunt, woran nicht irgend ein Klecken, selbst einer der gefeiertesten Gelehrten und AlterthumSforfcher des StheinlandeS, der. aufgeforvert war, die Grundlosigkeit der Beschuldigung zu beleuchten, hat in seiner vor etwa zwanzig Jahren erschienenen Schrift aufgestellt, daß eS wahrschrtnNch eine Jhdenseete gegeben Hab«, die zu ibren religiösen Gebräuchen deS Blute» unschuldiger Christenkindrr bedu fte. Mit der angeblichen Seete ist da» ganze Judenthum Verleumder, so lange kein ErkennungSmal jener! Heere angegeben ist. D.r Hauptgrund der Annahme: '„<» müsse 'vohl etwa» dran sein, sonst hätte sich die Sage nicht durch so viele Jahrhunderte forterhalren können.- ließe sich auch auf «alle Heren und Geistergeschichren. auf allen TeufelSspuk mit gleichem Rechte anwenden. Freilich bat jene Sage ihren Grund, oder vielmehr ihren erweislichen Ungrun^. aber den haben, die Gelehrten nicht in ihren Folianrcst gefunden und haben wieder einmal den Wald vor lavier Bäumen nicht gesehen. 1 Herr Dinterjm führt in seiner Schrift über Kinverschüchteret einvn mittelalterlichen Vorfall auS Basel an .und erzählt dabei: die Mordthat sei durch daS Eingeständniß der israeilitischen Mörder erwiesen worden. Daß daS Geständniß aber auf der Kolter abgegeben wurde, verschweigt er. Ist dieser Manier sind freilich alle HerentLnze und Buhlschaften mN dem Satan erwiesen, denn die armen Heren gestanden auf der Fxlter Alle», was man ihnen.aus dem Herenhammer de» Jacob Sprenger nur immer fa den Rund legte, und da« Folrergeständniß der armen Juden zu Basel beweiset weiter Nicht», als die Thorbett und Unmenfchlichkeit der Richter, die sich der Folter bedient hatten. Einem ehrbaren Manne geziemt eS nicht, sich ans solche Geständnisse geradhin zu berufen. ' Jene Beschuldigung der Juden reicht nicht vor die Zeit der Kreuzzüge. AlS damals die Deutschen nach Palästina auSwan-

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