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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 4 (1858) · p. Seite 14

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
4 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
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14 Er Hieb drei Zahre auS, und bereiste unter andern t.;6 ferne Morgenland, wo er jeden Platz besuchte, der il'in alS einem d<S auSerwablten Bolkxs. für welches das Meer selbst gespalten worden war, rbeuer fein mußte, kr sab, daß Elend. in so mannicht'achen Formen, das Erb. td,il sein»! Elation war, daß er stch endlich selbst Vor» rvürftmachte und sich schämte, sich unglücklich p« fühlen, kr lernte erkennen, daß nur Perbrechen und Sünde einen Schmer; rechtfertigen, wie er ibn bisher empfunden; daß ti ein unsterbliches Wesen »rare, und einer, dessen irdische- Vrce rer Lausenden seiner Brüder so sehr gesegnet war. tax er sich nur wunderte, daß -die Sünde seiner Un;u» friedcnbeit nicht schon langst den Zorn Gottes auf ibn berabgerusen baue. Seine Seele schien plötzlich befreit von ibrer, Fesseln, und 'er bewegte sich unter seinen Nit- »ucnschrn furchtlos und ebne Scheu. Ungeachtet der Gefahr einer solchen Reise — denn »renn man einen Juden in ibm erkannte oder auch nur vermutdere. war er unrettbar verloren — wollte Zuda durch Spanien und Portugal zurückkebren und sich einigen Freunden seiner Familie zu erkennen geben, die noch in letzterem Lande wohnten. Bei ibnen blieb er einige Monate. rknd Her erwachte in ihm ein neues Gefühl, daS sich »einer bemächtigte, ebe er »äck dessen selbst bewußt war. Bon seiner frühesten Jugend an baue Zuda die Liebe-gefürchtet und sie sich verschworen. weil er es-für urimöglich hielt, je Gegenliebe zu erwecken; aber die Liebe spottet solcher Brrschwörer. -Bevor er sich erkläkcn konnte, warum ter Schmer; über seine unglückliche Häßlichkeit rriekergckedrt war. .da kr ihn so erfolgreich niedergekämpfr;u baden glaubte, liebte er mit der ganzen Leidenschaft 'eines Stanrmes und seines eigenen, eigenibümlicken Charakters. unk liebte eine, über die er nichts erfahren, nichts erkunden, nichts erforschen konnte, als daß sie so unauS- 'piechlich' lieblich war, daß, obgleich rr sie nur drei Mas geseben batte, — nie in der Näbe, und nur ein Mal ohne Schleier — die Schönheit ibrer Züge und ibrer Gestalt seinem Gedächtnisse so unauslöschlich eingeprägt war. als ob ne Zabre lang darin geschlummert bäktc und jetzt durch einen plötzlichen Lichtstradl zum Dasein erweckt worden wäre. Sie war seinen Freunden so unbekannt wie.'ldm selbst, nur in der Dper war sie gesehen worden: keine Frage,, keine Nachforschung wollte Kunde bringen. Einmal nur batte er den Klang ihrer Stimme gehört, unt ftc war ibm so liebliche und entzückende Musik gewesen, wie die Schönheit ibres Gesichts. Zuda A aveto kehrte als ein veränderter Mensch nach V.uu'c zurück, aber immer konnte rdn Niemand verstehen, kr stob n'cht langer krankbaftdie Gesellschaft, oder ent» :og sich den Umgang rer Frauen, aber er schien jetzt so unbekümmert um den Eindruck, den ex machte, als er! früher zu ricl daran gedacht balle. Einige glaubten, cs wäre unerträglicher Stolz. Andre hielten es für übergroße! Bescheidenheit, alle waren darüber einig, daß er verändert | wäre; abernur! seine vertrautesten Freunde konnten be» 1 kucrke.n. daß er 'unglücklich war, und zwar durch einen tiefliegenden Kummer, wesentlich verschieden von den Ge-; »ul'lcn, die ibn vor seiner Abreise von England beherrschj :en. und daß dieser eine Schmerz es war, der ibn gegen! all.e Andere io gleichgültig machte. > Drei, beinabe vier Jahre versiossen,' und Azave.do blieb derselbe in Charakter wie in Gewohnheiten. Sein Vater war gestorben und hatte ihm unermeßliche Reichthümer binterlassen, von denen er den besten und edelsten Gebrauch machte. Und so wollen wir ibn verlassen, um unsere Leser über daS Meer in ein südlicheres Land zu führen und sie mit einer ganz andern Persönlichkeit be» kann» zu machen. In einem reich geschmückten Gemache einer schönen kleinen Villa, wenige Meilen von Lissabon, saß eine Dame von der außerordentlichen Echönheir, welche, einmal geseben, dem Gedächtnisse immer gegenwärtig bleibt. Nicht alter als drei- oder vierundzwanzig Jahre, besaß sie alle Frische der ersten Nadchenjahre im Verein mit der reiferen Schönheit dcS Weibes, so daß eS oft schwer war zu sagen, welchem der beiden Lebensalter sie angebörte. Ihr großes, glänzendes, riefschwarzes Auge, und der kleine, geschlossene Mund gaben abwechselnd den schalkhaften Frohsinn eines mutbwilligen MadckenS und die hohe GcisteSbegablhcil deS reiferen Weibes zu erkennen. Haar so tiefblau, daß eS von schwarz nur zu unterscheiden war, wenn die Sonne darauf schien, lag in schweren Locken und Flechten um den schöngcfornuen Kopf, und gab. durch den Gegensatz, eine noch blendendere Weiße -der schönen Farbe deS Ge« > sichres und NackenS, welche eS beschattete; die Stirn so ’ gedankenvoll in der Ruhe, doch wenn Auge und Mund es wollten, so voll schalkhafter Heiterkeit. — Aber wir J müssen abbrecken; denn die Feder kann nie der Schönbeil gerecht werten, und selbst, wenn sie cs könnte, würde man uns der Uebertreibung zeihen, obgleich noch Personen leben, die aus eigener Anschauung unsere Wahrhaftigkeit bezeugen könnten. Ein Herr stand vor ihr, als sie mit einer Stickerei beschäftigt auf dem Sopha saß, und da ein Tbeil ihrer Unterhaltung zum besseren Derständniß unserer Erzählung beitragen kann, wollen wir sie kur; wiedergeben, i „Du schlugst ibn also aus?" „Kannst Du noch fragen?" und das stammende Auge der Dame' verieth ungewohnte Entrüstung. Er, der ein hülfloseS. Mädchen von siebzehn Zähren — ich war da- > malS nicht älter, obschon ich fast ein Zahr verheiratbct war — durch süße Worte in Versuchung fübren wollte, so daß ick seine Absicht erst merkte, als er sich deutlicher auSsprach; er. der Mißtrauen und Argwohn gegen meinen Gemabl. seinen eigenen Bruder, in mein Herz zu streuen suchte, um seinen niedern Zwecken zu dienen — und Du fragst mich, ob ick' ibn ausschlug, alS er. da ick mich wieder verbeirathen konnte. eS wagte, mich mit seinem : verhaßten Anträge;u entehren! Zulian, mein lieber Betj ter, hast Du Znez so vergessen?" „Wenn ick es batte, würde diese zornige Aufwallung »"re mir in'S Gctächtniß zurückrufen. Aber bedenke, was Du mir eben gesagt bast, war mir unbekannt. Du wurdest so jung verbeirathet, an einen Mann, der so viel after war alS Du, daß, als ich vor drei Zähren vorr ser« neal Tode Höne, ich dachte, du würdest seinen jüngeren Bruder gebeirathet haben, der an Zähren und sonstigen Eigenschaften viel passender für Dich war." „Passender! Wieder Unrecht. Vetter. Wenn ich meinen Gemahl nickt liebte, so achtete, ehrte ich ihn — ja, liebte ihn auck wie einen Vater; aber Dom Pedro, wie er genannt wird, Zulian, ich würde eher dem zärtlichen

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