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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 3 (1858) · p. Seite 11

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
3 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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(St begab sich daher auf einem Schiffe unter schwedischer Flagge, „Frido Chliko" genannt, daS die Bagage Sr. Majestät des jetzt regierenden Kai 'erS an Bord hatte, von Stettin nach St. Petersburg. .‘,u diesem verzweiselten Entschlüsse bewog ihn lediglich I ie Angst vor neuen Verfolgungen, zugleich auch die Hoffn mg, vernommen zu werben und Gerechtigkeit zu finden. Angekommen in Petersburg, hatte er auch das hohe 6 lück, Ihrer Majestät, der damals regierenden Kaiserin Alerandra Feoborowna vorgeftcllt zu werden, und g< ruhten Allerhöchst, dieselbe^ huldreichst durch ein Handftjrciben dem xolnischen Minister Turku aufzutragen, sich um sein Anliegen zu bekümmern und sich seiner anzunel men. Gleich daraus nach Warschau zurü kgekommen, wurde auf Allerhöchsten Befehl eine Unterst chungs-Commission in seiner Angelegenbeit niedergesctzt, <r aber wurde wiederum in der Cikadellc gefänglich e ngebracht und mit schweren Eisen beladen, weil er cS gewagt hatte, Allerhöchsten Orrs Gerechtigkeit nachzusucken. — Auch diese Commission entschied Alles zu seinen > fünften und stellte die Unschuld des re. Rosengold, sowie die Ruchlosigkeit und Strafbarkeit der neun Schuldigen von der UnterfuchungS-Abtherlung fest. — Ungeafi tct aber, daß die Commission das Resultat ihrer Arbei , nach vorheriger Genehmigung deS ganzen Apparatder Untersuchung von Seilen des Herrn Kriegs-Gouverneu S von Warschau, Gcn^alflPisarew, und durch dessen V rmittelung, in die Canzlci jdeS Fürsten Statthalters zur ndgültigen Constrmation überlieferte, scheint es doch, clS seien die Acten gehörigen OrlS nicht vorgelegt und geprüft worden. ES wäre sonst unerklärlich, wie cS möglis> gewesen sei, daß Rosengolv bei der geschilderten Sachlage fortwährend it) Hast blieb, die neun sür schuldig erachteten von der Untcrsuchungs.Abtheilui5z der Polizei aber weder den Gerichten überliefen, noch sonst einer Strafe unterworfen wurden. Nachdem Rosengold nach seiner Rückkunft aus St. Petersburg eine dreijährige Haft!in der Warschauer Cilgbclle auSgehalten hatte, wurde et auS derselben in die Festung ZamoSc abgefübri, ohne daß ihm jedoch vor-, her ein diese Maßregel anorvnendeS Leeret bekannt gemacht worden wäre. Hier stand er mnrer Aufsicht »es Commandanlen, wurde zwar nicht al« eigentlicher Arrestant behandelt, er erfreute sich aber b^ch nicht der unbeschrankten Freiheit. Während seines Aufenthaltes in Zamosc wurde dieselbe vom Fürsten Statthalter Görtschakoss im Jahre 1851 inspicirt und da der Fürst von früher her seine ganze Angelegenheit kannte!, also von seiner schuldlosen Verfolgung wußte, befahl^ er dem Commanbauten, an ihn nach Warschau wegen seiner Befreiung Bericht zu erstatten; jedoch auch disser blieb erfolglos und kann wiederum nur in der Canzle« deS Fürsten-Statthalterö unberücksichtigt liegen geblieber sein. Erst im Jahre 1854 wurde Roser gold auf dringende Vorstellung deS damaligen Commandanten der Festung ZamoSc, deS 'Generals Grasen Oppcrnann. der in feinem und seiner Vorgänger Namen versicherte, daß er während seines Aufenthalts in der Festung niälallein sich musterhaft aufgefübrk, sondern auch wo möglich sich bemüht habe, der Regierung nützliche und wesentlich' Dienste zu leisten, nach elfjähriger, wenn auch freier Ha t, durch den damaligen Stellvertreter,deS Fürsten Statthalters, General Grafen Rüdiger, auder Festung entlassen, nachdem ihm zum beständigen Wohnorte die Stadt Lubljn erlaubt, ihm aber gleichzeitig unteirfagt war, Warschau jemals wieder zu betreten.! . Dies letztere Verbot sogar war ein Ausfluß der Willkür. denn nach der Verfügung de- Grafen Rhbiger sollte dem Rosengold bloS!daS Reisen nach Warschau ohne porberige Erlaubniß nicht.gestaltet sein, ibm ist aber biS zu seiner Begnadigung die Reise aus Lublin überhaupt ohne Defugniß der höher» Behörden untersagt gewesen. Unbeirrt durch dergleichen Leiden ohne Schuld, üble Rosengolv seine Pstickten als treuer Unterthan auS; er ließ trotz alledem keine Gelegenheit vorüber, diese seine Gesinnung durch Theten zu beweisen, und so geschah es auch, daß er — noch! in Warschau auf freiem Fuße lebend — eine Bande entdeckte, die sich mit dem Beschneiden der Ränder holländischer Duralen und andern Gaunereien beschäftigte-, er entdeckte ferner zur Zeit seiner Hast'brr der (Zitadelle L flU§ Frankreich »ach Warschau gekommener Emissär. Anton Sturm, mit der Absicht umging. den inzwischen verstorbenen Seldmarschall Fürst Pasussische Generale zu. ermorden, wre wider ihn geführten Untersuchung uelseirig anerkannten und sich herauSeiner unbegrenzten Ergebenheit für vnarchen und dessen Regierung, ja Protection, mit der ihn hochgestellte Personeir beehrten uftd sich in seiner Angelegenheit nach kewicz und andere Sturm selbst in der später ei'ngestanken. Trotz aller seiner gestellten Unschuld, seinen erhabenen M sogar ungeachtet alle Petersburg versende kamen zu keiner Ent So war die Lägt en. verblieb Rosengolv doch ohne Gerechtigkeit, und dit Actinstücke in seiner Angelegenheit chcidung. ~ der Dinge, als die Kunde von einer Reise der Kaiserin -Kutter zu Deutschland- Bädern im vorigen Jabrc auch >an daS Ohr Rosengolds schlug, in seinem Eril;n Lublin. Noch einmal beschloß er, Weib und Kinder daheim I zu lassen, noch einmal diese halbe Freibeit, welche ihm! geworben war. für die Wiedererlangung der bürgerlichen Ehre, seiner unbeschränkten Freiheit und seines ibm geraubten Vermögens auf kaS'S^iel zu setzen, heimlich Lublin zu verlassen, nach Deutschland zu reisen und zu dei^ Füßen der Kaiserin die Bitte um. Vermittelung der Endigung seines grenzenlos schmachvollen und elenden GeßchickeS niederW^gvi. . Zwar fübbte er Diesen Entschln« aus. jedoch, wie das erste Mal, so kam pr auch jetzt P Deutschland zu spar an. Bei seiucr Ankunft in Wildbad war die Kaiserin bereits wieder im Begriff, nach SanSsouci zu reisen,- konnte ihn nicht mehr anhören, hatte aber dennoch die Gnade. sein Gesuch der Großfürstin und Kronprinzessin Olga einzuhändigen.! nachdem sie solches änzuneymen geruht hatte. ° - I . Nachdem Rosenghlb noch einige Tage in Stettin verweilt und von hier auS sich an die höchsten und einflußreichsten Personen aiw kaiserlich rusfischen Hofe um Fürsprache .schriftlich gesendetund nur gebeten batte, daß ibm vergönnt-wcrden möge, den Fürsten^Statthalter von Warschau persönlich seine Sache vorzurragen, reiste er mit dem russischen Postddmpffchiffe nach St. Petersburg, sich dem Geschicke, überlassend, ab. Seine Schritte, die er vow

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